"Idee-Ding-Bild-Rede" ist eine Ausstellung im Magdeburger Forum Gestaltung überschrieben, die bis zum 21. Januar gezeigt wird. Zu Objekten aus Kunst und Design sind dafür Fotografien und Texte entstanden.

Von Klaus-Peter Voigt

Magdeburg. Man mag auf den ersten Blick an ein Puzzle erinnert werden. Das Motto der Ausstellung "Idee-Ding-Bild-Rede" kommt als 16-teiliges Buchstabenspiel daher. Es scheint verworren und gibt sich bei näherer Betrachtung klar strukturiert. Für das Projekt gilt ein eigentlich simples Grundprinzip. Mit den Arbeiten von zwölf Künstlern aus Sachsen-Anhalt, Designer eingeschlossen, legten die Macher der Präsentation den Grundstein für die Schau, die neue Sichtweisen auf diese Stücke öffnen will. Bis zum 21. Januar ist zu erleben, wie Fotografen und Autoren sich mit ihnen auseinandersetzen, Hintergründe beleuchten, Zusammenhänge darstellen. Kunst wird zum Ausgangspunkt neuer Kunst.

30 Menschen bringen sich ein, haben Spaß am Gestalten, am Fabulieren. Das Konzept funktioniert durch seine Vielfältigkeit. Alle zwölf Ausgangsobjekte gab es schon, überzeugten beispielsweise bei Industriedesign längst durch ihre Qualität. Was nun entstand, ist eine Interpretation mit künstlerischen Mitteln. Der Betrachter sieht jedes Einzelne im Kontext mit Fotografien und kann die dazu entstanden Texte per MP3-Spieler anhören.

Dorothea Prühl kreierte ein Froschhalsband als Schmuckstück. Die Schmuckgestalterin, die an der Burg Giebichenstein als Professorin lehrte, schuf ein Collier aus Edelstahl und Gold. Dazu macht eine Materialskizze den Entwicklungsprozess deutlich. Thomas Rosenlöcher steckte seine Gedanken zum Thema Schmuck in ein Gedicht und Hans Wulf Kunze ging auf fotografische Spurensuche in der Natur sowie im Atelier der Künstlerin. Das Ganze zeigt sich passend und stimmig, vermittelt Informationen, Fantasien.

Selbst ein Kunstbuch wird zum Startpunkt eingehender Analysen. Von Olaf Wegewitz stammt "Mikrokosmos". Wie sehr oft greift der Maler aus Huy-Neinstedt auf Naturmaterial zurück. Die grafischen Blätter sieht er als eine Einheit, will sie räumlich und zweidimensional zur Geltung bringen. Derbe Fäden halten "alles zusammen", begleiten den Entdeckerprozess. Und es löst einen weiteren aus, denn Matthias Zielfeld verfolgt Buch und Käufer mit seiner Kamera. Kurz lässt er den Entstehungsort und einschließlich des Schöpfers auftauchen, dann wechselt die Perspektive. Das Exemplar 7 von 60 liegt in einem Regal fein säuberlich in Leinen gewickelt. Die unmittelbare Nachbarschaft zeigt, da sammelt jemand Gedrucktes. Am nüchternen Glastisch wird es ab und an betrachtet. Für André Schinkel sind Bücher von Wegewitz Ausgangspunkt einer Reise in die Sinnwelt des Malers. Er macht ihn fest an seinen Naturbeschreibungen, dem Reichtum an Erfahrungen.

Die opulente Fülle eines gedeckten Tisches lässt Maria-Luise Meyer vollständig aus Keramik entstehen. "Es ist angerichtet" heißt das Objekt, dessen Idee auf das Thema Tiere zurückgeht. Der Fotograf Max Baumann nutzte die Gelegenheit, sich mit dem Kunstwerk vor allem im Detail zu beschäftigen und Fotos einzelner "Speisen" in Schwarz-Weiß beizusteuern. Als "Trugobjekte und Lustanlage" bezeichnet Michael Freitag in seinem Text die Tafel. Er fragt provokant, was glasierte Porzellan-Tomaten in einer Gesellschaft auszusagen hätten, in der "echte" Speisen kaum noch eine Rolle spielten. Industrielle Massenprodukte brächten im Gegensatz zu den Stücken von Maria-Luise Meyer viel eher einen Betrug.

Die Ausstellung hat es in sich. Sie verlangt nach Zeit, will zur intensiven Beschäftigung einladen. Ein Klapphocker und eine Rückenorthese wollen ebenso mit anderen Augen betrachtet werden wie Glasschalen, ein Designklassiker aus DDR-Zeiten. Kunst und Alltag in Symbiose, spannend, sehenswert.

Das Forum Gestaltung, Brandenburger Straße 10, hat von Montag bis Freitag jeweils zwischen 14 und 18 Uhr geöffnet.