Forum Gestaltung in Magdeburg würdigt Künstler mit einer Ausstellung Mathematik wird bei Bartnig zur Kunst
Ein langer Flur bekommt eine klare Funktion als Galerie. 136 Bilder, jeweils vier übereinander, prägen die Flucht im Magdeburger Forum Gestaltung. "variationen. unterbrechungen" heißt die Ausstellung mit Arbeiten von Horst Bartnig.
Magdeburg l Der Absolvent der Fachschule für angewandte Kunst hat seine umfassendste Werkpräsentation in Magdeburg erhalten. Das Mühen des Forums Gestaltung, einstige Schüler symbolisch an ihre erste Wirkungsstätte zurückzuholen, bringt immer wieder Sehenswertes in das alte Lehrgebäude. Für Bartnig eine späte Ehre. Der Wunsch nach einer solchen Präsentation hatte nie eine Umsetzung erfahren.
Auf der Suche nach anderen Ausdrucksformen
Von 1954 bis 1957 studierte der Künstler nach einer Malerlehre in der Elbestadt, lobt noch heute die klassische Ausbildung dort, das Naturstudium, die Schriftlehre. 1936 in Schlesien geboren, war er nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Egeln aufgewachsen. Zunächst führte ihn nach dem Studium sein Weg als Bühnenmaler nach Weimar. 1959 dann der Wechsel nach Berlin, wo er am Berliner Ensemble und am Deutschen Theater wirkte. Dieser wirtschaftlich gesicherte Hintergrund machte eine Beschäftigung mit Kunst ohne Rücksicht auf ideologische und finanzielle Zwänge möglich.
Anfang der 1960er Jahre begann für Bartnig die Suche nach anderen Ausdrucksformen. Erste konstruktiv-konkrete Arbeiten entstanden, Ausstellungen folgten. Eine Zusammenarbeit mit dem Institut für Informatik und Rechentechnik der Akademie der Wissenschaften der DDR ließ bereits 1979 Computergrafiken entstehen, denen umfangreiche Berechnungen vorausgingen. Mathematik als Mittel für künstlerische Entdeckungen gewann Bedeutung.
Der Begriff Konkrete Kunst geht auf Theo van Doesbug zurück, den dieser 1924 prägte. 1930 fand er Niederschlag in einem Manifest bei der Gründung der Gruppe Art concret. Programmatisch gab es die Ausrichtung für eine Richtung der Kunst, die im Idealfall auf mathematisch-geometrischen Grundlagen beruht. Für den Maler und dessen Akribie spricht unter anderem, dass er einmal geplante Reihen in allen Deklinationen ausarbeitet, Serien von beispielsweise 70, 136, 1044 und 3622 Variationen eines Themas sind keine Seltenheit. Die Magdeburger Schau macht das deutlich, lässt das Prinzip greifbar werden.
"variationen mit vier mal vier quadraten in vier farben" gehört mit zu den bekanntesten Arbeiten von Horst Bartnig aus dem Jahr 2004. Auf den ersten Blick ähnelt jeder Rahmen einem anderen. Absicht, System und Berechnung im wahrsten Wortsinn stecken dahinter.
Elemente werden gedreht, verschoben, neu variiert
Abstrakte Mathematik wird zur Kunst. Rot, Gelb, Blau und Grün haben scharfe Trennlinien, sie grenzen aneinander, manchmal sind es auch Winkel oder Linien, die durch gleichfarbige Felder aneinander entstehen. Die Elemente werden dann gedreht, verschoben, neu variiert. Fast 50 Quadratmeter Fläche nimmt diese Arbeit ein. In den anderen Räumen des Forums Gestaltung sind Gemälde, Druckgrafiken und plastische Arbeiten zu sehen. Ein eindrucksvoller Querschnitt aus dem OEuvre Bartnigs. Alle folgen dem gleichen Grundsatz, setzen nahezu analytisch auf geometrische Figuren oder Objekte, lassen Flächen oder Linien durch ihre systematische Anordnung zum Bild werden.
In der Dreidimensionalität von Holzklötzen fühlt sich der computeraffine Betrachter an die fallenden Steine beim Tetris-Spiel erinnert. Kunst wird bei Bartnig zum rationalen Umgang mit Formen und Mathematik, die er mit künstlerischer Freiheit verwendet, ihnen etwas von ihrer Nüchternheit nehmen will.
Die Exposition mit Arbeiten von Horst Bartnig ist noch bis zum 23. November im Forum Gestaltung, Brandenburger Straße 10 in Magdeburg zu sehen. Geöffnet ist Montag bis Freitag von 14 bis 18 Uhr.