1. Startseite
  2. >
  3. Kultur
  4. >
  5. Filmfest: „Gropiusstadt Supernova“ siegt bei Filmfest Max Ophüls Preis

Filmfest „Gropiusstadt Supernova“ siegt bei Filmfest Max Ophüls Preis

Vom Plattenbau-Drama bis zur Black-Metal-Reise: Beim Max Ophüls Preis überraschen junge Filmemacher mit Geschichten, die berühren. Wer räumt doppelt ab?

Von dpa Aktualisiert: 24.01.2026, 22:30
Ben Voit bekam den Max Ophüls Preis für seinen Spielfilm „Gropiusstadt Supernova“.
Ben Voit bekam den Max Ophüls Preis für seinen Spielfilm „Gropiusstadt Supernova“. Oliver Dietze/dpa

Saarbrücken - Der deutsche Film „Gropiusstadt Supernova“ ist der Gewinner des 47. Filmfestivals Max Ophüls Preis. Der erste Langfilm des aus Erfurt stammenden Ben Voit (Regie und Buch) gewann den mit 36.000 Euro dotierten Hauptpreis für den besten Spielfilm. Insgesamt wurden Preise in einem Gesamtwert von 123.500 Euro verliehen. Durch den Abend führten Schauspieler und Choreograph Eugene Boateng sowie Moderatorin Simin Sadeghi.

„Gropiusstadt Supernova“ (DE 2026) spielt in einer Plattenbausiedlung in Berlin und erzählt von drei jungen Menschen, die vor einem Wendepunkt stehen. Bei der Preisverleihung in Saarbrücken lobte die Jury die große filmische Intensität und urteilte: „Die Figuren sind lebendig und so glaubwürdig interpretiert, dass wir gar nicht mehr wegschauen wollen. Man hofft mit ihnen und fürchtet um sie.“

Gleich vier Filme wurden zweimal ausgezeichnet 

Sowohl den Preis für das beste Drehbuch als auch für den gesellschaftlich relevanten Film erhielt Ali Tamim (Regie und Drehbuch) für sein Langfilmdebüt „Noah“ (DE 2025). Er erzählt von vier Schicksalen, die sich nach dem Tod des jungen Arabers Noah nach einer Polizeikontrolle verschränken. „Ein Film, der Betroffene rassistischer Gewalt konsequent zentriert und zugleich die Ambivalenzen ihrer Erfahrungen spürbar macht“, urteilten die Juroren. Auch mit dem Deutschen Drehbuchpreis war „Noah“ bereits ausgezeichnet worden.

Der Publikumspreis Spielfilm und der Preis der ökumenischen Jury ging an „Wovon sollen wir träumen“ (DE 2025) von Milena Aboyan und Constantin Hatz. Nach Meinung der Jury lade der Film über die Schicksale dreier Frauen „mit klaren Bildern“ dazu ein, genauer hinzusehen: auf Gewalterfahrung, Ausgrenzung, innere und äußere Kämpfe. „Am Ende steht die leise Hoffnung, dass Heilung möglich wird, wo jemand den Mut hat, aus dem Schicksalhaften auszubrechen.“

Doppel-Gewinner aus Österreich und der Schweiz

Auch „Die gemeinen Kleinigkeiten“ (AT 2026) des Österreichers Florian Moses Bayer (Regie und Buch) sahnte doppelt ab, weil sich Kritiker und Besucher einig waren: Der Film über Josef, der sich von seinem eigenen Gewicht erdrückt fühlt, bis er Rapper Monobrother trifft, wurde als bester Kurzfilm ausgezeichnet und erhielt zudem den Publikumspreis Kurzfilm. „Mit scharfem Blick für die leisen Momente zeigt uns dieser Film, wie oft manche von uns erniedrigt, verletzt und angegriffen werden - weil sie nicht der vermeintlichen Norm entsprechen“, kommentierte die Jury. 

Der Schweizer Jonas Ulrich erhielt für seinen ersten Langfilm „Wolves“ (CH 2025) über die 23-jährige Luana, die eine Black-Metal-Band begleitet, ebenfalls zwei Auszeichnungen: den Preis der Jugendjury und den Preis der Filmkritik für den besten Spielfilm. „In Bildern von großer Schönheit erzählt dieses Drama von Grenzen, die sich verschieben, und Abgründe, die sich auftun, wobei die kleine auf die große Welt verweist“, heißt es in der Begründung.

Auch Auszeichnungen für Schauspielnachwuchs

Der Filmpreis der saarländischen Ministerpräsidentin für die beste Regie ging an Magdalena Chmielewska für „Teresas Körper“ (AT 2026). Als bester mittellanger Film wurde „Harika“ (DE 2026) von Beran Ergün (Regie, Buch, Montage) ausgezeichnet. Bester Dokumentarfilm wurde „Die noch unbekannten Tage“ (AT 2026) von Jola Wieczorek (Regie und Buch) über Migration und Identität und einen Prozess des Sich-Erinnerns. 

Als bester Schauspielnachwuchs wurden Tommes Diallo in „Champions und wir“ (DE 2026) und Emilia Warenski in „Bleistiftstriche“ (AT 2026) ausgezeichnet.

Wichtiges Sprungbrett für deutschsprachige Film-Talente

Das MOP gilt als das wichtigste Festival für deutschsprachige Film-Talente aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Nach längerer Zeit wurde mit dem Dokumentarfilm „Terre rouge - Topographie du poète“ (LU 2025) von Fränz Hausemer (Regie, Buch, Montage, Musik) auch wieder ein Beitrag aus Luxemburg geehrt. „Ein filmisches Denkmal über Verfänglichkeit und Lebenskunst, das tief berührt“, urteilte die Jury.

Insgesamt waren in den vier Wettbewerbskategorien Spielfilm, Dokumentarfilm, Mittellanger Film und Kurzfilm 57 Filme ins Rennen gegangen - darunter 46 Uraufführungen. Nach Angaben von Festivalleiterin Svenja Böttger und Programmleiterin Theresa Winkler erzählten sie sehr offen und persönlich zu Themen wie Arbeitswelten, Klimawandel, mentale Gesundheit, Selbstverwirklichung, Reality-TV und Männlichkeitsbilder.