Dahlenwarsleben l Als erstes Gotteshaus in Sachsen-Anhalt soll in der Bartholomäus-Kirche in Gersdorf ein Kolumbarium errichtet werden. Die gleiche Idee gibt es für die Dahlenwarsleber Kirche „Sankt Lamberti“. Darunter versteht sich ein oberirdisches Bauwerk, das der Aufbewahrung von Urnen (oder Särgen) dient.

„Der Beweggrund ist, dass es in Dahlenwarsleben keine 100 Gemeindeglieder mehr gibt. Gebaut wurde die Kirche aber für alle und hat Platz für 500 Menschen“, erklärt Pfarrer Könitz im Volksstimme-Gespräch. Weil zu den Gottesdiensten immer weniger Menschen kommen – in Dahlenwarsleben seien es noch eine Handvoll gewesen –, finden inzwischen nur noch monatliche Sammelgottesdienste in wechselnden Orten des Pfarrbereiches statt, zu denen ein Fahrdienst angeboten wird.

Nur zweimal im Jahr voll

„Für das gemeindliche, spirituelle Leben allein wird diese Kirche nicht gebraucht“, sagt der Pfarrer. Lediglich zu Weihnachten und zum Theaterstück im Winter sei die Kirche voll. „Kein Dorf kann sich das leisten, eine Kirche für zwei Veranstaltungen im Jahr zu erhalten“, erklärt Johannes Könitz. Ähnlich sei es in Gersdorf, dort gäbe es noch etwa 40 Gemeindeglieder.

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Ein neues Nutzungskonzept für beide Gotteshäuser musste deshalb her. Zusammen mit einer Architektin habe Pfarrer Könitz die Idee mit den Kolumbarien entwickelt. Rund 10.000 Euro sei in ein Nutzungskonzept für die Gersdorfer Kirche investiert und vor etwa einem Jahr ein Antrag auf öffentliche Fördermittel gestellt worden. Inzwischen ist die Kirche in dem 400-Seelen-Dorf bereits eingerüstet. Wie Johannes Könitz erklärte, sollen in einem ersten Bauabschnitt unter anderem Reparaturarbeiten am Dach vorgenommen werden. Ein positiver Bescheid über circa 240.000 Euro an Fördermitteln liege bereits vor. Das Geld soll dabei nicht nur in den Bau des Kolumbariums, sondern auch in die Sanierung der Kirche fließen, um sie als Themenkirche langfristig zu erhalten.

Platz für 200 Urnen

Was Dahlenwarsleben angeht, werde momentan der Fördermittelantrag ausgearbeitet. Ein Nutzungskonzept wurde bereits erstellt. Am Tor zum Kirchengelände können Bürger sehen, wie die oberirdische Grabstätte einmal aussehen könnte. Die Architektin stellt sich in der Mitte des Kirchenschiffes einen Glaskubus vor, mit Platz für 200 Urnen sowie Sitzgelegenheiten für Angehörige, um der Verstorbenen zu gedenken. Im jetzigen Altarbereich sollen dann für Gottesdienste oder andere Veranstaltungen trotzdem noch 80 bis 100 Besucher Platz finden.

Die Kolumbarien sollen später auch im Rahmen der Kulturbildung beispielsweise für Schulklassen genutzt werden.

In einem Vortrag hatte Könitz den Dahlenwarslebern die Idee bereits vorgestellt. Einig seien sich die rund 70 Besucher darin gewesen, die Kirche auf jeden Fall erhalten zu wollen.