Anhaltisches Theater Dessau "Barocke Ergehung" im Park des Luisiums
Von Helmut Rohm
Dessau-Roßlau. Es ist Himmelfahrtstag, kurz vor fünf Uhr. Über 200 Frühaufsteher haben sich an den Eingängen zum Dessauer Luisium, dem klassizistischen Landsitz der Fürstin Louise von Anhalt, eingefunden. Ein Goodfellow, ein "lustiger Geselle" im Schelmenkostüm, lädt ein: "Von nun an bist Du frei./Folge Deinem Willen/.../Der Park kann Sehnsucht wecken oder stillen/.../ Tritt nur herein!/Und lausche uns\'ren Klängen ... So erleben die Gäste bei aufgehender Sonne und erwachender Natur den Auftakt zur Premiere von "Landscape - Kritik der Liebe".
André Bücker, Generalintendant des Anhaltischen Theaters, inszenierte eine "barocke Shakespeare-Ergehung im Park Luisium". Den musikalischen Part übernehmen die Musiker der Lautten Compagney Berlin, eines der renommiertesten Ensembles für Barockmusik auf historischen Instrumenten, unter Leitung von Wolfgang Katschner. Die textliche Grundlage bilden Sonette von Shakespeare und Gedichte von Friedrich Matthisson.
Natur stellt Bühnenbild
Der Park beginnt zu leben, arkadische Landschaften tun sich auf. Wunderliche Figuren huschen vorbei. Täuschend echte "Mähs" sind zu hören. Das sind Faune, sonderbare gehörnte Mischwesen, die gerade der Mythologie entsprungen scheinen. Hin und wieder entdeckt der Besucher den flinken Amor mit Liebespfeil und Bogen. Der schwarze und der weiße Engel präsentieren sich. In diesem Bereich agiert die Ballettcompagnie des Anhaltischen Theaters (Choreografie Tomasz Kajdanski).
Es ist die Intimität des Parks mit seinen verschlungenen Wegen und reizvollen Sichtachsen, es sind die besonderen Architekturen und scheinbar natürlichen Gegebenheiten der Anlage, die den Gast unaufdringlich zu immer neuen reizenden Eindrücken geleiten. Kleine Instrumentalgruppen, sprichwörtlich vom Scheitel bis zur Sohle im barocken Weiß, intonieren anmutig und einfühlsam Musik, unter anderem von Purcell, Dowland. Mit dabei sind vier Gesangssolisten.
Der Gast verweilt, hört zu, spendet Beifall, bleibt oder geht weiter. Welchen Weg er einschlägt, ist egal, immer wird er bald auf neue Erlebnisse treffen. Alles ist ganz ohne Hektik, viel mehr Genuss und Erbauung. Das Bühnenbild "stellen" die Natur und der Park. Für die Beleuchtung sorgt die aufgehende Sonne. Einen akustischen Background steuern Vögel und Frösche, das leise Rauschen der Blätter im schwachen Wind bei.
Louise und Gefährten
Aus der Ferne vernimmt man Musik, Gesang oder das gesprochene Wort. Anlass, auch dort mal zu schauen. Die Sichtachsen des Parks sind zu Klangachsen geworden. Die handelnden Menschen und Figuren präsentieren sich in wunderschönen traumhaften Kostümen (Ausstattung Suse Tobisch).
In der Nähe des Schlosses trifft der Gast auf Fürstin Louise. Sie suchte wegen ihrer unglücklichen Liebe mit Fürst Franz oft Zuflucht in "i"hrem Luisium". An anderen Stellen sind es historische Personen aus dem Umfeld der Fürstin. Der Gärtner Johann Friedrich Eyserbeck, der Architekt Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorf, der Fürstinnenfreund Aloys Hirt, der Dichter und Vorleser Friedrich zu Matthisson agieren gewissermaßen als Zeitzeugen. Drei Goodfellows treiben miteinander oder mit Gästen manchen Schabernack. Diesen Part gestalten die Mitglieder des Schauspielensembles.
Nach etwa zwei Stunden rufen Fanfarensignale Ausführende und Gäste zu einem kurzen Finale vor die Orangerie. Es gibt sehr viel Beifall. Es folgt ein (beim Kartenkauf zu bestellender) kulinarischer Abschluss.
Weitere Aufführungen finden heute und morgen ab 21 Uhr, am 11. Juni ab 5 Uhr sowie am 12. Juni und 13. Juni ab 21 Uhr statt.