Volksstimme: Vor sechs Jahren habe ich Sie bei der Schlagerstarparade in Magdeburg erlebt und gestaunt: Als Sie die Bühne betraten, stürmten ältere Damen in Scharen nach vorn und himmelten Sie mit den Armen in der Luft an. Sehen Sie sich als eine Art Justin Bieber für Senioren?

Semino Rossi: Nein, ich fühle mich nicht so. Ich glaube, das ist eine normale Reaktion, wenn man einen Lieblingssänger hat. Es ist wichtig, dass auch ältere Herrschaften Gefühle empfinden, wenn sie Musik hören. Ihre Reaktion ist ein Zeichen dafür, dass ihnen meine Musik gefällt.

Bei anderen Künstlern blieben die Seniorinnen aber sitzen. Wie erklären Sie sich, dass die Euphorie bei Ihnen so groß war?

Ich glaube, dass meine Musik die Seele der Menschen berührt. Manche reagieren in einer Form, manche in einer anderen. Aber ich kann mir nicht erklären, warum die Leute gerade bei mir zur Bühne kommen.

Wie oft denken Sie bei solch großen Auftritten noch daran zurück, dass Sie als Straßenmusiker angefangen haben?

Ich denke immer an diese Zeit, denn sie war Teil meines Lebens. Es war eine harte Schule, aber sie hat mir viel gebracht. Wenn ich auf einer großen Bühne stehe, denke ich daran, dass das nicht selbstverständlich ist. Ich bin so dankbar für den Augenblick, wenn die Leute mit vielen Gefühlen, Applaus oder einem Lächeln reagieren.

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In Deutschland wurden Sie unter anderem mit einem Auftritt im Musikantenstadl bekannt. Die Show hat gerade eine Verjüngungskur hinter sich. Wie gefällt Ihnen der neue Stadl?

Das ist eine Geschmackssache. Die Fernsehmacher glauben, es muss etwas Neues für junge Leute her. Ich finde, das Format, das der Musikantenstadl immer hatte, ist das richtige fürs Publikum. Denn am Samstagabend sitzen nicht die Jungen vor dem Fernseher, sondern die Leute ab 40 Jahren. Aber wir müssen der neuen Staffel eine Chance geben.

Nach Ihrem Geschmack hätte es also etwas weniger modern werden können?

Ich glaube, das war ein sehr abrupter Wechsel. Die Leute waren vielleicht noch nicht vorbereitet. Aber ich wünsche mir, dass es ihn weiterhin gibt. Denn für uns Interpreten ist es wichtig, ein Format zu haben, wo wir Musik machen können.

Reden wir über Ihre Arbeit im Studio. Sie haben mal ein Album von Dieter Bohlen produzieren lassen. Wie war die Zusammenarbeit?

Die war sehr schön. Er ist ein positiver Mensch, der genau weiß, wie eine CD produziert wird. Wir hatten damals ein offenes Gespräch, denn ich dachte, er wollte meine Musik im poppigen Stil produzieren. Dafür bin ich nicht der Typ. Aber er sagte: Nein, ich weiß, wie du bist und wie du singst. Nach zehn Minuten hat die Chemie gestimmt.

Im Fernsehen erlebt man oft, wie er fiese Sprüche reißt. Davon war nichts zu merken?

Nein, im Gegenteil: Er ist extrem respektvoll und professionell mit mir umgegangen.

Sie sagen, es ist Ihnen wichtig, dass Ihre Musik nicht poppig klingt. Warum?

Jeder hat seine musikalische Linie. Meine ist eher romantisch.

Manche Musiker wollen auch mal eine andere Seite von sich zeigen.

Ich glaube, jeder sollte auf seiner Linie bleiben. Das wirkt authentisch. Aber jeder kann spielen, was er möchte.

Mit Ihrem aktuellen Album sind Sie wieder voll in Ihrem Element: Sie singen die schönsten Liebeslieder. Wie haben Sie die ausgewählt?

Ich habe mit einem Produzenten aus Amerika zusammengearbeitet. Er, die Plattenfirma und ich haben Lieder gesucht, zu denen viele Menschen eine Verbindung haben. Das war nicht so einfach, denn es gibt so viele wunderschöne Lieder, die von Liebe erzählen.

Wie lief die Auswahl praktisch ab?

Wir haben zuerst eine Liste mit 60 Titeln erstellt. Jeder hat dann seine Meinung dazu abgegeben. Aus der Liste haben wir Lieder ausgewählt, die zu meiner Stimmlage passen und die einen Text mit einer guten Botschaft haben. Ich wollte zum Beispiel unbedingt „La vie en rose“ singen.

Warum „La vie en rose“?

Es ist ein so romantisches Lied, das ich schon sehr oft gehört habe. Edith Piaf ist eine großartige Interpretin. Ich habe schon vor Jahren gesagt, dass ich dieses Lied gern irgendwann singen möchte.

Gefallen Ihnen eigentlich auch Liebeslieder aus dem Pop-Bereich?

Ich höre oft Schlager, aber weniger Popmusik. Es gibt wunderbare Pop-Interpreten, die so romantische Lieder interpretieren. Aber ich kenne mich nicht gut mit moderner Musik aus.

Und welche romantischen Schlager mögen Sie?

Da gibt es viele. Andrea Berg zum Beispiel hat wunderschöne Liebeslieder, oder auch NikP.

Hören Sie denn privat nur Romantisches oder darf es auch mal etwas Schnelles sein?

Ich höre gerne Romantisches. Aber ich mag auch Temperamentvolles, wie Salsa oder Meringue. Auf meiner neuen CD habe ich deshalb auch „Quando, quando“ interpretiert. Ich dachte, das würde dem Publikum gefallen.

Beim Magdeburger Publikum können Sie das ja bald testen.

Genau, ich freue mich auf Magdeburg!

Semino Rossi spielt am 26. Februar 2016 in der Getec-Arena Magdeburg.