1. Startseite
  2. >
  3. Kultur
  4. >
  5. Der Traum vom Welterbe

Unesco-Titel Der Traum vom Welterbe

Wikinger, Handel, Mittelalter - Deutschland will mit drei Stätten ins Welterbe. Aber nur für Hamburg stehen die Zeichen wirklich gut. Aber in Feierlaune ist die Stadt noch nicht.

27.06.2015, 01:04

Bonn (dpa) l Die Saale-Unstrut-Region in Sachsen-Anhalt hat noch nicht aufgegeben, sei das Urteil noch so niederschmetternd: "Nicht zur Einschreibung empfohlen", lehnt der Internationale Denkmalrat (Icomos) die Aufnahme der hochmittelalterlich geprägten Kulturlandschaft mit dem viertürmigen Naumburger Dom im Mündungsbereich der Unstrut in die Saale ab. Aber für den Vorsitzenden des Fördervereins Welterbe an Saale und Unstrut, Ulrich Götz, ist das letzte Wort darüber noch nicht gesprochen.

Das Welterbekomitee der UN-Kulturorganisation Unesco entscheidet bei seiner nächsten Sitzung in Bonn (28. Juni bis 8. Juli) über die Aufnahme von 36 nominierten Kulturerbestätten. Unter den drei deutschen Kandidaten hat offensichtlich Hamburg mit seiner Speicherstadt und dem Kontorhausviertel die besten Chancen: Der Internationale Denkmalrat hat sie zur Einschreibung empfohlen. Die zwischen 1885 und 1927 entstandene Speicherstadt gilt als das größte zusammenhängende, einheitlich geprägte Speicherensemble der Welt. Das Kontorhausviertel gilt als erstes reines Büroviertel auf dem europäischen Kontinent.

Entscheidende Kriterien für die Aufnahme sind die Einzigartigkeit, historische Echtheit und die Unversehrtheit. In diesen Punkten gab es für den Antrag aus Sachsen-Anhalt in weiten Teilen Kritik, sagte Götz. Die Gutachter empfahlen die "hochmittelalterliche Herrschaftslandschaft" nicht einzuschreiben. Österreich und Rumänien hatten ebenfalls eine Abfuhr erhalten und ihre Bewerbungen vor der Sitzung zurückgezogen.

Naumburg und die Region kämpfen weiter, verteidigten ihren Antrag in einer Stellungnahme, und eine Delegation wird auch nach Bonn kommen. "Wir machen uns ernsthaft Hoffnung", sagt Götz: Hoffnung, nicht abgewiesen zu werden. Alles andere wäre ein Erfolg - auch wenn sie den Antrag umfangreich überarbeiten müssten.

Viele Entscheidungen gegen die Empfehlung

Wie es der Denkmalrat für die dritte deutsche Bewerbung unter isländischer Federführung empfiehlt: Deutschland, Island, Dänemark und Lettland wollen bedeutende Stätten der Wikingerkultur in Nordeuropa in einer transnationalen Welterbestätte zusammenfassen. Dazu gehört das frühere Handelszentrum der Wikinger Haithabu und die Verteidigungswälle des Danewerk, beides in Schleswig Holstein.

Natürlich sollte man diese Empfehlungen sehr ernst nehmen, sagt die Sprecherin der Deutschen Unesco-Kommission Katja Römer. Aber die Empfehlung sei für die Kommission nicht bindend. "Wir haben in den letzten Jahren erlebt, dass zahlreiche Entscheidungen gegen die Empfehlung gefallen sind".

Darum wird die Delegation aus Hamburg mit "vorsichtigem Optimismus" anreisen, wie es die Sprecherin der Hamburger Kulturbehörde Laura-Helen Rüge umschreibt. Aber es schwingt wohl auch Vorfreude mit: Für Hamburg wäre es das erste Weltkulturerbe.