Halle (dpa). Der Landesmusikrat betrachtet die Situation der Musikschulen im Land mit Sorge. "Wegen der staatlichen Sparpolitik gibt es immer weniger hauptberufliche Musikschullehrer", sagte der Präsident des Landesmusikrates, Wolfgang Kupke, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Halle.

Die stattdessen eingesetzten Honorarkräfte seien kein vollwertiger Ersatz. "Sie haben ein Diplom und machen einen tollen Unterricht, aber sind als Nebenberufler an eine Arbeitszeit-Obergrenze gebunden." Damit sei es ihnen nicht möglich, die gleiche Zeit in ihre Schüler zu investieren wie die angestellten Musiklehrer.

Präsident Wolfgang Kupke, der auch Leiter des Landesjugendchores Sachsen-Anhalt und Rektor der Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik in Halle ist, kritisierte zudem die Preispolitik der staatlichen Bühnen im Land. "Ich hätte die Anregung, dass Studenten überall zu supergünstigen Preisen hereingelassen werden, auch in die Oper und zu Sinfoniekonzerten", sagte er. "Das Publikum von morgen muss schon jetzt angefüttert werden!"

Der Dirigent erinnerte auch an das Wahlversprechen von Sachsen-Anhalts ehemaligem Ministerpräsidenten Reinhard Höppner (SPD), ein Prozent des Landeshaushaltes für die Kultur auszugeben. "Das wäre schön", sagte Kupke. Im Doppelhaushalt 2010/11 macht die Kultur 0,92 Prozent aus: Ihr sind jährliche Ausgaben von 92 Millionen Euro gewidmet.

Mit Blick auf die musikalische Landschaft Sachsen-Anhalts und die geplanten weiteren Kürzungen in der Kultur verwies der Musikrats-Präsident darauf, dass in den vergangenen 20 Jahren jedes zweite Berufsorchester im Land abgeschafft wurde. "Das sind auch weniger Steuerzahler: Von mehr als 700 Musikern gibt es jetzt nur noch 300 bis 400", sagte er.