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Happy Welcome: Clowns bei Flüchtlingskindern

Wo sie auftreten, bringen sie Kinderaugen zum Leuchten - auch die von traumatisierten Flüchtlingskindern. Für den Film Happy Welcome hat ein Regisseur vier Clowns in deutsche Flüchtlingsunterunterkünfte begleitet.

Von Maren Martell, dpa 13.11.2015, 10:11

Seeshaupt/München (dpa) - Die Soldaten sind mit Hubschraubern in unser Dorf gekommen und haben auf alle Menschen geschossen. Ganz viele haben sie getötet, auch meinen Bruder Amal. Zutiefst traurig klingt eine Jungenstimme im Vorspann des Films Happy Welcome.

Darin machen sich die Clowns Duda, Kuki, Mädmoisel und Waschli auf den Weg zu acht Flüchtlingsunterkünften in Deutschland. Sie treffen traumatisierte Menschen, darunter viele verstörte Kinder. Mit ihrem Spiel zaubern die Clowns ihnen ein Lächeln ins Gesicht, lassen sie für kurze Zeit die Strapazen der Flucht und die Schrecken in ihrer Heimat vergessen, heißen sie willkommen.

Dass der Film angesichts der vielen Flüchtlinge, die in Deutschland ankommen, eine solche Aktualität bekommt, hätte Regisseur Walter Steffen aus dem bayerischen Seeshaupt am Starnberger See nicht erwartet. Die Dimension hat auch uns ziemlich überrascht, betont der 60 Jahre alte Dokumentarfilmer (Bavaria Vista Club, Wir sind das Volk).

Beeindruckt hätten ihn die Bilder von den vielen Münchnern am Hauptbahnhof, die die Flüchtlinge im Sommer willkommen hießen. Steffen hofft, mit dem Film etwas von dieser positiven Willkommensstimmung einem breiteren Kinopublikum zu vermitteln. Die Dokumentation soll der hierzulande immer stärker werdenden Angstdiskussion, "wo sollen wir mit denen alle hin", entgegenwirken.

Happy Welcome zeigt die Tristesse des Flüchtlingsalltags in den Unterkünften, lässt die Clowns in privaten Situationen filmen und ist bei ihnen in den Umkleidekabinen. Im Mittelpunkt aber stehen die Shows der vier Spaßmacher. Hier kommt der Film fast ohne Worte aus. Die Clowns werden von den Menschen aus Syrien, Afghanistan oder Eritrea mit ihrer Mimik verstanden. Zu Wort kommen dagegen Helfer, die für die Willkommenskultur in Deutschland stehen, etwa eine Rotkreuzhelferin: Wenn jeder darüber nachdenken würde, wie möchte ich behandelt werden in so einer Situation, und dann danach reagiert, wäre das schon klasse, findet sie.

Finanziert wurde das Projekt unter anderem über Crowdfunding, die Akquise von Kapital im Internet. Für den Dreh reiste Steffen sieben Tage mit zwei Kamerateams und vier Clowns quer durch Deutschland. Es war die wohl glücklichste Woche meines Lebens, berichtet der Regisseur. Er ist immer noch ergriffen, wenn er an seine Erlebnisse in dieser Zeit denkt: Wenn man in diese Einrichtungen kommt, dann sieht man Nöte, Entbehrungen und viel Traumatisierung, vor allem in den Kinderaugen. Doch wenn dann die Clowns auftreten, ist nach anfänglicher Zurückhaltung soviel Glück zu sehen. Das ist einfach unglaublich.

Happy Welcome