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ARD zeigt Dokudrama "Sturm auf die Stasi" In der besetzten Zentrale liefen die Schredder weiter

22.09.2010, 04:13

Berlin (dpa). Die wahren Geschehnisse um den Sturm auf die Ost-Berliner Stasi-Zentrale am 15. Januar 1990 will ein Dokudrama des NDR ergründen. Autor Matthias Unterburg rekonstruierte in dem Film "Sturm auf die Stasi", den die ARD am 1. Oktober ab 21.45 Uhr zeigt, inwieweit die Stasi selbst ihre Finger im Spiel hatte und ob sie sogar an dem Abend Regie führte. Und: Wer öffnete wirklich das Tor zu dem Sitz des Spitzelapparates, fragte Unterburg in Berlin bei einer Pressevorführung.

In den Wochen nach der Maueröffnung im Herbst 1989 waren in den DDR-Bezirken die örtlichen Stasi-Behörden von Bürgern gestürmt und übernommen worden. Für den 15. Januar hatte das Neue Forum eine Demonstration vor der Zentrale in der Ostberliner Normannenstraße angekün- digt. Die Bürger wurden aufgefordert: "Bring Kalk und Mauersteine mit." Das Tor zum verhassten Zentrum des Spitzelapparates mit mehr als 90000 hauptamtlichen und 175000 inoffiziellen Mitarbeitern sollte zugemauert werden.

Stasi-Leute dirigierten die Demonstranten

Auch heute gebe es 20 Jahre nach dem historischen Ereignis immer noch Ungereimtheiten und Widersprüche, sagte Unterburg. Minuziös lässt der Film der ECO Media im Auftrag des NDR den Tag Revue passieren. Bürgerrechtler wie Ulrike Poppe, heute Brandenburger Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der DDR-Geschichte, der damalige DDR-Ministerpräsident Hans Modrow oder der ehemalige Chef des Bundesnachrichtendienstes, Hans Georg Wieck, kommen zu Wort.

Aber auch Stasi-General Werner Großmann bringt seine Sicht ein. Unumwunden geben Stasi-Leute vor der Kamera zu, wie die Bürger auf dem weitläufigen Areal dirigiert wurden.

In dem Durcheinander gelang es offenbar Spuren zu verwischen. In einigen Räumen wurde sogar noch die vom obersten Stasi-Chef Erich Mielke angeordnete Vernichtung von Akten unbeirrt fortgesetzt. Die Schredder liefen auch am 15. Januar – obwohl Tausende Demonstranten auf dem Gelände waren.