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Morgen und Abend - Neue Haas-Oper in London

In London feiert das neue Musiktheaterwerk von Georg Friedrich Haas seine Uraufführung. Vorlage ist ein Roman des Bestseller-Autors Jon Fosse. Im Frühjahr kommt die Oper nach Berlin.

Von Anna Tomforde, dpa 12.11.2015, 23:01

London (dpa) - Für Liebhaber und Fans ist es eine Traumkombination: Der zeitgenössische österreichische Komponist Georg Friedrich Haas stellt nach dem gleichnamigen Roman des norwegischen Bestseller-Autors Jon Fosse seine neue Oper Morgen und Abend vor.

Die Uraufführung ist am 13. November in London. Im April 2016 folgt die deutsche Premiere an der Deutschen Oper Berlin.

Die Koproduktion zwischen dem Royal Opera House Covent Garden in London und der Deutschen Oper hat mit Sarah Wegener, Christoph Pohl und Klaus Maria Brandauer in einer Sprechrolle eine hochkarätige Besetzung. Michael Boder dirigiert.

Für Fosse und Haas ist es nach der 2008 in Paris uraufgeführten Oper Melancholia das zweite künstlerische Zusammenspiel. Das ist kein Zufall, wie Haas in einem dpa-Interview in London erklärt. Ich habe mit Fosse eine wunderschöne Zusammenarbeit gehabt. Und wir wollten das gerne fortsetzen. Er weiß, was der richtige Text für mich ist.

Haas, 1953 in Graz geboren, studierte unter anderem bei dem österreichischen Komponisten Friedrich Cerha (89) und gilt heute selbst als einer der wichtigsten zeitgenössischen Komponisten. Seine Themen kreisen oft um den Tod, um Nacht und Dunkelheit.

Die lakonische Kargheit des Textes, die Mystik und schleppende Handlung von Fosses Roman wird in der Inszenierung von Graham Vick in ein weitgehend kontrastloses, minimalistisches Bühnenbild übersetzt. Ein Holzkahn, ein Bett, ein Stuhl - alles in hellem Silbergrau - bildeten bei einer Probe die Kulisse zu Brandauers eröffnendem Sprechmonolog, in dem er als Olai die Geschichte von Fischer Johannes erzählt.

Geburt, Tod, Übergang und Abschied, die existenziellen Fragen nach Glauben und der Rückkehr ins Nichts vermittelt Haas durch sinnliche Klangsprache und intensive Ausdrucksform. Die Oper eröffnet mit einem gewaltigen Paukenschlag; eingespielte Schmerzensschreie, Licht, Dunkelheit und Stille wechseln sich ab. Beim Übertreten der Schwelle zum Ende der Oper wird es gar so laut, dass das Orchester Ohrenschützer trägt, verrät Haas. Ich will, dass man den Schmerz hört.

Die Sopranistin Sarah Wegener spielt die Hebamme (Signe), der Bariton Christoph Pohl singt die Rolle des Johannes, Will Hartmann (Tenor) ist Peter. Die niederländische Altistin Helena Rasker singt die Rolle der Erna.

Es ist vielleicht nicht Jedermanns Geschmack, aber es dürfte ein kultureller Höhepunkt des Jahres werden, sagte der britische Online-Dienst Culture Whisper voraus.

Royal Opera House Covent Garden

Deutsche Oper Berlin