Carmen-Maja und Jenny Antoni im Literaturhaus Aus dem Leben und den Briefen von Anna Seghers
Von Liane Bornholdt
Magdeburg. Die Schauspielerinnen Carmen-Maja Antoni und Tochter Jenny Antoni sind vom Theater, vom Film und Fernsehen bekannt, starke, vielseitige Schauspielerpersönlichkeiten. Sie waren Gäste bei den 20. Magdeburger Literaturwochen, und sie haben ihre Lesung einer weiteren starken Frau gewidmet. Anna Seghers hat einen umfangreichen Briefwechsel geführt, und ihre Briefe sind in zwei Bänden ihrer Werkausgabe im Aufbau Verlag erschienen, die von 1924 bis 1952 im ersten und, gerade im Mai erschienen, der zweite Band "Tage wie Staubsand", Briefe von 1953 bis 1983.
Mutter und Tochter Antoni lasen aus den Briefen Anna Seghers von 1947 an bis zu Briefen aus den späten 70er Jahren. 1947 ist das Jahr, als die Schriftstellerin aus dem mexikanischen Exil nach Berlin kam, wo sie sich bald entschloss, in den Ostteil der damaligen Vier-Sektoren-Stadt zu gehen. Als Grund dafür schrieb sie 1948 an Georg Lukács: "Ich kann hier ausdrücken, wofür ich gelebt habe."
In der DDR war sie sehr einflussreich
Aber ungetrübt ist der Neuanfang der Exilschriftstellerin nach der Rückkehr nach Deutschland gar nicht. Besonders in den frühen Briefen der 40er und 50er Jahre schreibt sie von der Kälte, welche sie empfindet, von der Sehnsucht nach Lateinamerika, und sie erinnert an Freundschaften.
Anna Seghers war in der DDR außerordentlich einflussreich, aber Vieles hat sie auch bedrückt. Das schreibt sie oft in distanzierten Andeutungen, und man kann sich denken, was sie empfunden hat. Nach Moskau etwa schreibt sie 1956: "Das Tauwetter möge die Dämme nicht brechen", und in einem späteren Satz: "Ich habe ein großes Verlangen nach Freundschaft und Lebensfreude." In ihrem Briefwechsel, in der Auswahl, die Carmen-Maja Antoni und Jenny Antonie getroffen haben, tauchen sehr viele bekannte Namen unter den Adressaten ihrer Briefe auf. Jorge Amado ist ein Brieffreund, Ilja Ehrenburg, Georg Lukács und Helene Weigel. Darüber hinaus nahm die Seghers auch die Werke der jüngeren Schriftsteller in Deutschland Ost wie West mit großer Aufmerksamkeit wahr, und einige der Briefe schrieb sie an die Autoren.
Sehr persönliche Sicht auf die Schriftstellerin
Obgleich sie eine große Autorität besaß und zahlreiche Freundschaften nach ihrer Kraft pflegte, so sprechen ihre Briefe, vor allem aus den späteren Jahren, von Einsamkeit. Ihre Kinder waren in Paris, und mit ihrem Ehemann verband sie auch ein eher distanziertes Arbeitsverhältnis. Später plagten sie Krankheiten und sie klagte, dass "Kopf und Beine verschiedene Geschwindigkeiten haben".
Carmen-Maja Antoni hat, wie sie erzählte, auch deshalb ein besonderes Verhältnis zu Anna Seghers, weil sie in derselben Straße nur fünf Häuser entfernt aufgewachsen ist, in der in Berlin-Adlershof auch Anna Seghers bis zu ihrem Tod 1983 gelebt hat. "Wir haben sie oft gesehen und sie auch mal besucht", sagt sie, und dass sie von der sehr einfachen und sehr stilvollen Einrichtung beeindruckt gewesen sei. Diese Straße und Carmen-Maja Antonis Schule ein paar Meter entfernt tragen heute den Namen der Schriftstellerin und die Wohnung ist ein Anna-Seghers-Museum.
Die Auswahl der Briefe durch die Schauspielerinnen widerspiegelte diese persönliche Sicht auf die Schriftstellerin. Sie ließ hinter der großen Dichterin den sehr widerspruchsvollen Menschen erkennen.