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"Gretchen 89ff" feiert Premiere am Theater der Altmark / Darsteller überzeugen mit komödiantischem Talent Die unterhaltsamen Schrullen von Regisseuren und Schauspielern

Von Birgit Tyllack 10.06.2013, 01:43

Stendal l Das Theater der Altmark hat mit "Gretchen 89ff" eine weitere Premiere gefeiert. Michaela Maxi Schulz und Michael Magel brachten den Zuschauerraum des Rangfoyers zum Wackeln. Vor Lachen.

Was sich alles am Theater tummelt! Besonders unter den Schauspielern und Regisseuren findet man äußerst skurrile Typen, denen für ihre Schrullen auch noch eine Bühne geboten wird. Zum Glück sind sie derart versessen aufs Rampenlicht, dass sie zur Not ihre eigene Art nebst "Macken" aufs Korn nehmen und bloßstellen. So geschieht es in "Gretchen 89ff" von Lutz Hübner. Ein erleuchtendes wie erheiterndes Stück, das liebevoll und augenzwinkernd, dennoch schonungslos, das Theatervolk entlarvt. Hier wird abgerechnet, zugleich ist es eine Liebeserklärung für die Bretter, die "die Welt bedeuten", beziehungsweise für diejenigen, die sie beleben.

In der Reclam-Ausgabe von Goethes Faust findet sich auf den Seiten 89 und folgende die bekannte Szene, in der Gretchen, aufgewühlt von der Begegnung mit Faust, nach Hause kommt und ein Kästchen mit Schmuck findet. Diese Szene nun, die mit den Worten " Es ist so schwül, so dumpfig hie, und ist doch eben so warm nicht drauß. Es wird mir so, ich weiß nicht wie - ich wollt, die Mutter käm nach Haus!" beginnt, soll geprobt werden: eine Szene, verschiedene Typen von Regisseuren und Schauspielerinnen.

Zunächst muss sich eine Schauspielerin mit unterschiedlichen Regisseuren plagen. Da ist zum Beispiel der "Schmerzensmann". Dieser sucht immer das Extrem und hasst die Zuschauer: "Das kotzt du jetzt den Abonnentenschweinen so richtig auf die Jacke!" Der "Freudianer" wiederum spricht nicht mit den Schauspielern, er entlarvt sie. Ganz anders das "Tourneepferd"! Dieses möchte mit seinen charmanten Plaudereien gefallen. Vor allen Dingen den jungen Schauspielerinnen.

Es kann aber auch umgekehrt sein. Regisseure können ihre liebe Not haben mit den Darstellern. Da ist die "Anfängerin" zum Beispiel. "Man betritt die Schauspielschule mit Talent und verlässt sie mit Diplom." Und anschließend möchte diese junge Frau alles, was sie gelernt hat, sofort anwenden. Ob es passt oder nicht.

Michaela Maxi Schulz und Michael Magel schlüpfen im rasanten Wechsel von einem Charakter in den nächsten. Beide besitzen komödiantisches Talent und sind äußerst wandlungsfähig. Regie in dieser köstlichen Inszenierung führt Louis Villinger (es ist nicht bekannt, welchem Typus Regisseur er ähnelt), Bühne und Kostüme obliegen Sofia Mazzoni.

Die nächste Aufführung dieses witzigen Stücks: Freitag, 14. Juni, 19.30 Uhr im Theater der Altmark, Stendal.