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Die Promi-Geburtstage vom 11. November 2015: Bibi Andersson

In ihrer berühmtesten Rolle pflegt die Schauspielerin Bibi Andersson einen Star, der nicht mehr sprechen kann. Durch einen Schlaganfall verliert sie selbst ihre Stimme. Trotzdem ist sie mit 80 glücklich.

Von Julia Wäschenbach, dpa 10.11.2015, 23:01

Stockholm (dpa) - Bibi Anderssons gemeinsame Geschichte mit dem berühmten Ingmar Bergman beginnt damit, dass er sie veräppelt. Die Schwedin ist da noch ein Teenager.

In einem Werbespot für Seife, der sich an ein Märchen anlehnt, spielt sie die Prinzessin. Ich war 16, noch in der Schule. Und in meinem Leben kaum geküsst worden, erzählt sie zwei Jahrzehnte später in einem gemeinsamen Interview in der US-amerikanischen Dick Cavett Show. In dem Reklamefilm soll sie einem Schweinehirten hundert Küsse für ein Stück Seife geben. Nach ein paar Küssen stoppt Bergman die Aufnahme, doch die junge Schauspielerin küsst pflichtbewusst weiter - bis zu Bussi Nummer 98.

Den Scherz hat Andersson ihrem Chef nicht übel genommen. Beruflich und privat bleibt sie mit Bergman bis an sein Lebensende verbandelt. Seine Filme wie Das siebente Siegel (1956), Wilde Erdbeeren (1957) und Persona (1966) machen die Schwedin zu einer der berühmtesten Schauspielerinnen ihres Landes. Heute wird sie 80 Jahre alt.

Ihren runden Geburtstag wird die Blondine, die Bergman mit Vorliebe als fröhliche junge Dame besetzte, wohl im Pflegeheim verbringen - mit Freunden und Familie, wie ihr dritter Ehemann Gabriel Mora Baeza der Deutschen Presse-Agentur sagt. Wir feiern ihren Geburtstag jedes Jahr. Selbst sagen kann sie das nicht mehr, denn durch einen Schlaganfall hat Andersson 2009 ihr Sprachvermögen verloren.

Trotzdem könne sie ausdrücken, wie sie sich fühle und was sie ihm sagen wolle, meint Mora Baeza. Sie ist immer noch eine gute Schauspielerin. Seit etwa sechs Jahren wohnt Andersson in dem Heim in Stockholm, ihr Ehemann besucht sie dort jeden Tag. Zu ihrem Geburtstag hat er auch einige Kollegen von früher eingeladen.

Wie so viele Schauspielerinnen schwärmt Berit Elisabeth Andersson, geboren 1935 in Stockholm, von und für den großen Ingmar Bergman, mit dem sie auch eine Affäre gehabt haben soll. Er sei fantastisch, habe Humor und verstehe Frauen, sagt sie 1971. Doch die beiden diskutieren auch. Zum Beispiel über Rollen, die sie in den Filmen von anderen Regisseuren spielt. Und über ihre Rollen in seinen Filmen.

Gegenüber ihren Kolleginnen Harriet Andersson und Liv Ullmann, die auch für Bergman spielen, fühlt sich die schöne Blondine benachteiligt und auf bestimmte Rollen reduziert. Mehrmals habe ich gedacht: Er glaubt nicht, dass ich mehr drauf habe. Aber ich werde ihm zeigen, was für ein schauspielerisches Talent ich habe! Trotzdem musste ich alle diese netten Schulmädchen spielen, sagt sie in einer Dokumentation von 2009. Sie dreht andere Filme, kehrt aber immer wieder zu Bergman zurück. Ihr bekanntester ausländischer Film ist der dänische Oscar-Preisträger Babettes Fest von Gabriel Axel.

Andersson scheut den Konflikt nicht. Dabei ist sie eine zarte Person, wirkt fast zerbrechlich. In Interviews spricht sie vorsichtig, aber bestimmt, ihr großer Mund verleiht ihr beim Lachen den Charme einer Julia Roberts. Öffentliche Auftritte machen sie lange nervös. Ich habe das Gefühl, ich muss lustig sein, sagt sie in der Dick Cavett Show. Außerdem ist sie höchst selbstkritisch.

Ich habe diese sehr tragische Eigenschaft: Ich bin nie stolz auf das, was ich tue, erzählt sie dem Londoner Magazin TimeOut 2007. In manchen Rollen bin ich glücklich. Zum Beispiel in ihrer berühmtesten als Krankenschwester in Persona, in der sie einen Star - gespielt von Ullmann - pflegt, der seine Stimme verloren hat. Obwohl sie heute selbst keine Stimme mehr hat, sagt ihr Ehemann über sie: Ich glaube, sie ist sehr glücklich.