Der Wutbürger der Nation in Magdeburg
Magdeburg l Der 22. September war ein schwerer Schlag für Gernot Hassknecht. Diesen Schock muss der Profi-Choleriker erst noch verdauen. Seine FDP, die Partei, die ihm stets die besten Vorlagen zum Aufregen gegeben hat, ist nicht mehr im Bundestag vertreten. Gernot Hassknecht ist traurig. So sehr, dass er erst gar keinen Kommentar zu seinen liberalen Freunden abgeben will. "Man pinkelt nicht auf eine Leiche", sagt er. Doch kurze Zeit später klagt er in einem Beschwerdebrief an die Demokratie sein Leid. "Die Schlechte-Laune-Partei ist von uns gegangen, ich vermisse die Reden von Rainer Brüderle." So kann es nicht weitergehen: Die FDP muss zurück ins Parlament!
Jeder Mensch sollte zum Choleriker werden
Mit seinem Bühnenprogramm "Das Hassknecht Prinzip" gastierte Hans-Joachim Heist am Freitag im Theater der Grünen Zitadelle in Magdeburg. Bestens aufgelegt schulte der Berufs-Choleriker sein Publikum. Ziel: Alle Menschen sollen sich über jede noch so kleine Kleinigkeit richtig aufregen! In einfachen Schritten wollte er die Magdeburger zu echten Cholerikern formen. Seine Tipps: Ungesunde Ernährung, die Bluthochdruck fördert, gepaart mit viel Kaffee und Alkohol. Weil man sich aber darauf allein nicht verlassen kann, braucht es Familie. "Heiraten Sie! Dann können sie sich so richtig aufregen, auf die Familie ist Verlass!"
Das Schöne an Hassknecht: Er reißt nicht nur politische Witze. Sondern erheitert ebenso mit kleinen Anekdoten aus dem Alltag. Sein Ziel, die Magdeburger zu Cholerikern zu machen, hat der Parodist aus der "heute Show" allerdings nicht ganz erreicht. Denn statt in seine Tobsuchtanfälle mit einzustimmen, hangelte sich das Publikum eher von einem Lachanfall zum nächsten.
Sichtlich geschafft vom vielen Schreien sagte er am Ende: "Ich hoffe, Sie können einige destruktive Anregungen mit nach Hause nehmen." Ja! Aber der Weg zum Berufs-Choleriker ist noch weit. Das erfordert mehr Übung mit Trainer Hassknecht. Bleibt nur zu hoffen, dass es die nächste Magdeburger Einheit schneller gibt, als die FDP wieder im Bundestag sitzt.