Von Liane Bornholdt

Magdeburg. Das Neuland Festival der Freien Theater in Magdeburg ging am Montag und Dienstag mit einer Erforschung der Stadt über 48 Stunden zu Ende, nachdem neun Theatergruppen und Einzelkünstler eine Woche lang an verschiedenen öffentlichen Räumen, in der Zoowelle und am Hauptbahnhof, am Hasselbachplatz, am Alten Markt und anderswo zu erleben waren. Die "48 h Forschungsgruppe Neue Neustadt" war eine Eigenproduktion des Festivals.

Am 1. November um Mitternacht kamen sie an, eine Wohngemeinschaft aus Halle, Luisa, Lars, Stangl und Kai, die als Botschafter der "Völkerfreundschaft" ihr Quartier in Magdeburg beziehen wollten. Dieses Quartier war das Ladenlokal direkt links neben dem Haus der Lehrer – Katharinenturm am Magdeburger Breiten Weg. Luftmatratzen aufblasen und ein paar Tische und Stühle aufbauen, und schon konnte die erste Nacht, die gruselige zu Halloween, beginnen. Der Laden stand dann in der ganzen Zeit für alle Passanten offen, und der Botschafter aus Halle spielte zum Beispiel Videobotschaften ab, "dass mehr Freundschaft sei zwischen den Völkern von Halle und Magdeburg". Hallorenkugeln wurden gereicht und zum gemeinsamen Kaffee oder Kartoffelsuppeessen eingeladen.

Ein Straßenarbeiter kam herein, der ihnen zwar den Weg zum Theater erklären konnte, aber selbst noch niemals drinnen war. Er war aber sofort bereit, die Botschaften aus Halle in Magdeburg zu verbreiten, bevor er seinen Weg zum Fahrradladen fortsetzte. Eine Dame gab einen Grundkurs in "Machteburjisch für Anfänger" und erzählte von ihrer Lebensarbeit im Magdeburger WBK. Geschichten von Editha und vom Kristallpalast wurden erzählt, und ein Praktikant hat sich beworben, um alle technischen Probleme der Wohngemeinschaft zu lösen.

Am Ende, so die Hoffnung der Neuankömmlinge, möge man in Magdeburg sagen: Die Hallenser sind auch Menschen! Die Wohngemeinschaft im Breiten Weg waren die Hallenser Schauspieler Nadja Hagen, Martin Kreusch, Jan Felix Frenkel und Alexander Terhorst, die in Halle bereits ähnliches Zimmertheater spielen und seit zwei Jahren wöchentlich einmal in ihre Theaterwohngemeinschaft einladen. Die Hallenser kennen und lieben die Charaktere bereits und verfolgen ihre Wege mit großem Interesse. Nun waren sie für 48 Stunden nach Magdeburg umgezogen, haben 48 Magdeburger Ansichtskarten geschrieben und verschickt und Freunde in der Stadt gefunden.

Wie frei können die freien Theater sein?

Zur gleichen Zeit fand in der Neuen Neustadt in der Haldensleber Straße 25 ein Forschungsseminar zum Leben in Magdeburg statt. Im gerade leergezogenen Plattenbau am Magdeburger Ring haben sich vier Spieler, Lina Makrinus, Kristina Schippling, Ralf Bockholdt und Ralf Gleisberg, Doktorandin und freie Schauspieler aus verschiedenen Gruppen und Städten einquartiert, die mitten im Wohngebiet der Frage nachgingen: "Wie frei können die freien Theater sein?" Ihre Spielszenen sind Experimente gewesen, die sie mit den Bewohnern der Straße in Kontakt bringen wollten. Sie seien sehr freundlich aufgenommen worden, und die Menschen der Neuen Neustadt haben das Treiben der Forschungsgruppe im leeren Haus mit Neugier beobachtet. Der Name Neue Neustadt habe sie selbst auf dieses Wohngebiet neugierig gemacht und die Hinterlassenschaften der früheren Bewohner, Teile der alten Einbauküchen, Spuren an der Tapete, da noch die Durchreiche, dort ein Fußbodenbelag, die Wäschepfähle im weiten Innenhof, alles wurde zum Ausgangspunkt theatralischer Erkundungen aus dem Alltagsleben in Magdeburg.

Für die Organisatoren des Magdeburger Landeszentrums "Spiel & Theater" war diese doppelte Theaterforschung ein Erfolg, der einen wirklich neuen Ausblick für freies Theaterspiel markierte. "Für uns", so der künstlerische Leiter des Festivals, Tom Wolter, "waren zwei Aspekte wichtig. Die Gruppen und einzelnen Akteure der Freien Theater in Sachsen-Anhalt kamen in Kontakt zueinander. Außerdem wurden wir in der Stadt wahrgenommen, beides erfolgreich." Es gäbe bereits, etwa vom Magdeburger Zoo u.a., Anfragen, wann hier weitergespielt würde.

Ein gelungener Start für das neue Festival und guter Ausgangspunkt für mehr "Neuland" in Magdeburg.