Wernigerode l „Sehr bescheiden und kompetent“, so beschreibt Richard Küster den Maler Karl Hagedorn. „Er war ein Mann, der genau wusste, was er will.“ Der Mitarbeiter der Galerie im Ersten Stock in Wernigerode kann sich noch gut an den 2005 verstorbenen deutsch-US-amerikanischen Maler erinnern, denn 2002 waren Hagedorns Werke schon einmal in Wernigerode zu sehen. Es war die erste Ausstellung des Künstlers im Harz, seiner eigentlichen Heimat, auch wenn er den Großteil seines Lebens in den USA verbrachte (siehe Kasten). Derzeit sind wieder einige Gemälde, Bleistiftzeichnungen und handkolorierte Radierungen von Hagedorn in den Räumen am Markt ausgestellt.

Es sind Bilder, die auf den ersten Blick wie farbenprächtige Maschinenzeichnungen anmuten. Doch hier und da blitzt eine Hand hervor, ist ein Auge zu erkennen und zeichnet sich ein Mund ab. „Man erkennt einen Hagedorn, wenn man davor steht“, ist Galerist Richard Küster überzeugt.

Einflüsse von Picasso offensichtlich

Beim Betrachten des Werkes „Zwei Profile auf Rot“ kommt er ins Schwärmen. „Das ist eines meiner Lieblingsbilder“, sagt der 79-Jährige. Es entstand 1989. Auf rotem Hintegrund, der von einer dicken schwarzen Linie gerahmt ist, sind scheinbar zwei Fische zu sehen. Oder sind es Gesichter – Auge und Mund blitzen deutlich hervor, beißt der eine den anderen? „Es ist ganz klar konstruktivistisch“, sagt Küster. Der Einfluss von Fernand Léger und Picasso sei offensichtlich.

Hagedorn habe jedoch eine ganz eigene Formensprache aus europäischen und amerikanischen Einflüssen heraus entwickelt. „Man sieht den Bildern seinen Hang zur Medizin an. Der Organismus, der in Verbindung zur Maschine steht, spielt immer eine Rolle.“ Die Funktion der Zellen, das elektrisch-chemisch-physische Gehirnsystem und der Mechanismus der Maschine „Mensch“ ziehen sich durch sein konstruktivistisches Œuvre. Hagedorn versucht, so beschrieb er es einst selbst in einem Interview, die Idee des oder die Vorstellung vom Menschen sichtbar zu machen – nicht den Menschen in seiner äußeren Erscheinung selbst.

Titel stehen auf den Gemälden

Woher stammt Hagedorns Faszination für die Mensch-Maschinen-Verbindung? „Seine Eltern hatten ein Sägewerk in Güntersberge“, verrät Richard Küster. Hagedorn schaffe es, die menschliche Figur mit der Ästethik der Maschinen zu verbinden, bleibt dabei in seiner Formensprache unheimlich präzise. Dennoch wirken die Bilder niemals starr, sondern erscheinen in Bewegung. Auffallend ist, dass die Titel nicht wie bei den meisten Künstlern hinter dem Bild zu suchen sind, sondern in typographischer Expertise auf den Gemälden platziert wurden. So prangt in großen Lettern das Wort „Patio“ auf einem Bild, auf einem anderen „Automation“, auf dem nächsten die ganze Überschrift „The Latest News of the Day“.

42 der 48 Bilder, die der Galerist Klaus Bode aus Nürnberg zur Verfügung stellt, sind noch bis zum 18. März in Wernigerode zu sehen. Bode betreut den Nachlass Hagedorns, hat dem Kunst- und Kulturverein in Wernigerode die Bilder zukommen lassen und auch die Vernissage besucht.