Magdeburg l Das Datum steht, die Inhalte auch. Vom 24. Juni bis 1. Juli wird Magdeburg wieder Mekka für zeitgenössisches Figuren-, Bilder- und Objekttheater. Das alle zwei Jahre stattfindende Festival startet mit „La Notte“, der Eröffnungsveranstaltung auf den Bühnen im Haus und auf dem Gelände an der Warschauer Straße. Nach den besucherintensiven theatralen Bespielungen von Klosterbergegarten, Buckau, Schiffshebewerk und Wissenschaftshafen bleibt das Puppentheater nun zum zweiten Mal auf dem eigenen Gelände. Urbane Räume von Buckau werden aber erneut eingebunden, kündigt Frank Bernhardt, künstlerischer Leiter des Festivals, an.

Bernhardt: „Wir wollen unsere Gebäude und Außenflächen so verändern, dass sie eine komplett neue Wahrnehmung bieten.“ Er spricht von Wandel, Sinnlichkeit, Orten der Fantasie und einem Areal mit einem ganz eigenen Charakter – passend zu „Transformation. Die Welt im Wandel“, dem Motto des Festivals.

Zum Figurentheaterfestival mit internationalem Programm sowie einer Werkschau der ostdeutschen Puppentheater werden 36 Theater aus zwölf Ländern anreisen, darunter Frankreich, Belgien, Russland, Bulgarien, USA. Sieben Deutschlandpremieren und zwei Uraufführungen sind geplant. Bernhardt, der die geladenen Häuser und die Inszenierungen kennt, spricht von einem sehr großen Spektrum.

Zum Festival startet Projekt Aufbruch

Die Stadt Magdeburg unterstützt das Festival mit 40 000 Euro. Laut Intendant Michael Kempchen betragen die veranschlagten Gesamtkosten 250  000 Euro. 30 Prozent sollen durch Eigenleistungen gedeckt werden, der gewaltige „Rest“ durch Sponsoring und Förderung von Stiftungen. Bis dato würden allerdings keine verbindlichen Zusagen vorliegen. „Wir leben im Moment mit einer großen Unbekannten“, so Kempchen.

Die Planungen gehen trotzdem weiter für das international ausgerichtete Bühnenprogramm und das zum Festival startende Projekt Aufbruch.

Hinter diesem Aufbruch verbirgt sich laut Bernhardt ein bis 2018 angelegtes, ehrgeiziges Konzept, das gemeinsam mit den noch existenden Ensemble­puppentheatern Ostdeutschlands geplant ist. Von den einst 16 Puppentheatern gibt es noch neun mit eigener künstlerischer Leitung und eigenem Ensemble, darunter Magdeburg und Halle. Bernhardt sagt erfreut: „Alle haben zugesagt.“

Ziel: Eine Bestandsaufnahme in diesem Jahr, später Projekte und Kooperationen. 2018 sollen Ergebnisse auf dem Magdeburger Festival präsentiert werden. Der Intendant sieht darin ein Stück Puppentheater-Zukunft: „Wir wollen ergründen, wo die künstlerischen Möglichkeiten unserer Häuser für die Zukunft liegen und wie wir unsere Stärken stärken können.“ Im Moment kämpfe jedes Stadttheater für sich alleine. Magdeburg will zu einer gemeinsamen Suche inspirieren. Es geht um den Erhalt dieser traditionsreichen ostdeutschen Branche. Dazu wird es zum Festival ein mehrtägiges Symposium der Theatermacher geben, an dem auch internationale Künstlerkollegen teilnehmen werden.

Neben dem solidarischen Gedanken des Projektes geht es Kempchen und Bernhardt auch um den eigenen Blick nach vorn. Das Puppentheater hat mit mit fast 100 Prozent traumhafte Auslastungszahlen und konnte in diesem Jahr mehr als 52 000 Besucher begrüßen. Trotz solcher Zahlen spricht Kempchen von Herausforderungen auch hinsichtlich des renommierten Magdeburger Festivals. Erst dieser Tage hat der Stadtrat eine vom Kulturausschuss befürwortete Budget­erhöhung für das Festival auf 70 000 Euro abgelehnt.