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Premiere von "Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen" im Puppentheater Magdeburg Kampf gegen das Böse endet in Lachkrampf

Von Claudia Klupsch 13.05.2013, 01:23

Dem Puppentheater Magdeburg ist wieder ein starkes Stück gelungen. "Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen" unter der Regie von Moritz Sostmann ist klug durchdacht, von der ersten Sekunde an spannend, voller Ideen und Spaß am Spiel. Das Stück feierte vergangenen Sonnabend Premiere.

Magdeburg l Vor mehr als 50 Jahren schrieb James Krüss den Roman um den Jungen, der in die Fänge des Bösen gerät und sich beherzt aus ihnen herauskämpft. Der Magdeburger Inszenierung liegt die Theaterfassung von Grazyna Kania zugrunde, die sich eng an die Romanvorlage hält.

Blitzschnell ist das Publikum in das Geschehen gezogen. Aus dem "Untergrund" der raffinierten hölzernen Bühnenkonstruktion von Christian Beck tauchen die Puppen und ihre Spieler auf und ab. Das Tempo lässt kaum zu Atem kommen.

Weltumspannendes Abenteuer führt nach Hamburg, Genua und in die Wüste.

Eindrucksvoll sind die auf eine Leinwand gebrachten wechselnden Illustrationen von Christopher Popkowski, die an die vielen Handlungsorte führen und durch optische und akustische Effekte die Räume nahezu fühlen lassen.

Es geht auf ein weltumspannendes Abenteuer, das unter anderem in den Hamburger Hafen, aufs Schiff, in ein Café in Genua und in die Wüste führt.

Die Schlüsselszene: Timm Thaler und Baron Lefuet auf der Pferderennbahn. Drumherum aufgeregtes Wettfieber, die Gäule rennen. Die Puppenbauer Melanie Sowa und Mario Hohmann haben die Charaktere voll getroffen. Lausejunge Timm - in Gummistiefeln und mit verschmitztem Lächeln, der Bösewicht mit verschlagener Miene.

Timm verhökert sein wundervolles Lachen, bekommt dafür Geld und Macht. Geradezu unheimlich, wie nach geschlossenem Pakt der Widerling ausgelassen lacht und Timms aufgeweckter Blick verschwindet, stattdessen Gram und Zorn abzulesen sind.

Die vier jungen Puppenspieler leisten ganze Arbeit, erwecken konzentriert und liebevoll ihre Puppen zum Leben. Claudia Luise Bose wirkt fast verwachsen mit der Timm-Figur und verleiht ihr ein Lachen, so glockenklar und hell, wie ein unbeschwertes Kinderlachen sein muss.

Kot-Bang-Sil Yun, Richard Barborka und Leonhard Schubert haben all die anderen Figuren im Griff.

Letztere beiden glänzen zudem in komödiantischem Schauspiel als teuflische Gauner und "Dämonen".

Die Bäckersfrau rockt abgöttisch und Seebär Jonny spricht ein uriges Machteborjisch.

Überhaupt ist jede Menge Humor in die Inszenierung gepackt. Die Bäckersfrau in Kittelschürze rockt abgöttisch und macht sogar Spagat, Seebär Jonny spricht ein uriges Machteborjisch, Reederei-Chef Rickert ist ein sportlicher Opi und Kreschimir steht Kopf. Kompliment an die Puppenbauer! Kompliment an die Charaktermacher! Kompliment an die Puppenspieler!

Die Moral von der Geschicht: Verkauf deine Seele an das Böse nicht! Besser Lachen und Lust am Leben als Reichsein ohne Herz und Freude. Ganz einfach. Für Kinder gut zu erfassen. Offensichtliche Kapitalismus-Kritik gibt der Geschichte weiteren Hintersinn.

Stark ist die Geschäftsszene zur Lage auf dem Buttermarkt. Menschen (skrupellose Profitgeier) und Puppe (Baron) am Verhandlungstisch agieren auf Augenhöhe und erklären nebenbei das Funktionieren des Marktes.

Am Ende des Kampfes schaut das Böse bedröppelt drein. So ist es gut.

Doch der Kampf gegen das Böse endet in einem mitreißenden Lachkrampf der guten Truppe um Timm. Bedröppelt schaut das Böse drein. So ist es gut. Gut zu empfehlen ist "Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen" im Puppentheater Magdeburg.