Sydney (dpa) l Natürlich denkt man zum 65. Geburtstag auch an den Tod. Und daran, was man der Welt einmal hinterlassen wird. Wenn es bei Jane Campion, Neuseelands bekanntester Filmemacherin, bald schon so weit wäre, stünde überall: die einzige Frau, die jemals die Goldenen Palme von Cannes gewann. Aber in ein paar Jahren, wenn hoffentlich auch andere Frauen die Auszeichnung geholt haben werden, und lange darüber hinaus, wird eine Aufnahme von ihr bleiben: das Bild eines Pianos an einem menschenleeren schwarzen Strand.

Triumph mit "Das Píano"

Heute wird Jane Campion 65 Jahre alt. Ihr größter Triumph liegt nun schon mehr als ein Vierteljahrhundert zurück. Mit „Das Piano“ holte sie im Mai 1993 in Cannes die vielleicht wichtigste Auszeichnung des europäischen Kinos und dann noch drei Oscars dazu. Es ist ein Melodram um eine stumme schottische Einwanderin im Neuseeland des 19. Jahrhunderts. In der berühmtesten Szene spielt die Frau am Strand von Karekare Beach an Neuseelands Westküste Klavier.

Dass sich Campion die Palme damals mit dem Chinesen Chen Kaige („Lebewohl, meine Konkubine“) teilen musste, ist fast vergessen. Und dass auf den größten Triumph die größte Tragödie ihres Lebens folgte auch. Einen Monat später starb ihr Sohn Jasper. Er wurde nur zwölf Tage alt. Dann bekam sie eine Tochter: Alice Englert, die heute Schauspielerin („Beautiful Creatures“) ist.

Studium in London und Sydney

Das liegt so in der Familie. Jane Campions eigene Mutter war eine von Neuseelands bekanntesten Schauspielerinnen, der Vater ein erfolgreicher Theater- und Opernregisseur. Sie selbst studierte in London und Sydney Kunst und Film. Noch als Studentin wurde sie 1982 in Cannes für ihren ersten Kurzfilm ausgezeichnet, „Orangenschalen“. Mit Filmen wie „Sweetie“ und „Ein Engel an meiner Tafel“ wurde sie schnell zu einer der bekanntesten Frauen im Autorenkino.

Den Erfolg von „Das Piano“ konnte sie im Kino dann allerdings nicht mehr wiederholen. Die Henry-James-Verfilmung „Portrait of a Lady“ mit Nicole Kidman und der Erotik-Thriller „In The Cut“ mit Meg Ryan fielen bei der Kritik durch und an den Kassen auch. Dann wurde es still um sie. „Ich habe mir ein paar Jahre Auszeit genommen, um darüber nachzudenken, wie ich die Dinge machen will. Und, um meine Tochter groß werden zu lassen“, sagte sie später dazu.

Viel Lob für "Top of the Lake"

Erst für die TV-Krimiserie „Top of the Lake“, von der es inzwischen zwei Staffeln mit zwölf Folgen gibt (2013/17), bekam Campion wieder viel Lob. Insbesondere begeisterte sich die Kritik wie früher schon in den Kinofilmen an den starken Frauenfiguren und den großartigen Landschaften. Die erste Staffel spielte in einem Kaff in ihrer Heimat Neuseeland, die zweite größtenteils in Sydney, wo Campion seit den 1980er Jahren lebt. Derzeit arbeitet sie an einem neuen Kinofilm.