Magdeburg l Etwa sperrig ist er schon, der Leitgedanke „Verantwortung!“ (Responsibility) für die Magdeburger Bewerbung. Kreiert wurde er nach anderthalb Jahren Arbeit von fünf Kulturbeiräten sowie Workshops und Foren. Der Leitgedanke sei da, betont Tamás Szalay, Leiter des Bewerbungsbüros, am Montag in Magdeburg. Ein Motto, das sich an der Marketing-Wirkung orientiert, soll noch ersonnen werden. Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper gefällt das Leitmotiv. „Wer ein Kulturfestival erwartet, wird sicher enttäuscht sein.“ Dennoch hofft er, dass sich die Magdeburger aktiv in die Bewerbungsphase einbringen.

Vier Schwerpunkte ordnen sich dem Verantwortungsgedanken unter, die Bürochef Szalay mit den englischen Überschriften präsentiert, wie sie für die offizielle Bewerbung nötig sind. Es beginnt mit Lost and Found (Verloren und Wiedergefunden), der Beschäftigung mit den geschichtlichen Brüchen der Stadt, ihrer Identität und dem Umgang mit dem kulturellen Erbe.

Das Erbe Magdeburgs

Es folgt Read and Rights (Humanistisches Erbe). In diesen Schwerpunkt fließen Reformation, Religion, Bildung und das Magdeburger Stadtrecht ein.  Ein nächstes Modul ist Made in Magdeburg, das vom industriellen Erbe bis zu künstlicher Intelligenz und Industrie 4.0 reichen soll.

Der Kreis schließt sich mit Colours (Vielfalt), was die Vielfalt in Natur und Umwelt wie auch in der Gesellschaft von Kultur bis hin zum Sport meint. Auch Migration und Integration sind eingeschlossen.

Herausforderung im Zusammenleben

Auf den Umgang mit Minderheiten hebt Trümper besonders ab – auch im Hinblick auf die Religion. Nur 15 Prozent der Magdeburger seien religiös gebunden. Nun kämen viele sehr gläubige Muslime hinzu, eine Herausforderung für das Zusammenleben in der Stadt, über die diskutiert werden müsse.

Debatten dieser Art sind laut dem Magdeburger Kulturbeigeordneten Matthias Puhle von den Kuturhauptstadt-Initiatoren durchaus gewollt: „Dieser Wettbewerb wird politischer“, konstatiert er. „Wir müssen darüber nachdenken, was Europa zusammenhält, damit nicht Zentrifugalkräfte diese Friedensordnung sprengen.“ Das „Magdeburger Recht“ sei bis heute in Osteuropa bis hin nach Kiew bekannter als am Ort der Entstehung. Puhle: „Es ist aktuell wie vor 600 Jahren.“

Arbeit beginnt jetzt richtig

Der Oberbürgermeister spricht von Kultur im engeren und weiteren Sinne, die 2025 an der Elbe erlebbar werden soll, wobei es auch an Leichtigkeit nicht  fehlen werde. „Jetzt beginnt die Arbeit erst richtig“, erklärt Trümper.

Die theoretische Wucht der Grundkonzeption will Szalay nun in die Projektideen ummünzen. In engster Kooperation mit den Bürgern, die auch Bedingung für den Kulturhauptstadt-Titel sei. Das Motto für 2018 sei, sagt Organisationschef Szalay : „Dialog, Dialog“.

Der Kommentar "Ankerobjekt für Kulturhauptstadt fehlt" zum Thema.