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Premiere für "Allein zu Dritt" mit Frank, Sebastian und Tobias Hengstmann Familiäre Spielfreude paart sich mit köstlicher Unterhaltung

Von Rolf-Dietmar Schmidt 29.09.2012, 01:20

In diesem Programm geben die Hengstmänner den komödiantisch-kabarettistischen Pferden so richtig Zucker. In der am Donnerstag stürmisch beklatschten Premiere von "Allein zu Dritt" findet sich alles, was Hengstmann senior und seine Söhne beim Publikum so beliebt macht.

Magdeburg l Die "80 Jahre Hengstmanns" aus dem Untertitel ziehen sich wie ein roter Faden durch das gesamte Programm. Nicht nur, dass jeder der Kabarettisten sich das Motto als goldenen Button auf die Brust geheftet hatte, nein, es findet sich auch in zahlreichen Nummern wieder, die sich mit den Alten der Gesellschaft, mit den Spannungen zwischen Alt und Jung oder den Eigenheiten junger Leute beschäftigen.

Und, nicht zu vergessen - dieses Stück ist auch eine große lustige Feier des Erreichten, bei dem zumindest in der Premiere nicht jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wurde.

Das Publikum brachte sich ein, Bemerkungen wurden von den Kabarettisten aufgenommen und verarbeitet. Stellenweise ergab sich so köstliches Improvisationskabarett - außerordentlich gekonnt und ungeheuer schlagfertig. Und wenn dann ein Versprecher sich so verselbständigte, dass er während der Vorstellung immer wieder auftauchte und für Pointen genutzt wurde, dann nahm das Publikum, das sich über weite Strecken "vor lachen bog", dies immer wieder begeistert auf.

Auch zu Dritt werden Frank, Sebastian und Tobias Hengstmann mit diesem Programm kaum allein sein, ob nun Vater Hengstmann aus seinem Buch "Auto-Biographie" las oder herrlich komödiantisch als Chinese erklärt, wie er nun Deutschland übernimmt. Das macht er in gebrochenem Chinesisch-Deutsch so herrlich, dass er selbst das Lachen nicht mehr unterdrücken kann.

Der zweite Teil besticht durch musikalische Nummern

Und das ist wohl mit ein Geheimnis des ersten Teils, bei dem es weniger um inhaltliche Tiefe, als vielmehr um köstliche Unterhaltung geht. Natürlich bekommen die einheimischen Politgranden sowie die Kanzlerin samt der bereits legendären drei Knöpfe am Blazer ihr Fett weg.

"Wie soll die Chemie zwischen oben und unten stimmen, wenn man von Physikern regiert wird?", fragen die Hengstmanns in Anspielung darauf, dass sowohl "Faseloff" wie Merkel diese Wissenschaft studiert haben.

Ob nun der MDR mit seiner Sendung "Stützstrumpf ab Fünf" beständig mit der Kon- trollinstanz der Krankenkassen MDK verwechselt wird, oder ein ehemaliger Afghanistan-Soldat das militärische Regime in einem Pflegeheim übernimmt: Stets ist eine unbändige Spielfreude, die Fähigkeit über sich selbst zu lachen und nicht zuletzt ein ganz starkes emotionales Familienband zwischen den drei Kabarettisten zu spüren, das sich auf die Zuschauer überträgt.

Trotzdem kommt die bissige Polit-Satire nicht zu kurz, wenn beispielsweise die Möglichkeiten durchgespielt werden, wie man vielleicht ein wenig an den Geldmengen teilhaben kann, die milliardenweise ins Bodenlose "versenkt" werden. Das Volk muss zahlen, darüber ist man sich einig; die Banken kassieren, das ist auch klar. Die Lösung: Wir gründen eine Bank und sammeln die Milliarden ein.

Neben dieser Finanzsatire besticht der zweite Teil des Programms nach der Pause vor allem durch die musikalischen Nummern. Die Adaptionen auf Volkslieder, bekannte Schlager, ja sogar Westernhagens "Freiheit" oder aktuellen Reggae sind so gekonnt, dass man streckenweise vergisst, dass hier Kabarettisten auf der Bühne stehen und nicht eine Hengstmann-Boy-Group. Ob es dabei um die Umdichtung von Fritze Bollmann zu "aber dennoch hat sich Guido ganz köstlich amüsiert", den Reggae-Titel "No woman, no Cry" von Bob Marley zu "No Angie, no Cry" oder Mannis Klavierstunde für Langzeitarbeitslose geht - die musikalisch-kabarettistischen Nummern sind die absoluten Höhepunkte dieses "Best of", das eigentlich gar keines ist, weil der Hauptanteil doch ganz neu ist.

Sie haben an diesem Abend die Herzen der Zuschauer erreicht

So kann der Satz von Frank Hengstmann, in einem anderen Zusammenhang geäußert, dass, wenn das Programm nichts sei, wenigstens getanzt werden könne, auf jeden Fall unterstrichen werden. Allerdings muss er sich keine Sorgen um das Programm machen, das die Zuschauer köstlich unterhält.

Und dann werden die Künstler noch einmal ganz emotional, wenn sie rückblickend auf ihre gemeinsame Zeit die Hengstmann-Hymne "Vater und Söhne als Brüder im Geiste" singen. Da ist es dann egal, ob es 80, oder 50, oder 30 Jahre sind, die den Untertitel ihres Programms ausmachen - sie haben auch an diesem Abend die Herzen ihrer Zuschauer erreicht. Was will man mehr?