Magdeburg l Dieser Tage dringt die Sonne besonders intensiv in den Innenraum der ehemaligen Reichsbank-Schalterhalle. Hohe Fenster reichen hoch bis unter die Decke. Durch sie flutet das Licht in den großen Raum. Architekt Tristan Kobler wollte, so sagte er es im Januar in Magdeburg, von Anfang an ein Tageslichtmuseum.

Die sind nicht so selten, aber doch etwas sehr Außergewöhnliches für ein Haus, das zukünftig hochsensible mittelalterliche Exponate zeigen will. Vor allem die erhalten gebliebenen Kleidungsreste wie die kostbaren Editha-Texturen sind schließlich äußerst lichtempfindlich. Wer heutzutage solche Exponate ausstellt, muss sie sehr behutsam, vorsichtig ausleuchten. Diese Schätze können nur in abgedunkelten Räumen präsentiert werden. In Magdeburg soll es dafür zwei sogenannte Blackboxen geben mit schwachem, künstlichem Licht. Sie sollen in den kommenden Tagen eingebaut werden. „Wir wollten nicht den ganzen Raum als Blackbox, sondern die Kommunikation mit dem Domplatz, mit dem Dom haben“, sagt Claus-Peter Hasse, Kurator der Abteilung Mittelalter am Kulturhistorischen Museum.

Das Züricher Architekturbüro Kobler Holzer mit seiner Dependance in Berlin hatte den Auftrag erhalten. Museumschefin Gabriele Köster nannte es eines der renommiertesten Büros für Ausstellungsarchitektur – mit gestalterischen Konzepten für Expositionen in ganz Europa. Auch in Sachsen-Anhalt hat das Büro bereits Spuren hinterlassen. Die Architekten entwarfen das archäologische Informations- und Erlebniszentrum Arche Nebra – am Fundort der Himmelsscheibe erwartet eine imposante 60 Meter langen Barke die Besucher. Jetzt also Magdeburg.

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Die Schalterhalle war blau und grün und bleibt es. Wie alt sieht es aus, wie abgenutzt, rauh – spannend. Noch fehlen die schwarzen Ausstellungsmöbel als starker Kontrast. Sie werden die Domachse aufnehmen. Der Fußboden ist schon so verlegt worden, die Lichtschienen ebenfalls.

100 Exponate aus dem 10. bis 15. Jahrhundert werden ab November auf etwa 640 Quadratmetern zu sehen sein. Es sind vor allem archäologische Funde vom Domplatz und aus dem Dom selbst, die bei den jahrzehntelangen Grabungen ans Licht geholt wurden und die Geschichte des ersten gotischen Domes auf deutschem Boden wie auch seines Vorgängerbaus erzählen werden. Die ältesten Stücke stammen aus dem 2. Jahrhundert. Zwei weitere Themenbereiche sind Kaiser Otto der Große (912-973) und Königin Editha (910-946) sowie das Erzbistum Magdeburg. Gezeigt werden erstmals kostbare Beigaben aus den Gräbern der Erzbischöfe Wichmann (1115-1192) und Otto von Hessen (1301-1361).

Viel Raum für Editha

Vieles, was zu sehen sein wird, wurde für die neue Dauerausstellung aufwändig restauriert wie zum Beispiel die Reste der Mitra des Erzbischofes Dietrich von Portitz, der den Dombau vollendete, oder die Grabbeigaben aus dem Sarg von Königin Editha, der vor zehn Jahren entdeckt wurde. Der Bleisarg war bereits einmal ausgestellt, die Beigaben aber noch nie. Editha soll überhaupt viel Raum gegeben werden im neuen Museum. „Durch die Untersuchungen wissen wir heute viel mehr über ihr Leben als noch vor Jahren“, sagt Hasse.

Einbauten, Stellwände, Vitrinen, Medienstationen müssen noch eingebaut werden, das Museumscafé, der Shop, der Raum für die museumspädagogische Arbeit ebenso. Noch ist vieles zu tun. Der Eröffnungstermin aber steht seit langem fest: 4. November.