Magdeburg l Auf dem alten Industriegelände grüßt Ernst Thälmann mit erhobener Faust. Wer genau hinsieht, der entdeckt das legendäre Denkmal hinter den Theaterstaffagen. Man kommt nicht kurz vor Vorstellungsbeginn. Das kleine Freigelände übt eine magische Anziehungskraft aus. Es gibt Currywurst, Bier und Bowle zur Stärkung vor einem langen Abend. Zeit zum Plaudern, bevor auf der Bühne das sommerliche Spektakel beginnt. Inzwischen hat das Tradition, bannt durch die Ortswahl bei manchem Besucher die Hemmschwelle für Kultur. Der Familienclan setzt auf hausgemachte Kost. Buch und Musik „produzieren“ die Hengstmänner Vater Frank sowie die Söhne Sebastian und Tobias selbst. Eine Dreierbande, die ihr Handwerk versteht.

Regisseur Bernd Kurt Goetz kann aus dem Vollen schöpfen, muss die Spielfreude des Ensembles mit den Gästen Franziska Hengstmann, Jana Stave, Heiko Herfurth und Christian Karius wohl eher zügeln als befeuern. Drei Stunden gibt es eine unterhaltsame Mischung aus Kabarett, Schauspiel und Slapstick. Sommertheater eben, das seinen ganz eigenen Reiz hat. Und das Publikum genießt den Abend. Dauerlachen ist angesagt, wenn es in diesem Jahr um Doppelgänger geht. Seinen eigenen Klon hat sich schon mancher gewünscht, wenn er mit 80 Sachen in der 30er-Zone geblitzt wurde und einen Schuldigen präsentieren möchte. Nichts lassen die Autoren unversucht, um die Geschichte auszureizen. Manni Fest (Frank Hengstmann) und Sohn Matze (Tobias Hengstmann) sehen zwei schwerreichen Finanzmagnaten ähnlich. Eine Agentur verpflichtet sie vom Fleck weg. Immerhin gibt es eine Million Euro, damit sie in deren Rolle schlüpfen. Der ewige Student Malte (Sebastian Hengstmann) hat das Nachsehen, wird aber letztlich aus Mitleid als Manager verpflichtet.

Akteure stellen Talent zur Improvisation zur

Bis der Rollentausch geschehen kann, entwickelt sich auf der Bühne eine turbulente Handlung. Die setzt nicht nur auf das komödiantische Talent des gesamten Ensembles, sondern auf ein Buch mit hörenswerten Wortspielen, bei denen das Publikum von Zeit zu Zeit unaufgefordert Kommentare abgibt. Es entsteht ein einfach unterhaltsamer Dialog. Da beweisen die Akteure, wie gut sie improvisieren können. Wenn zudem einmal in der aktionsreichen Handlung der Text perdu ist, laufen die Akteure eher zur Höchstform auf statt zu verzweifeln. Kein Mangel also, eher menschlich und auflockernd.

Das schon immer stark musikalisch geprägte Sommertheater der Hengstmänner – jeder im Ensemble spielt ein Instrument oder singt - setzt diesmal auf zahlreiche balladenhafte Lieder. Vor allem Franziska Hengstmann und Jana Stave dürfen da das Publikum für sich gewinnen, selbst wenn ihnen manchmal etwas mehr Kraft in der Stimme zu wünschen wäre. Neuzugang Heiko Herfurth schlägt sich wacker als aalglatter Manager.

Christian Karius sitzt nicht nur am Schlagzeug, sondern kopiert beispielsweise als Butler seinen Berufskollegen aus dem Klassiker „Dinner for one“ einschließlich des Sprungs über ein Tigerfell. Wie kaum anders zu erwarten, setzen Manni und Matze – herrlich tuntenhaft in der Rolle seines Doppelgängers - auf den Magdeburger Dialekt. Ihre Probleme mit dem Hochdeutschen ziehen sich wie ein roter Faden durch das Stück, wird schließlich als „linguistische Erbärmlichkeit“ gegeißelt. Als Höhepunkt aller Turbulenzen schlüpfen beide kurz in die Rolle ihrer reichen Finanzmagnaten und begleiten ein Treffen von Trump, Erdogan und Kim Jong Un in Magdeburg. Alle landen letztlich an Fäden als Marionetten, die nach dem Wunsch von zwei der sieben reichsten Menschen der Erde tanzen müssen.

Die 2018er-Inszenierung kann sich – bis zum 14. Juli - sehen lassen. Für das kommende Jahr hoffen die Macher auf eine Fortsetzung, auch wenn das Technikmuseum wieder in die volle Trägerschaft der Stadt Magdeburg geht. Unter der Ägide des Fördervereins ist eine Institution entstanden, die keiner mehr missen möchte.