Stendal l Sie hat kurzerhand die Bürotür verschlossen und sich von Buch aus auf den Weg nach Stendal gemacht. „Endlich wird hier in der Hansestadt auch ein Zeichen gesetzt“, sagt Uta Neuhäuser. Mit 54 Jahren gehörte sie zu jenen Erwachsenen, die auf Initiative von Marion Zosel-Mohr von der Freiwilligenagentur aufgerufen waren, sich neben den Kindern und Jugendlichen auch an der Freitagsdemo für eine klimafreundlichere Zukunft auf dem Standaler Marktplatz zu beteiligen.

Für die FÖJler im Umweltbildungszentrum, das Uta Neuhäuser leitet, war die Begleitung ihrer Chefin selbstverständlich. „Klimaschutz ist ein enorm wichtiges Thema“, so Katharina Schmitt und Anne Lorenz. Deshalb sei es höchste Zeit, dass man die größte weltweit friedliche Bürgerbewegung „Friday for Future“ nicht nur am Bildschirm erlebe, oder sich auf die Reise nach Berlin begeben müsse, sondern endlich in Stendal live mit demonstrieren kann, fügen die 18- und 19-Jährige hinzu.

Wie wichtig Klimaschutz ist und warum endlich weltweit etwas getan werden müsse, machten die mehr als 200 Teilnehmer auf Plakaten, die Mehrzahl selbst gestaltet, und in Redebeiträgen deutlich. Isabella Lang aus Potsdam, die in Stendal an der Hochschule Rehabilitations-Psychologie studiert, sah sich stellvertretend für die, wie sie betonte, „letzte Generation, die an einer drohenden Klimakatastrophe etwas ändern kann“.

Der erste Friday for Future in Stendal

Das Ende der diesjährigen Freiwilligenwoche war auch gleichzeitig die erste Klima-Demonstration in Stendal nach Vorbild der Friday for Future-Veranstaltungen der vergangenen Monate.

  • Friday for future in Stendal: Studentin Isabella Lang (26) aus Potsdam. Foto: Regina Urbat

    Friday for future in Stendal: Studentin Isabella Lang (26) aus Potsdam. Foto: Regina Urbat

  • Friday for future in Stendal: Klara, Marlene und Marie erfahren, welche Lebensmittel täglich in einem Lebensmittelmarkt weggeworfen werden müssen. Foto: Regina Urbat

    Friday for future in Stendal: Klara, Marlene und Marie erfahren, welche Lebensmittel täglich...

  • Friday for future in Stendal: Klara, Marlene und Marie erfahren, welche Lebensmittel täglich in einem Lebensmittelmarkt weggeworfen werden müssen. Foto: Regina Urbat

    Friday for future in Stendal: Klara, Marlene und Marie erfahren, welche Lebensmittel täglich...

  • Friday for future in Stendal: Initiatorin Marion Zosel-Mohr eröffnet die Klimaschutzdemo . Foto: Regina Urbat

    Friday for future in Stendal: Initiatorin Marion Zosel-Mohr eröffnet die Klimaschutzdemo . F...

  • Fridays for future in Stendal: Helene Herms, Katharina Schmitt, Anne Lorenz und Uta Neuhäuser (von links) sind extra nach Stendal zur Klima-Schutz-Demo gereist. Foto: Regina Urbat

    Fridays for future in Stendal: Helene Herms, Katharina Schmitt, Anne Lorenz und Uta Neuhäuse...

Die 26-Jährige möchte einmal Kinder haben und sich von ihnen in 30 Jahren nicht den Vorwurf gefallen lassen müssen, für die Rettung der Erde nichts getan zu haben. „Ich fühle mich jetzt verantwortlich“, so die Studentin. Sie habe sich der bundesweiten Initiative „Psychologists 4 Future“ angeschlossen und eine Ortsgruppe in Stendal mit gegründet. Mit konkreten Umweltthemen beschäftige sich die Gruppe, die davon überzeugt sei, dass sich die Klimakrise nur aufhalten lasse, „wenn wir Gesellschaft, Leben und Politik verändern.“

Stendals Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU), mahnte bei seiner Begrüßung der Teilnehmer, dass „wir mit unseren hohen Ansprüchen, die wir an unser Leben stellen, der Erde nichts Gutes tun“. Und: „Wenn wir für Klimaschutz etwas tun wollen und auch tun müssen, geht es nur mit Verzicht.“

Jugend darf übernehmen

Ein Beispiel lieferte Birgit Apel, Inhaberin eines kleinen Marktes. Sie warb für den Verzicht, Lebensmittel wegzuwerfen, sondern sie weiter zu verwenden mit der App „Too Good To Go“.

Beim Verteilen von Produkten, die im Müll landen würden, stellten Klara und Marlene fest: „Sie sind doch noch gut.“ Mit ihren Eltern waren die Mädchen aus Buchholz und Heeren nach Stendal gekommen. „Wir wollten sehen, wie demonstriert wird“, so die Neun- und Zehnjährige. Umweltschutz sei für sie kein Fremdwort, sie basteln aus Schuhkartons Spielfiguren, trinken Saft mit Glastrinkröhrchen und die Mutti verwende fürs Baby Stoffwindeln.

In anderen Redebeiträgen wurde die Verbesserung des Öffentlichen Personennahverkehrs gefordert, mehr Aufklärung beim Tiuerschutz empfohlen oder für mehr Photovoltaik-Anlagen auf städtischen Gebäuden geworben. Insgesamt, so die Initiatorin Marion Zosel-Mohr, sei sie von der Resonanz „angenehm überrascht“ und zufrieden. Ob es eine Fortsetzung von „Fridays for Future“ gibt? „Das hängt von den jungen Leuten ab“, sagt die 63-Jährige und fügt hinzu: „Sie dürfen übernehmen.“