Acht große Opern werden in dieser Spielzeit life aus der New Yorker Met weltweit in große Kinosäle übertragen. Das Magdeburger CinemaxX ist an dem Projekt beteiligt, so dass Magdeburger Kinobesucher nach dem "Rheingold" und "Boris Godunow" im Oktober am Sonnabend nun Donizettis Komische Oper "Don Pasquale" erleben konnten.

Von Liane Bornholdt

Magdeburg. Die Kinobesucher hatten im nahezu ausverkauften Saal 9 fast alle einen Logenplatz und von hier aus einen idealen Beobachterposten, die Gäste im eindrucksvollen Saal des weltberühmten Metropolitan Opera House in New York zu sehen, die dicht gedrängt auf 3900 Plätze in sechs Ebenen strömten.

Live-Übertragungen aus der Met haben eine lange Tradition. Die Sonnabendnachmittagsvorstellungen werden bereits seit 1931 regelmäßig im Radio übertragen, und nun werden sie mit zwölf mobilen Kameras in HD-Bild- und Tonqualität in die Welt der Kinos gespielt.

Das, was diese Kameras einfangen, sieht man natürlich als Live-Besucher im Opernhaus nicht, Blicke in den Orchestergraben zunächst und auf den Dirigenten. James Levine war der Dirigent, der in New York mit brausendem Applaus begrüßt wurde.

"Betriebsgeheimnisse" des Maestros

Die Inszenierung, die hier übertragen wurde, stammt bereits aus dem Jahr 2006 und war die letzte große Opernregie des Österreichers Otto Schenk (80). James Levine allerdings hat diesen "Don Pasquale" am 13. November erstmalig dirigiert, ein großes Geschenk an die Operngäste weltweit.

Bereits mit der Musik des Vorspiels offenbaren sich auch einige der "Betriebsgeheimnisse" des Maestros, etwa wie er mit den Musikern, dem Solocellisten beispielsweise, der am Anfang spielt, und den Streichern kommuniziert, wie sich in seinem Gesicht bereits Konzentration und Vergnügen an Donizettis wunderbar beschwingter Musik widerspiegeln.

Dann natürlich richtet sich der Kamerablick auf die Bühne, und auch hier sieht man mehr als etwa vom dritten Rang des Opernhauses. Bühne und Kostüme dieser Inszenierung schuf Rolf Langenfass, und man ist sogleich hineingeworfen in die heruntergekommene römische Villa des Don Pasquale in der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Der Stoff des ungleichen Ehepaares ist ein bekanntes Sujet der Commedia dell’arte, das seit dem 16. Jahrhundert durch die Theater und Opernwelt geistert.

Donizetti hat die alte Geschichte des eitlen und geizigen Hagestolzes, der sich mit der jungen Frau schmücken will, konsequent in seine Zeit des erwachenden Industriezeitalters geholt, und genau dort hat sie die Met-Inszenierung auch angesiedelt. Alles Alte ist schon obsolet geworden, überkommen und verkommen und nur noch Gegenstand komischer Verwicklungen.

Das alles sieht man bereits auf der Bühne, noch ehe die Handlung richtig beginnt, und die Kamera fängt hier all die wunderbaren Details ein, die der Ausstatter gefunden hat. Und dieser Blick auf die Details ist natürlich auch eine Herausforderung an die Sänger, denn sie stehen ebenfalls unter genauester Beobachtung.

Zuerst John del Carlo als Pasquale und Mariusz Kwiecien als Dr. Malatesta und als dritter im Bunde Matthew Polenzani als Ernesto. Es sind hervorragende Sänger, aber auch wunderbare Schauspieler, die jede Regung auch mimisch auszudrücken verstehen.

Bereits nach wenigen Minuten im Magdeburger CinemaxX verwandeln sich die Kinobesucher in Opernzuschauer. Knisterte anfangs noch die eine Popcorn-Tüte oder knurrte das andere Handy im stummen Alarm, wurden doch alle bereits nach wenigen Minuten gefangen.

Ein Blick hinter den Vorhang

Gespannte Aufmerksamkeit zog ein, und gemeinsam mit den New Yorkern wurde im Kino applaudiert nach den schönsten Arien, und natürlich konnte auch gelacht werden.

Dafür sorgte vor allem die wunderbare Anna Netrebko, die man als Norina auf der Dachterrasse ihres Hauses trifft. Zuvor erlaubten die Kameras noch den Blick hinter den Vorhang, und man sah den Umbau der Bühne.

Die jungen Leute verabreden die Intrige gegen den geizigen Pasquale, für den Norina erst die Unschuld vom Lande gibt, sich aber gleich nach der Unterschrift auf dem falschen Ehevertrag zur anspruchvollen Herrin des Hauses aufschwingt. Don Pasquale, zur Weißglut gereizt, ist schließlich nur noch froh, diese Ehefrau wieder los zu sein, dass er schließlich in die Verbindung Norinas mit dem Neffen Ernesto einwilligt und der Opernabend vergnüglich zu Ende geht.

Alles hat gestimmt an diesem Abend. Wunderbare Opernkunst gepaart mit wirklicher Bequemlichkeit, mit interessanten Einblicken in die Theaterwelt zum vergleichsweise moderaten Preis. Das Einzige, was man bei der Übertragung gegen einen lebendigen Opernbesuch hinnehmen muss, ist der HD-Ton. Der ist zwar technisch hervorragend, aber er ist eben doch technisch. Aber Live-Oper gibt es ja wenige Meter entfernt auch noch im Opernhaus Magdeburg.

Die nächste Kino-Oper aus der Met ist am 11. Dezember "Don Carlos".

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