Gotha (dpa) l Fast genau 40 Jahre nach einem der größten Kunstdiebstähle der DDR sind fünf entwendete Gemälde zurück in Gotha. Es sei ein Glück, dass die Beute wieder dort sei, wo sie hingehöre, sagte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) am Montag in Gotha. "Nämlich an den Wänden in Gotha."

Am 14. Dezember 1979 wurden die fünf bedeutenden Bilder aus dem Gothaer Schloss Friedenstein gestohlen. Der Fall konnte nie aufgeklärt werden. Die Gemälde galten lange als verschollen. Im Sommer 2018 wurden sie dann dem damaligen Stiftungsratsvorsitzenden und Oberbürgermeister Gothas, Knut Kreuch, angeboten. Durch langwierige, diskrete Verhandlungen konnten die Werke nun zurückgeführt werden. Zuvor hatte das Rathgen-Forschungslabor der Staatlichen Museen in Berlin nach einer Untersuchung deren Echtheit bestätigt.

Wie inzwischen bekannt wurde, hat sich allerdings die kunsthistorische Einschätzung zu den gestohlenen Bildern geändert. So handele es sich beim Bild "Landstraße mit Bauernwagen und Kühen" demnach doch nicht um ein Werk von Jan Brueghel dem Älteren (1568-1625). Stattdessen gehen die Gutachter von einer Werkstattarbeit aus, die wahrscheinlich im unmittelbaren Umkreis des Meisters entstanden ist.

Statt Jan Lievens, wie es in der Verlustdokumentation früher hieß, halten die Gutachter nun Ferdinand Bol (1616-1680) für den Maler des "Bildnis eines alten Mannes". Beim "Brustbild eines unbekannten Herrn mit Hut und Handschuhen" gehen die Experten dagegen nun davon aus, dass es Frans Hals selbst malte und es doch keine Werkstattarbeit sei.

Das berühmte "Selbstbildnis mit Sonnenblume" stamme nicht von Anthonis van Dyck (1599-1641), sondern sei eine Kopie eines unbekannten Künstlers. "Das Porträt ist sehr bedeutend, das erklärt auch, weshalb schon im 17. Jahrhundert zahlreiche Kopien gefertigt worden sind", so Pfeifer-Helke. Das Original sei heute Eigentum des Dukes of Westminster. Im Falle der "Heiligen Katharina" handele es sich um ein Original von Hans Holbein dem Älteren (1465-1524). Es sei ein eigenständiges Werk und nicht – wie vermutet – Teil eines Altars.

Mit den bislang anonym gebliebenen Anbietern schloss die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha eine schriftliche Vereinbarung über die Anerkennung der Bilder als Eigentum der Stiftung. Mit dem Schachzug löste die Stiftung mögliche rechtliche Probleme. Denn auch wenn die Stiftung Besitzerin ist, war die 30-jährige Verjährungsfrist für den Diebstahl längst erreicht. Für die Rückgabe selbst sei kein Geld gezahlt worden. Gegenseitiges Vertrauen und Schweigen hätten letztlich zum Erfolg geführt, sagte Kreuch am Montag.

Bei den Anbietern handele es sich um Erben, die den Erwerb mit Schilderungen verstorbener Eltern darstellten. Diese Geschichte um angebliche Stasi-Verwicklungen und Bezahlung für die Ausreise einer befreundeten in der DDR lebenden Familie sei inzwischen aber größtenteils widerlegt worden, hieß es.

Die Bilder sind nun in einer Sonderpräsentation bis zum 26. Januar im Herzoglichen Museum in Gotha zu sehen. Danach sollen sie restauriert werden. Die Werke weisen teilweise Schrammen und Risse auf. Wie aufwendig und teuer die Arbeiten werden, sei noch nicht klar. Die Stiftung hofft, die restaurierten Werke in einer großen Ausstellung im kommenden Jahr dann wieder öffentlich präsentieren zu können.

Einige der Bilder stammten noch aus der Kunstkammer, der jahrhundertealte Ursprung der Gothaer Sammlung, sagte Stiftungsdirektor Tobias Pfeifer-Helke. Die Sammlung habe aber durch Verkäufe und Kriegsereignisse Verluste zu beklagen. Die Liste der Verlustdokumentation sei noch immer lang. Auch deshalb sei der Diebstahl von 1979 als "Trauma von Gotha" zu sehen. "Weil die Sammlung vorher schon umfangreiche Verluste erlitten hat", so Pfeifer-Helke.