Bis 2. September

„Die Feiningers. Ein Familienbild am Bauhaus“ vom 25. Mai bis 2. September in der Lyonel-Feininger-Galerie, Schlossberg 11, Quedlinburg.

Öffnungszeiten: mittwochs bis montags sowie feiertags von 10 bis 18 Uhr.

Eintritt: regulär 6 Euro, ermäßigt 4 Euro.

Quedlinburg l Mit Julia fängt die Ausstellung an. Julia Berg, geborene Lilienfeld (1880–1970), lernt Lyonel Feininger (1871–1956) im Jahr 1905 an der Ostsee kennen. Nach der Trennung von Clara (gezeigt wird auch Feiningers künstlerische Abrechnung mit seiner ersten Ehe) ist es die große Liebe. Feininger verdient zu jener Zeit als Karikaturist sein Geld, sie ist an der Großherzoglichen Kunstschule Weimar eingeschrieben. Wie ambitioniert Julia Berg arbeitete, zeigen ausgestellte Studien, Zeichnungen, Collagen und einige Ölgemälde. „Doch ihre Kunst­ambitionen wird sie später aufgeben. Für ihren Mann und seinen Erfolg“, sagt Michael Freitag.

Der Leiter der Quedlinburger Lyonel-Feininger-Galerie steht in den Ausstellungsräumen vor den Skizzen von Julia und erzählt, dass der junge Künstler erst durch die neue Liebe nach Weimar kam und auf Ortschaften wie Gelmeroda aufmerksam wurde und in diesen Dörfern mit ihren Kirchen eine neue Motivwelt entdeckte.

Die gegenseitige Inspiration

Gehängt sind zudem zwei Ölgemälde von 1907, eines von ihr, eines von ihm (sein erstes soll es gewesen sein). „Man sieht hier sehr deutlich, dass beide zu diesem Zeitpunkt mit Blick auf die Malerei ganz nah beieinander waren“, sagt Freitag. „Es gab auch ein künstlerisches Leben von Julia Feininger, das leider nirgendwo vorkommt.“ Der Museumschef setzt darauf, die begabte Frau an der Seite des berühmten Feiningers stärker in den Fokus zu rücken. Verschiedene Porträts zeigen sie, darunter Julia als junge Mutter ihren Andreas stillend. Von Otto Dix wurde sie 1922 porträtiert.

Bilder

„Es gibt viel zu erzählen“, schließt der Museumschef an. Denn da gibt es nicht nur das Ehepaar mit dem bekannten Lyonel, sondern auch die drei Söhne Andreas (1906–1999), Laurence (1909–1976) und Theodore Lux (1910–2011). Andreas, der Jüngste, wird in der Tischlerei-Werkstatt des Bauhauses ausgebildet, wird später Fotograf. Lux studiert bei Größen wie Oskar Schlemmer, Paul Klee und Wassily Kandinsky. Laurence studiert Musik – und greift diese Domäne der Familie beruflich auf.

Musikalisch begabt

Lyonel Feininger hat selbst komponiert, alle Kinder konnten Klavier spielen und Noten lesen. Laurence hat die Fugen des Vaters ediert und herausgegeben. Lange Zeit vor der Musikkarriere hat er sich aber auch am Holzschnitt versucht. Als Neunjähriger hat er den Ort Hohegeiß mit Kirche, Häusern und Himmel so verarbeitet, dass man meinen könnte, der Vater habe die Hand im Spiel gehabt. Andererseits, so sagt Freitag, habe sich Lyonel Feininger sehr intensiv mit den Zeichnungen seiner Kinder beschäftigt und sich für seine Bildsprache von ihnen inspirieren lassen. Manches wirkt auf den Betrachter wie eine Kopie – was ist vom Vater, was vom Sohn?

Die Galerie setzt in dieser Sonderausstellung auf dieses gegenseitige Beeinflussen. Sie will Parallelen sichtbar machen, zeigen, wie sich die Kinder am künstlerischen Übervater orientiert haben, auch wie sie selbst ihren Weg gingen. „Die Kinder mussten versuchen, ein eigenes Leben zu gewinnen. Sie waren alle sehr begabt und mussten ihre eigenen Wege finden. Das hat jeder auf seine Art geschafft“, sagt der Museumschef.

Als Fotograf zu Weltruhm

Andreas zum Beispiel mit seinem großen Talent gelangte als Fotograf zu Weltruhm. Der Bauhäusler übersiedelte 1939 nach New York, wurde Foto-Reporter für das renommierte Life-Magazin. Einige seiner berühmten Manhattan-Bilder sind ausgestellt. Architektur als Bildkomposition. Auch hier gibt es Parallelen zum Vater, der Ende der 1920er/Anfang der 1930er Jahre den Auftrag für ein Stadtporträt von Halle erhalten hatte. Fotografisch wird experimentiert. Das eingerichtete Labor am Dessauer Meisterhaus haben alle vier genutzt.

Zu Ehren kommen in der Ausstellung auch die Fotografin Eleonore (Lore) Feininger, erste Tochter von Clara und Lyonel, sowie Gertrud Wysse Hägg-Feininger, die 1933 Andreas geheiratet hatte und als Designerin arbeitete. Von der Bauhausschülerin ist unter anderem ein Kinderservice zu sehen.

Die Ausstellung „Die Feiningers. Ein Familienbild am Bauhaus“ wird am 24. Mai 2019 um 19 Uhr in der Feininger-Galerie Quedlinburg eröffnet.