Ein Abend mit Bach, Salsa und scharfer Soße
Magdeburg. Was brauchte es, um das Publikum von "Kunst, Kultur, Karstadt" zum Tanzen zu bringen, auch noch zu Bach, Beethoven oder Tschaikowsky? Bestechung, Erpressung und einen guten Schluck scharfer Soße.
Soße heißt auf Spanisch Salsa, und dieser wurde vom Thomaskantor Bach erfunden, flunkern die drei Deutschen Klazz Brothers, Kilian Forster, Bruno Böhmer Camacho und Tim Hahn, und die beiden Cuba-Percussion-Musiker, Alexis Hererra Estevez und Elio Rodriguez Luis.
Doch dann passiert etwas, das ich bei dieser Jazzreihe noch nie erlebt habe: Das ganze Publikum steht und tanzt zu Merenge, Cha-Cha-Cha und Salsa. Die Klazz Brothers spielen echte Klassiker, Beethoven, Boccherini, Bach und Tschaikowsky, verjazzen sie hin und wieder, die Cuba Percussions verschiebt den Stil nach Südamerika. Da wird aus dem Säbeltanz Don Machete oder aus der Halle des Bergkönigs die des Affenkönigs. Wie eine Soße aus Deftigem und Kokosnussmilch mischen sich völlig fremde Elemente und ergeben etwas Neues, und all dies ist möglich in der Küche des Jazz.
Jazz heißt der Marktplatz, auf dem jede Kultur, jedes Genre mit jedem anderen in Verhandlungen treten und Handel und Austausch stattfinden kann. Das interkontinentale Rezept geht auf. Im Ergebnis will man sich beide Zutaten kaum noch getrennt vorstellen.
Die Musiker haben ihre Hörer in der Hand, sie sind Showstars, Schauspieler, Musiker, Comedians und wahre Händler. Mit Feilschen, Belohnungen und der Erpressung, dass es sonst keine Zugaben gäbe, schaffen sie es und bringen das recht zurückhaltende Publikum zum Mitklatschen, Mitklappern, Singen und dann sogar zum Tanzen.