Jena (dpa) l Kann und darf ein Ministerpräsident auf seinem Twitter-Account zwischen amtlichen und privaten Mitteilungen trennen?

Diese Frage hat beim Sommerinterview des Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) mit Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) nach einem Bericht der Thüringer Zeitungen der Funke-Mediengruppe fast zu einem Abbruch geführt.

Demnach soll Ramelow beim nicht gesendeten ersten Anlauf des Gesprächs sehr ungehalten auf die Frage einer Journalistin nach einem umstrittenen Tweet von ihm reagiert haben. Weil er als Ministerpräsident und nicht als Privatperson eingeladen worden sei, wolle er sich nicht äußern.

Interview von vorn begonnen

„Ich steh‘ auf und geh‘“, soll Ramelow gesagt haben. Die Journalistin soll daraufhin zurückgerudert haben: „Wir lassen das Thema raus und legen noch mal los“, habe sie gesagt. Die Zeitungsgruppe berichtet weiter, aus Sicht von MDR-Mitarbeitern habe sich Ramelow ungehalten benommen und beschwert. Die Rede sei von einem Eklat.

Das Interview wurde nach dem Vorfall ein zweites Mal begonnen und später ohne diese Frage am 15. Juli gesendet. In dem Tweet hatte Ramelow dem Sohn von Justizminister Dieter Lauinger (Grüne) zum bestandenen Abitur gratuliert.

Die Nachricht, die später gelöscht wurde, hatte öffentliche Wellen geschlagen. Hintergrund ist die sogenannte „Sohnemann-Affäre“ von 2016, zu der in Thüringen ein Untersuchungsausschuss tagte. Laut MDR hatte Justizminister Lauinger von seinem Diensttelefon aus beim Bildungsministerium angerufen.

MDR verteidigt Vorgehen

Sein Sohn sollte trotz Auslandsaufenthalt direkt in die elfte Klasse versetzt werden. Die CDU-Fraktion im Thüringer Landtag hatte damals die Entlassung des Ministers gefordert. MDR-Thüringen-Chefredakteur Matthias Gehler erklärte am Sonnabend, das Interview sei nicht auf Druck Ramelows geändert worden. Der thüringische Ministerpräsident oder andere Spitzenpolitiker hätten keinen Einfluss auf die Fragen.

Ramelow sagte der Deutschen Presse-Agentur: Die Zeitungsberichte werfen für ihn vielmehr die Frage auf, warum anderen Journalisten so etwas gesteckt worden sei.