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Zum 200. Geburtstag des Komponisten spielte das Nordharzer Städtebundtheater die musikalischen Welterfolge Halberstadt ehrt Opernzauberer Verdi mit Drei-Stunden-Gala

Von Hans Walter 11.05.2013, 01:21

Halberstadt l "Vivat Verdi" - es lebe Verdi! Am vergangenen Donnerstag, im 200. Geburtsjahr des Opernzauberers, ehrte das Nordharzer Städtebundtheater den Komponisten mit einer dreistündigen Gala.

Das Haus war ausverkauft. 500 Besucher erwiesen Giuseppe Verdi ihre Reverenz. Sie erlebten mit der Chronologie seiner Opern-Welterfolge zugleich Einblick in die Welt der Romantik, in Zeitströmungen und menschliche Wirkungen und vor allem wohl in die musikdramatische Kraft jedes einzelnen seiner Werke.

Intendant Johannes Rieger gab den Maitre de Plaisier. Seine unaufwändige Produktion verzichtete auf eine Rahmenhandlung und auf einen Regisseur. Hier sprach allein die Musik: das Orchester, die Gesangssolisten, der Chor und Musikdirektor Rieger selbst als Meister des Taktstocks und profunder Kenner der Vita Verdis wie seiner Bühnenwerke. Vater Fritz Rieger war Generalmusikdirektor der Münchner Philharmoniker und gastierte an der Staatsoper und am Gärtnerplatz, so dass die Bekanntschaft mit Verdi und seinen Opern wohl schon aus frühester Kindheit datiert. Eine spürbare Liebe!

Der Mensch und Demokrat Verdi, der Mann, der in seinen Opern vielfach Leidende und vom Schicksal Gezeichnete in den Mittelpunkt stellte, der von Schiller-Dramen in den frühen Jahren bis zu Shakespeares "Macbeth" über "Othello" bis "Falstaff" den reichen Figurenkosmos der Literatur durchschritt, schrieb ungemein charaktervolle Musik.

Johannes Rieger machte ihre Feinheiten plastisch. Verbal in seinen pointierten, teils herrlich ironischen Texten; musikalisch in der bewussten Auswahl der Piecen. Wie der "Räuber"-Ouvertüre zu Beginn, in der das Solocello quasi eine betörend schöne Arie ohne Worte spielt. Oder dem Chor der Hexen aus "Macbeth" - einer kunstvoll-schaurigen Toncollage, unerhört packend. Überhaupt die Chöre - in der Einstudierung von Jan Rozehnal scheint ihr Klang gleichsam zu schweben.

Leistungsschau der Solisten war grandios

Verdi galt der Grundsatz, dass das Orchester in der Oper stets dem Vokalen zu dienen habe. Rieger tarierte die Gewichte fein aus, gab dem Gesang stets das Primat und ermöglichte somit eine grandiose Leistungsschau der Solisten. Mit Bettina Pierags (Sopran), Annabelle Pichler (Sopran), Gerlind Schröder (Mezzoso-pran), Raymond Sepe (Tenor), Juha Koskela (Bariton) und Gijs Nijkamp (Bass) verfügt das Theater über eine internationale Sängerschar von hohem Rang, mit geradezu fesselnder dramatischer Gestaltungskraft. Ein großer Schatz! Verdi forderte ihre Meisterschaft mit Glanzleistungen förmlich heraus.

Annabelle Pichler gefiel als Amena in "Simone Boccanegra", Gerlind Schröder gestaltete mit dem militärisch-knappen "Rataplan"-Chor eine Szene aus "Die Macht des Schicksals", Bettina Pierags war ergreifend innig und klangschön als Desdemona in "Othello".

Gleichermaßen waren die Herren überzeugend - als Schurken wie als Helden. Raymond Sepe gab den strahlenden Feldherrn Radames in "Aida", Juha Koskela den finsteren Schurken Jago aus "Othello", Gijs Nijkamp den glücklosen Feldherrn Banquo in "Macbeth".

Es war ein breites Figurenpanorama, das sich allein mit den Stimmen der Sänger und den Instrumenten der Musiker eröffnete. Der Schlussapplaus war durchmischt mit vielen Bravorufen. Dafür war eine Zugabe fällig - das berühmte Trinklied "Libiamo ne\' lieti calici" aus "La Traviata", gesungen vom Chor und den Solisten. Hinreißend! Das Publikum gab stehende Ovationen.