Kabarett "Beichtterminal" und "Ruß-Blues"
Kabarettist Frank Hengstmann hat - nach einer Krankheit mit 15 Kilo weniger - in Magdeburg sein Soloprogramm „ReTour de Frank“ vorgestellt.
Magdeburg l Ob die neue Leichtigkeit den verlorenen Pfunden oder tiefsinnigen Einsichten aus der Perspektive eines Krankenbetts geschuldet war, wer weiß das schon. Aber nach nur sechs Tagen Probenzeit ein solches Solo-Programm mit Politsatire, neuen Programmteilen und bewährten Reprisen auf die Kabarettbühne zu heben und das Ganze trotz wackliger Beine in eineinhalb Stunden professionell zu präsentieren – allein dafür hat sich Frank Hengstmann mehr als den stürmischen Beifall seines Premierenpublikums verdient.
Die Bühne, die Scheinwerfer und die spontanen Reaktionen aus den Zuschauerreihen - das ist die eigentliche Medizin für den Kabarettisten. Von Minute zu Minute wird er bei seiner turbulenten Jagd durch die aktuellen Themen dieser Tage lockerer, singt nach bekannten Melodien einen Ruß-Blues auf die Dieselfahrer und will im gleichen Atemzug die Grenzwert-Betrüger zu Rikscha-Fahrern umschulen. Spätestens bei seinen Vorschlägen zur Reinigung der Abgase durch die ad-Blue-Harnstoffmethode jubeln die Zuschauer, wenn er singt, „... der Umwelt zum Dank, wir pinkeln in den Tank.“
Natürlich bleibt die Bundestagswahl nicht außen vor. Aber lange hält sich Frank Hengstmann damit nicht auf, ist schon wieder musikalisch auf dem Weg durch die Höhen und Tiefen seines geliebten Bundeslandes, um festzustellen, dass er in diesem Jahr so „zugeluthert“ wurde, dass es kaum noch auszuhalten gewesen sei. Luther gab es als Keks und Schnaps, auf Socken und als Pralinen, nur als aufblasbare Puppe habe er noch gefehlt - für Katholiken, setzt er hintergründig bissig hinzu. Und dem Segen in allen möglichen Sprachen aus dem Automaten in Wittenberg möchte er noch ein Beichtterminal hinzufügen, ein Tetzel 2.0 sozusagen, der bei Eingabe der Sünde in Millisekunden die Ablasssumme berechnet, die dann auch per Kreditkarte beglichen werden kann.
Frank Hengstmann ist in diesem Programm schärfer und politsatirisch böser als in der jüngeren Vergangenheit. Das bekommt dem Programm, das keinem Fettnapf ausweicht, hier und da auch mal ein Tabu in der Mülltonne der politischen Korrektheit versenkt. Da zuckt der eine oder andere Zuschauer schon mal, aber das ist eher ein Qualitätsmerkmal. Und wenn dann wirklich mal eine Reprise aus vergangenen Zeiten auftaucht, dann ist die so herrlich komisch, dass man sie immer wieder gern hört.
Selbst der Manni Fest, die Paraderolle Frank Hengstmanns, besticht nicht durch Prolligkeit, sondern durch intelligente Hintergründigkeit unter der Maske der Naivität. Das bekommt der Figur, die man selten so gelungen erlebt hat, wie an diesem Abend.
Als der Kabarettist zum Schluss noch ein Liebeslied auf seine Stadt Magdeburg anstimmt, da kommt fast so etwas wie Wehmut auf.
Er war mal weg, der Gründer und Übervater von „... nach Hengstmanns“. Aber er ist wieder da, körperlich abgespeckt, jedoch mit deutlich mehr politsatirischem Gewicht. Manchmal ist weniger eben doch mehr.