Berlin (dpa) - 2020 könnte das Jahr der Superheldinnen werden. Gleich vier große Comicverfilmungen sind dieses Jahr angekündigt, die von Regisseurinnen gedreht werden. Größtenteils sind sie mit weiblichen Hauptrollen besetzt.

Den Anfang macht "Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn": Ein launiges Stück Action-Kino von Regisseurin Cathy Yan. Margot Robbie spielt darin die Figur Harley Quinn aus der Welt von DC Comics (Batman). Quinn kennen Comicfans bisher vor allem als Teilzeit-Gefährtin von Joker, doch in "Birds of Prey" hat sie sich von ihrem schuftigen Freund getrennt.

"Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich ganz auf mich gestellt", erzählt Quinn, die als Erzählerin durch den Film führt. "Aber ich bin nicht die einzige Dame in Gotham, die nach Emanzipation strebt. Das ist unsere Geschichte. Und ich erzähle sie, also starte ich verdammt noch mal, wo ich will."

Quinn ist ein bisschen wahnsinnig. Eine (meistens) liebenswerte Antiheldin, übertrieben aufgedreht und natürlich übernatürlich stark. Robbie ("I, Tonya", "Once Upon a Time in Hollywood") kann den Irrsinn dieser Rolle toll transportieren. In "Birds of Prey" legt sich Quinn mit dem Fiesling Black Mask an, einer Art Mafiaboss in Gotham City. Ewan McGregor spielt diesen weinerlichen, gierigen und frauenverachtenden Mann herrlich lächerlich.

Black Mask ist hinter der jungen Cass (Ella Jay Basco) her, weil sie ihm, ohne es zu wissen, einen unbezahlbar wertvollen Diamanten gestohlen hat. Quinn kann sich selbst nur retten, wenn sie Black Mask den Diamanten zurückbringt. Mit Cass, die sie eigentlich in ihre Gewalt bringen will, freundet sie sich an - und gibt ihr Tipps, wie man ein unabhängiges Leben führt.

Empowerment, also die Selbstermächtigung der Frauen, ist das zentrale Thema des Films. Neben Quinn und Cass gibt es noch einige weitere Heldinnen, die sich am Ende gegen Black Mask verschwören. In einer Szene des Films findet Cass Unterschlupf in Quinns Wohnung. An der Wand hängt eine Zeichnung von Joker mit Dart-Pfeilen im Gesicht. Cass kennt ihn nicht, und als Quinn ihr von dem einst so mächtigen Bösewicht erzählt, ist der einzige Kommentar ihrer jungen Freundin: "Klingt wie ein Arschloch."

Vielleicht liegt es an den Frauen im Film-Team (neben Yan gehört die Drehbuchautorin Christina Hodson dazu, Robbie ist Co-Produzentin), dass Quinn im Vergleich zum Vorgänger-Film "Suicide Squad" anarchischer und weniger sexualisiert dargestellt wird. Dass der Film eine weibliche Handschrift trägt, merkt man in vielen Details. In einer der vielen Kampfszenen reicht Quinn einer ihrer Kumpaninnen einen Haargummi, damit dieser beim Kicken nicht immer die Strähnen ins Gesicht fallen.

Die Zuschauer sehen die Welt durch Quinns Augen, und Gotham City ist plötzlich gar kein so düsterer Ort mehr. Stattdessen leuchten die Farben, und wenn die Figuren durch die Straßen laufen, läuft funky Musik. "Birds of Prey" ist eine Art Gegenentwurf zur tiefschwarzen Charakterstudie "Joker", ohne seicht zu sein. Bei der Brutalität und dem Tempo macht "Birds of Prey", der FSK 16 ist, keine Abstriche.

Im Laufe des Jahres sollen mit "Wonder Woman 1984", "Black Widow" und "The Eternals" drei weitere Comicbuch-Verfilmungen von Regisseurinnen auf den Markt kommen. Cathy Yan gibt mit "Birds of Prey" eine erste verheißungsvolle Antwort auf die Frage, wie Frauen den Blick auf die männlich dominierte Welt von Batman & Co. verändern.