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Kurt-Weill-Festival bietet weitere Uraufführung / Viel Beifall für "Down in the Valley" und fünf Lieder aus einst geplantem Mark-Twain-Musical Ein mitreißender Abend mit Huckleberry Finn in der Marienkirche

Von Helmut Rohm 11.03.2013, 01:27

Dessau-Roßlau l Mit "Five Songs from Huckleberry Finn", in der Bearbeitung von James Holmes, Artist-in-Residence des Kurt-Weill-Festes, erlebte die Dessauer Marienkirche eine vom Publikum begeistert aufgenommene Uraufführung.

Kurt Weills Vorhaben, gemeinsam mit dem Librettisten Maxwell Anderson ein Musical nach Mark Twains Roman "Huckleberry Finn" zu schaffen, brach durch Weills Tod 1950 ab. Lediglich fünf Lieder von Huckleberry Finn gelangten dank Lys Symonette von der Kurt-Weill-Foundation zur Veröffentlichung, zunächst für Singstimme und Klavier, 1952 als Orchesterfassung.

Das aus zehn jungen Musikern bestehende Orchester der Internationalen Ensemble Modern Akademie (IEAM) bewies unter Leitung von James Holmes viel Gespür für detailliertes, oft von Soli getragenes Konzertieren dieser sehr eingängigen Musik und beste Kommunikation zu den Gesangssolisten.

Analisa Leaming, Jacob Lewis Smith und James Benjamin Rodgers, Preisträger des Lotte-Lenya-Gesangswettbewerbes, interpretierten diese fünf Songs mit den bewegenden Textinhalten mit Hingabe und bemerkenswertem emotionalen Einfühlungsvermögen. In "Come In Mornin\'", "Catfish Song", "This Time Next Year", "Apple Jack" und "River Chanty" sangen sie von der faszinierenden Lebenswelt am Mississippi, über den Kampf der Sklaven um ihre Freiheit, erzählten vom Ringen der Afroamerikaner um Menschenrechte, ebenso Huckleberrys und Tom Sawyers Träumen vom Glück.

In der gut gefüllten Marienkirche erlebte das Publikum nach der Pause die szenisch gestaltete Aufführung der Volksoper "Down in the Valley". Dieses Werk von Kurt Weill mit dem Text von Arnold Sundgaard erlebte 1948 seine Uraufführung.

Das im ersten Teil agierende kleinere Orchester wurde durch Gastmusiker des Ensemble Modern zu einem größeren, unter anderem mit Saxofonen, Bassklarinette, Gitarre und Kontrabass verstärkten Klangkörper erweitert. Von vier Sängern und weiteren Sprechern wird die dramatische Geschichte der "Bitte eines zum Tod Verurteilten" dramaturgisch in zwei zeitlichen Rückblenden - interpretiert von einem Anführer/Erzähler (Jacob Lewis Smith) - präsentiert.

Der Chor (Kammerchor "cantamus" Halle; Leitung Dorothea Köhler) singt einleitend den Titelsong "Down in the Valley". Das Publikum erfährt erstmals die Geschichte von Brack Weaver. Später wird der Chor stimmungsvoll auch in Dialogen mit den Protagonisten zu erleben sein.

Der junge verliebte Brack Weaver (James Benjamin Rodgers) hat im Kampf um seine Braut Jennie (Analisa Leaming) den Widersacher Thomas Bouché (Eric Ander) im Nahkampf getötet. Im Gefängnis wartet er auf das Todesurteil. Der ersehnte Brief von Jennie kommt nicht. Sein letzer Wunsch: Die Geliebte möge ihn vor der Hinrichtung noch einmal erhören, damit er in Ruhe sterben kann. Rückblicke erinnern an die Liebe und die Befindlichkeiten der Beziehung.

Mit Songs wie "Brack Weaver, My True Love" oder "The Lonesome" kann der Zuschauer die innige Liebe zwischen den beiden jungen Menschen nachempfinden. Doch ebenso wird eine Gefühlspalette ausgebreitet, die neben den innigen Liebesbezeugungen auch von Trauer und plötzlichen Ängsten geprägt ist.

Obwohl kein optimistisches Ende, zollt das Publikum wie schon bei Huckleberry Finns Liedern auch "Down in the Valley" einen riesigen Beifall.