Wittenberg l Skulpturen, Ölgemälde, Epitaphe, Holzschnitte. Maria allerorten. Ihre Schönheit, ihr Lächeln, ihre Güte. Wie anwesend scheint sie dank der Fülle an zusammengetragenen Kunstwerken.

Das Auge des Besuchers kann gleich zu Beginn des Rundgangs nicht lassen von den Schnitzplastiken der Gottesmutter mit Kind, lebensgroß als Himmelskönigin. Die wertvollen Holzarbeiten, die die Gesichter der beiden im sanften Ausstellungslicht wie Marmor erscheinen lassen, sind aus der Schweiz angereist. Die elf Madonnenfiguren aus der Sammlung Emil Bührle seien in dieser Fülle und Geschlossenheit noch niemals außerhalb Zürichs gezeigt worden, sagt Katja Schneider. Für die Kuratorin gehören diese Plastiken zu den wichtigsten Exponaten der Wittenberger Marien-Ausstellung.

„Verehrt. Geliebt. Vergessen. Maria zwischen den Konfessionen“, so der Titel der Sonderschau, beleuchtet die Geschichte der Marienfrömmigkeit im Reformationsjahrhundert. Schneider hat dafür wertvolle Zeugnisse der Kunst, Theologie und Literatur aus dem 15. und 16. Jahrhundert zusammengetragen. Die 110 kunst- und kulturhistorischen Exponate stammen aus 50 Sammlungen. Die Leihgeber kommen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien.

Den Besucher erwartet keine religionsbeladene Schau. Sie gibt vielmehr einen erhellenden Blick auf Maria – ausgehend von der großen Verehrung durch die katholische Kirche, hin zur sich mit der Reformation ändernden Sicht auf ihre Figur. „Es ist eine kulturhistorische und landesgeschichtliche Ausstellung“, sagt Stefan Rhein, Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt. Schirmherren sind Landesbischöfin Junkermann und Bischof Feige.

Im Augusteum ist Maria allgegenwärtig. Bernhard Striggel malte sie 1520 majästätisch thronend im Himmelsreich mit einer Krone auf dem Haupt. Andere bildeten sie mit Strahlenkränzen ab, Milch spendend, den Schutzmantel ausbreitend. Zart ist ihr Gesicht als „Schutzmantelmadonna“, ebenmäßig schön und lieblich auf einem Öl-auf-Holz-Gemälde aus Oberösterreich.

Zahlreiche Arbeiten stehen für diese Marienverehrung, einen Kult, den es auch in Mitteldeutschland gab. Wittenberg wurde unter Kurfürst Friedrich dem Weisen und seinem tiefen Marien-Glauben eine Marien-Stadt. Messen ihr zu Ehren gab es täglich, zudem Gebete, Feste, Prozessionen. In der Schlosskirche wurden zahlreiche Marienreliquien verwahrt.

Nur einige Schritte entfernt predigte Martin Luther in der Wittenberger Stadtkirche gegen diese Verherrlichung. Luther sei, so sagt Rhein, Maria zwar zugeneigt gewesen aber er habe sie eher als einfache, demütige Magd gesehen. Nicht Maria erlöse die Menschen und mache sei selig, sondern allein Christus.

In Luthers Arbeitszimmer soll ein Marienbild gehangen haben, das entfernt war von der Königin des Himmels. Der Reformator kritisierte die Marienfrömmigkeit in ihrer überbordenden Form, wenn sich beispielsweise Tausende Pilger alljährlich auf den Weg nach Grimmenthal bei Meiningen oder nach Regensburg machten. Ein Holzschnitt von 1520 zeigt die Menge, der Druckstock ist ebenfalls ausgestellt.

Zum Ende der Schau steht eine sandsteinerne Madonna ohne Kopf. Am 15. August 1524, so die Überlieferungen, gab es in Magdeburg einen Aufruhr, Priester wurden mit Steinen und Eiern beworfen. Im Dom der Stadt sei viel zerstört worden, auch eine Madonna mit dem Christuskind. Als Bildersturm gingen die Tumulte und Zerstörungen in die Geschichte ein, mit ihnen auch die sogenannten Götzenkammern, in denen nicht mehr gewünschte Kunstwerke versteckt wurden. Auch davon erzählt diese Ausstellung.

Zu sehen bis 18. August. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.