Aschersleben l Neo Rauch und Rosa Loy haben ein Atelier in der angesagten Baumwollspinnerei in Leipzig. Jeder arbeitet aber für sich. Für Aschersleben nun haben sich ihre beiden Handschriften zusammengefunden. 140 Abeiten sind zu sehen, zwei davon sind gemeinschaftlich entstanden. Loy vergleicht das künstlerische Herangehen mit einem Pingpongspiel: „Einer fängt an, der nächste zeichnet weiter. Man muss sich aber über den Farbkanon einig sein“, sagt sie bei der gestrigen Vorbesichtigung. Neo Rauch führt das Schachspiel als Analogie an. „Der eine setzt einen Punkt, der andere muss reagieren. Eine stringente Erzählung ist nicht möglich“, sagt er.

Arm in Arm stehen beide vor ihrem Rauch-Loy-Kosmos gleich im Foyer der Grafikstiftung. „Am Saum“ titeln sie die dort hängende Zeichnung mit dieser dunklen Waldlandschaft, vor der sich Menschen, Tierwesen und Fantasiefiguren versammeln. Zu erkennen am Bildrand auch eine Strickerin mit Nadeln – ein Motiv, das sich lose durch die Ausstellung zieht. Deren Titel: Die Strickerin. Vielleicht auch, weil Rosa Loy strickt? Die Malerin lächelt. Neo Rauch sagt, es lasse ihn Staunen, was da aus Fäden entsteht. Es gehe ihm aber um die Metapher, die darauf abziele, dass ein Handwerk beherrscht wird. „Es kommt zu Verdichtungen, Verknüpfungen, eine Bündelung von Zuständen, die man in eine neue Struktur überführt“, sagt der Maler. „Das schien mir eine Analogie zum Kunstwerk zu sein.“

Eigenen düsteren Stil

Die Arbeit „Drei Strickerinnen“ von Rosa Loy hängt sogleich in Nachbarschaft und bezieht sich wie auch die Rauch-Version mit dem ihm eigenen düsteren Stil auf das Weltgeschehen. Bei Loy arbeiten drei Frauen an der Welt. Die Leipzigerin setzt auf Weiblichkeit. Immer wieder erscheinen in ihrem ausgestellten Werk Frauengestalten, doppelt, dreifach, manchmal auch mehr. Loy nennt es Alter Ego. „Es gibt ein Zwiegespräch, ein Spiegelbild“, sagt sie.

Druckgrafiken und Zeichnungen sind in der Paar-Schau zu sehen, vieles ist erst vor kurzem entstanden. Loy, die wie Neo Rauch in Leipzig an der Hochschule für Grafik und Buchkunst studierte und dort ihr Meisterstudium anschloss, konzentriert sich vor allem auf die Malerei. Rauch ebenso. „Ich zeiche ganz gerne“, sagt die Künstlerin, selbst mit Namen in der Kunstszene, aber doch im Schatten des Mannes. Er, der internationale Star, spricht eher vom Nebenbei, von Beiwerk. „Eine Zeichnung wird nicht gemacht, sie entsteht und ist da und muss sich behaupten“, sagt er.

Ausschließlich Papierarbeiten

Malerei gibt es in Aschersleben nicht. Dort zeigt das Künstlerpaar passend zur Stiftung ausschließlich Papierarbeiten, darunter auch einige großformatige wie „Marah“ von Rauch aus dem Jahr 1994 oder Loys „Imkerwinter“.

„Die Strickerin“ ist nach Wien, Chemnitz und Zwickau ihre vierte gemeinsame Ausstellung. Zu sehen ist sie bis zum 28. April 2019.

Ausstellungseröffnung ist Samstag um 16 Uhr in der Grafikstiftung Neo Rauch, Wilhelmstraße 21-23 in Ascherslseben.