Dessau l Wenn man den Namen Marcel Breuer hört, dann denkt man ganz automatisch an seine einst bahnbrechenden Stühle und Tische aus Stahlrohr. Dass der Designer auch Architekt war, ist weniger bekannt. Und kaum jemand kennt sein angedachtes Projekt für die jungen Meister am Bauhaus.

Wie die Villen für die Bauhausmeister, heute meistbesuchte Objekte in Dessau, wollten auch die jungen Meister um Breuer, Albers und Mayer Wohnhäuser mit Ateliers. Aus Kostengründen seien die Pläne nie verwirklicht worden, sagte Sammlungschef Wolfgang Thöner gestern bei der Präsentation des Projektes "Bauhaus Everywhere", der neuen Online-Ausstellung von Google Arts & Culture und der Stiftung Bauhaus Dessau. Jetzt nun können die Entwürfe für "Bambos", so der Name der Breuerschen Vision experimenteller Häuser, nicht nur online eingesehen werden. Man kann die nie gebauten Häuser über die kostenlose App auch betreten. Erlebbar ist auch Carl Fiegers visionäres Rundhaus.

Im Rahmen des Projektes wurden nun drei nie gebaute Prototypen neuer Wohnarchitektur mit Hilfe moderner Technik in sogenannter Augmented Reality nachgebaut. Mitarbeiter der Stiftung Bauhaus Dessau haben dafür archivierte Skizzen der Bauhäusler ausgewertet. Zudem wurden über ein Jahr lang gemeinsam mit Google Arts & Culture rund 10 .000 Objekte aus dem Archiv digitalisiert.

Bilder

10 .000 Objekte aus dem Archiv aufbere

Laut Programm-Manager Simon Rein seien 400 Art-Camera-Bilder entstanden, hochauflösende Aufnahmen, für die Gemälde Zentimeter für Zentimeter abfotografiert worden sind. Zudem biete das Projekt mehr als 45 Online-Ausstellungen zum Bauhaus, Google Earth Entdeckungstouren rund um den Globus und Erklär-Videos. Claudia Perren, die Direktorin der Stiftung, erzählt von ihren ganz persönlichen Bauhaus-Ikonen, darunter sind Zeichnungen von Wassily Kandinsky und ein Bild von Marcel Breuer mit seinen Studenten. "Wir können online eine viel größere Reichweite erzielen und erzählen, was das Bauhaus in seiner ganzen Vielfalt war. Nicht jeder kann nach Dessau kommen", sagte Perren. Vor allem für die Forschung seien die digital aufbereiteten Objekte enorm wichtig.

Virtuelle Rundgänge durch das von Walter Gropius entworfene einstige Schulgebäude sind möglich. Neben der Lehre an der Design- und Architektenschmiede in Dessau – inklusive der legendären Partys – geht der Blick zu Bauten in der ganzen Welt, darunter die Weiße Stadt in Tel Aviv und das Bauhaus in Chicago. Laut Rein haben sich für "Bauhaus Everywhere" neben der Stiftung in Dessau sechs weitere Partner zusammengefunden, darunter das zum Unesco-Welterbe gehörende Fagus-Werk im niedersächsischen Alfeld, das Solomon-R.-Guggenheim-Museum in New York und das Museum of Fine Arts Boston. Nicht beteiligt sind bis dato die Bauhaus-Standorte in Weimar und Berlin. Laut Rein sei das Projekt noch nicht abgeschlossen. Zu den Kosten des Projektes äußerte er sich nicht.

Museumspartner auf der ganzen Welt

Für Google Arts & Cultures arbeitet laut Unternehmen eine Gruppe von Ingenieuren in London und Paris mit Museumspartnern auf der ganzen Welt zusammen. Mehr als 2000 kulturelle Einrichtungen in 84 Ländern würden eigene Schätze der Welt online erlebbar machen. Auf Google Arts & Culture finden sich laut Simon Rein mehr als 200 .000 Kunstwerke, über sechs Millionen Fotos, Videos und weitere Dokumente zu Kunst, Kultur, Geschichte und Wissenschaft. Zu den teilnehmenden Museen gehören das MoMa in New York, die Tretjakow-Galerie in Moskau, die Londoner National-Galerie, das Munch-Museum in Oslo und die Gemäldegalerie Alte Meister Dresden.