Sie behaupten von sich selbst, ganz okay Klavier und sehr schlecht Gitarre spielen zu können. Das sind ja perfekte Voraussetzungen für ein Debütalbum.
Matthias Schweighöfer:
Absolut. Das ist zumindest eine solide Grundlage, um sich Hilfe zu holen: Die Komponisten Arne Schumann und Josef Bach sind meine Helfer. Sie haben schon den Soundtrack zum Film „Der Nanny“ beigesteuert. Im Entstehungsprozess gebe ich einen Part des Liedes bei den beiden ab und sie entwickeln es weiter. Im Austausch untereinander entstehen dann die Lieder.

Für Ihren Schritt ins Musikbusiness gab es von Seiten der Medien teils heftige Kritik. Wie ist Ihre Reaktion: Lachen, weinen oder tanzen?
Lachen passt auf jeden Fall, leider aber auch weinen und manchmal auch tanzen. Es ist einfach schade. Ich musste lernen, dass das in Deutschland leider so funktioniert. Die Fans und Konzertbesucher sind jedoch glücklich und geben mir recht.

Seit vier Wochen touren Sie mit „Lachen Weinen Tanzen“ durch Deutschland. Haben Sie als Tour-Neuling schon Rituale entwickelt?
Vor dem Auftritt bekommt jeder im Team noch ein kleines Gläschen Wodka. Sozusagen einen Centiliter als Glücksbringer. Nach dem Konzert trinken wir die ganze Flasche aus. Die Tradition mit dem Wodka-Getränk hat „Circus Halligalli“ (ehemalige Late-Night-Show auf ProSieben, Anm. d. Verf.) eingeführt. Die Stimmung war damals so heiter, dass ich diese Tradition weitergeführt habe.

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Aufgrund von Dreharbeiten zur Serie „You are wanted“ wurde über die Hälfte der Tourtermine abgesagt. Magdeburg musste einfach im Programm bleiben, richtig?
Unbedingt. Die Magdeburger haben bei den Karten ordentlich zugeschlagen und wollten mich anscheinend unbedingt sehen. Es wäre ein Traum, wenn die Magdeburger die Getec-Arena komplett füllen. Das Konzert ist der Tourabschluss und damit der Höhepunkt vor Weihnachten. Wir haben neue Songs dabei und gesangliche Unterstützung. Für den Konzertabend heißt das Motto abermals „Lachen Weinen Tanzen“, denn alle drei Emotionalitäten werden bedient.

Hand aufs Herz: Was verbindet Sie wirklich mit Magdeburg?
Tatsächlich verbinde ich mit Magdeburg den Dialekt der Börde. Ein Kommilitone der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin kam aus Magdeburg. Wir haben versucht, den Dialekt der Börde sprachlich perfekt zu imitieren. Außerdem habe ich zu Zeiten meines Abiturs in Chemnitz gewohnt. Komischerweise habe ich bei Magdeburg, Erfurt und Dresden ein gutes Gefühl. Das sind natürlich auch tiefste Oststädte. Ich komme selbst aus einer Kleinstadt im tiefsten Osten (Anklam, d. Verf.) und bin in einem Neubaugebiet aufgewachsen. Ich bin aber großer Fan des Ostens.

Ein Schauspieler aus dem tiefsten Osten kann natürlich auch mit Ost-West-Klischees aufwarten.
Natürlich. Uns wird immer nachgesagt, dass wir geistig ein wenig zurückgeblieben sind. Ich finde, dass wir bei diesem Klischee stark aufgeholt haben. Naiv sollen wir angeblich auch sein. Ich denke: Lieber naiv und ein großes Herz als bestechlich und kalt. Und wir sprechen verrückte Dialekte. Das kann man den Bayern und Schwaben aber auch vorwerfen.

In Ihrer Heimatstadt Anklam (Mecklenburg-Vorpommern) wurde die AfD zur Bundestagswahl mit über 30 Prozent stärkste Kraft. Sind die Ostdeutschen politisch noch zu retten?
Es muss eine Rettung geben. Die etablierten Parteien müssen den Menschen wirklich wieder Mut machen und ihre Probleme ernst nehmen. Die AfD benennt die Probleme auch, verspricht vermeintlich eine Lösung, aber die wird von denen nicht kommen.

Schauspieler, Regisseur und nun Sänger: Was können die Fans und Kritiker als Nächstes erwarten?
Ich denke, die derzeitigen Berufe reichen vorerst. Mein Plan ist bis Mitte des Jahres 2019 komplett ausgefüllt. Derzeit drehe und konzertiere ich abwechselnd. Das ist unheimlich anstrengend. Durch den Stress vergesse ich sogar, die Adventskerzen anzuzünden.

Tickets für das Konzert von Matthias Schweighöfer in der Magdeburger Getec-Arena am 22. Dezember um 20 Uhr  gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen und hier.