Aschersleben l Neo Rauch hat geladen. Nicht nur die Presse, auch Künstlerfreunde sind am Sonnabend in Aschersleben. Hans Aichinger ist da und Hartwig Ebersbach, Sebastian Burger und David Schnell, Sebastian Speckmann und natürlich Rosa Loy, die Frau an der Seite von Neo Rauch.

Keine leichte Wahl

Sie hatte mit ihm bereits die siebte Jahresausstellung gestaltet. Ein Jahr lang waren 140 Arbeiten des Künstlerpaares in den Ausstellungsräumen der Stiftung zu sehen. Jetzt sind beide nicht so üppig vertreten – bei 20 Positionen musste arg beschränkt werden. „Es ist nicht einfach gewesen, eine Auswahl zu treffen“, sagt der Maler-Star mit Hinweis auf „sehr, sehr viele gute Grafiker und Zeichner“. Die Auswahl sei schweren Herzens getroffen worden. Er lobt das Ergebnis, vor allem die Qualität der Arbeiten. „Ich denke, es ist ein sehr schönes Arrangement geworden, auf sehr hohem Niveau“, so der 59-Jährige.

Jeden persönlich eingeladen

Zehn Leipziger Künstler sind vertreten, zudem zehn amerikanische Kollegen und Freunde. Allesamt geschätzte Wegbegleiter – sowohl aus Leipziger Studien- und Lehrzeiten als auch aus den vielen Verbindungen durch die Leipziger Galerie Eigen+Art und die New Yorker Galerie David Zwirner. Zudem kennt man sich vom Gelände der Baumwollspinnerei in Leipzig, wo Neo Rauch und Rosa Loy ihre Ateliers haben, aber eben auch Künstler wie David Schnell, Michael Triegel und Kristina Schuldt.

Bilder

„Das Kollegium“ ist passenderweise die Schau überschrieben, für die Rauch jeden persönlich eingeladen habe.

Künstlerische Begegnungen

Diese künstlerischen Begegnungen in den Jahresausstellungen der Stiftung sind keine neue Erfindung. Neo Rauch erzählt an diesem Sonnabend, wie wichtig es ihm ist, in den Dialog zu treten, sich künstlerisch mit anderen auseinanderzusetzen. Wie in vorangegangenen Expositionen mit seinem einstigen Lehrer Arno Rink oder seiner Frau, der Malerin Rosa Loy. Aus der Beschäftigung mit dem Erbe seines mit 21 Jahren verstorbenen Vaters (er kam wie auch die Mutter 1960 bei einem Zugunglück ums Leben) hatte Neo Rauch 2016 für seine wohl persönlichste Ausstellung neue Arbeiten entstehen lassen.

Jetzt aber ist es die erste Gruppenausstellung im Hause. „Neo Rauch hat das Fenster ganz weit geöffnet“, sagt Vorstandsvorsitzende Kerstin Wahala. Rauch nickt zustimmend und spricht von einer enormen Spannweite, auch das Alter betreffend.

Frische junge Positionen sind in den vorrangig druckgrafischen Werken zu sehen, ebenso jene von seit langem etablierten Künstlern. Hartwig Ebersbach zum Beispiel, 1940 in Zwickau geboren, lehrte an der Hochschule für Grafik und Buchkunst, als Neo Rauch dort sein Malerstudium begann. Und Rauch wiederum war Lehrer unter anderem von Sebastian Speckmann. Speckmann, der 1982 in Wolfen bei Bitterfeld geboren wurde, studierte ab 2005 in der Fachklasse Malerei und Grafik bei Professor Rauch. Er zeigt seine schwarz-weißen, filigranen Linolschnitt-Arbeiten. Auch Speckmann lebt und arbeitet in Leipzig. Auch er kennt die anderen Künstler, die jetzt hier ausstellen, drei sind ehemalige Studenten von Rauch.

Verschiedene Handschriften

Für die Ausstellung wurde gezeichnet, gemalt, lithografiert. Zu sehen sei ein vielstimmiger Dialog unterschiedlicher Künstlerhandschriften, sagt Kuratoriumsmitglied Jeannette Stoschek. Die Chefkuratorin Grafische Sammlung des Leipziger Museums der bildenden Künste sieht die Ausstellung trotz der verschiedenen Techniken „sehr homogen“. Das Spektrum der Werke reicht von Unikaten auf Papier über Zeichnungen und Mischtechniken, Lithografien bis hin zu Aquatinta-Radierungen und Polymergravuren. Neo Rauch selbst hat für die Ausstellung neben zwei Lithografien auch zwei neue Großformate geschaffen, darunter auch die titelgebende Arbeit „Das Kollegium“.

 

„Das Kollegium“ ist bis 3. Mai 2020 zu sehen.