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Jüdisches MuseumHefte aus Nazi-Widerstand erstmals zu sehen

Als Jude musste Curt Bloch vor den Nazis fliehen. Im Versteck entstehen wöchentlich Kunstwerke aus Collagen und Gedichten. Das Jüdische Museum Berlin zeigt erstmals alle Hefte aus dem Widerstand.

Von dpa 08.02.2024, 15:57
Das Jüdische Museum Berlin zeigt erstmals Arbeiten des Dichters Curt Bloch.
Das Jüdische Museum Berlin zeigt erstmals Arbeiten des Dichters Curt Bloch. Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Berlin - Fast 80 Jahre nach Ende des Nationalsozialismus zeigt das Jüdische Museum Berlin erstmals Arbeiten des Dichters Curt Bloch, die dieser in einem niederländischen Versteck produziert hat. Als Jude musste der in Dortmund geborene Bloch 1933 in die Niederlande fliehen. Dort tauchte er 1942 unter, nach dem Krieg emigrierte er in die USA. In seinem Versteck produzierte er zwischen August 1943 und April 1945 die von ihm „Het Onderwater Cabaret“ betitelten Hefte. Diese Arbeiten sind von diesem Freitag an bis zum 26. Mai in der Ausstellung „Mein Dichten ist wie Dynamit. Curt Blochs Het Onderwater Cabaret“ zu sehen. 

Bloch (1908-1975) produzierte 95 kleinformatige Hefte, in denen er 483 seiner handgeschriebenen Gedichte in deutscher und niederländischer Sprache platzierte. Die Cover gestaltete er jeweils kunstvoll mit Collagen aus ausgeschnittenen Fotos, kleinen Zeichnungen oder Textpassagen. In seinen Texten und Gedichten griff er jeweils aktuelle Entwicklungen oder Kriegsverläufe auf und setzte der NS-Propaganda seinen Witz entgegen.

Die Hefte erreichten nach Museumsangaben nur einen kleinen Kreis von Leserinnen und Lesern, genaue Zahlen sind dazu nicht bekannt. Bloch habe - letztlich vergeblich - gehofft, dass seine Materialien nach dem Krieg für Aufklärung und zur Ausarbeitung der Geschichte genutzt würden. Seine in New York lebende Tochter Simone Bloch bewahrte die Arbeiten auf und stellte sie nun dem Jüdischen Museum Berlin zur Verfügung. Damit werde das lang verborgene Werk sichtbar gemacht, sagte sie am Donnerstag in Berlin. 

Die restaurierten Hefte sollen nach Angaben von Museumsdirektorin Hetty Berg nach Möglichkeit noch in New York und in den Niederlanden gezeigt werden.