Das Magdeburger Kunstmuseum zeigt Werke aus der Nationalgalerie Bosnien-Herzegowina Form-Experimente aus Sarajevo
Einen Aufstand gegen die Tradition probte in den 1970er Jahren die jugoslawische Künstlergruppe Prostor Oblik. Deren Mitglieder hatten sich ausschließlich der Abstraktion verschrieben. Eine Auswahl ihrer Arbeiten ist jetzt im Magdeburger Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen zu sehen.
Magdeburg l Prostor Oblik bedeutet "Raum Form". Bilder und Plastiken waren so etwas wie ein Aufbegehren gegen den damals prägenden Realismus in unterschiedlichen Erscheinungsformen, der auch um Jugoslawien keinen Bogen machte. Sie setzten sich auch bewusst gegen die traditionelle Volkskunst, die gerade in Südosteuropa ihren Stellenwert besaß. Die Suche nach neuen Wegen, der Zukunft der Kunst ließ die Gruppe internationale Trends wie Andy Warhols Popart aufgreifen.
Aus den Ideen entwickelten sie mit Kreativität und Begabung ihre eigenen Formensprache, probierten sich aus. Daraus entstand regelrecht eine experimentelle Insel, die in Jugoslawien eher an der Peripherie ihren Platz fand. Ihre Kunst fand bei klassischem Publikum kaum Zuspruch, stieß aber auf der anderen Seite bei Kritikern und Insidern auf große Beachtung.
Nach Magdeburg kam die aktuelle Ausstellung, die Einblicke in eine interessante Epoche gewährt, durch einen glücklichen Zufall. Das Kunstmuseum Liechtenstein hatte die Exposition bis Anfang dieses Jahres gezeigt und dem sachsen-anhalter Kunstmuseum zur Übernahme angeboten.
"Wir griffen sofort zu", sagte Direktorin Annegret Laabs. Eine solche Chance sollte nicht vertan werden, den Blick in Richtung Osten zu weiten und eine äußerst interessante Werkschau zu offerieren. Außerdem verbindet Magdeburg und Sarajevo seit 1977 eine Städtepartnerschaft.
Trauriger Hintergrund der Präsentation ist ein anderer. Die Nationalgalerie Sarajevo hat seit 2011 seine Räume für das Publikum geschlossen. Die politische Situation seit Ende des Bosnienkrieges 1995 trägt daran eine Mitschuld. Die schwache Zentralregierung in Bosnien-Herzegowina verfügt über kein Kulturministerium und ist wegen knapper Kassen nicht in der Lage, solche Einrichtungen zu finanzieren. Für die Mitarbeiter der Galerie eine schwere Situation, die sie mit einem Teil-Verzicht auf ihre Entlohnung zu meistern versuchen.
"Bei dem Angebot aus Liechtenstein haben wir sofort zugegriffen."
Museumsleiterin Annegret Laabs
Tomislov Dugonji gehört zu den Künstlern, die in Magdeburg zu sehen sind. Er verschrieb sich der Op-Art, der optischen Kunst. Große Präzision prägt die großformatigen Blätter. Die Motive setzen auf ein Spiel von Form und Farbe, erschließen die Dreidimensionalität.
Der Grafik und dem Hochdruck widmet sich Enes Mundzi. Linolschnitte aus seinem Atelier beschreiten den schmalen Grat zur Figuration, wollen die reine und abstrakte Form aufgreifen. Auf Weiß und sehr zarte Farben konzentriert sich Ljubomir Perinli. Er reduziert Motive konsequent bis zur fast monochromen Fläche.
Die Ausstellung im Kunstmuseum zeigt etwas Besonderes - eine hierzulande bislang kaum vorgestellten Künstlergruppe. Ihre Werke haben bis in die Gegenwart nichts von ihrer Frischheit nichts verloren. Sie sind geprägt von der unkonventionelle Suche nach einer neuen Formensprache. Diese muss man auf jeden Fall im Kontext zu den 70er und 80er Jahren, in denen sie entstanden, sehen. Eine Entdeckung für Magdeburg.
Die Ausstellung im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen ist noch bis zum 8. September dienstags bis sonntags, 10 bis 17 Uhr zu sehen.