Frau Kopp-Sievers, vom Land wurde in Aussicht gestellt, dass Museen möglicherweise ab 4. Mai öffnen dürfen. Wäre der Termin machbar?

Ich halte das für sehr sportlich. Ich könnte mir den Internationalen Museumstag am 17. Mai oder den Anfang Juni vorstellen. Große Einrichtungen in den beiden Städten Halle und Magdeburg sind eher in der Lage, zum 4. Mai zu öffnen. Wir haben Museen im Land, die sind als Museumsbauten und für viele Besucher konzipiert. Dazu gehören das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle und das Kulturhistorische Museum in Magdeburg mit ihren wunderbaren großen Sälen. Da stellen sich die Bedingungen ganz anders dar als in kleinen, verschachtelten Räumlichkeiten einer Burg oder in einem historischen Wohnhaus mit kleinteiligen Raumstrukturen.

Sie gehen also davon aus, dass nicht alle Museen öffnen können?

Auf einen Schlag wird das nicht funktionieren, weil bei den Hygiene- und den Abstandsauflagen zu viel beachtet werden muss. Bei den kommunalen Einrichtungen zum Beispiel ist die Reinigung ausgelagert worden. Da muss man erst einmal größere Kapazitäten absprechen, Verträge müssten geändert werden. Mehrmals am Tag müssen Kontaktflächen gereinigt werden, das fängt mit den Türgriffen an, geht über Geländer weiter und hört noch lange nicht bei den Tischvitrinen auf. Mehr Reinigung kostet auch mehr. Wollen die Träger das überhaupt bezahlen? Das Nächste ist das Aufsichts- und Kassenpersonal: Wer gehört zur Risikogruppe, wer nicht? Wer ist durch Kinderbetreuung eingeschränkt einsetzbar? Museen haben Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Und keiner weiß heute, ob am 4. Mai wirklich geöffnet werden kann.

Der Museumsverband arbeitet an Empfehlungen. Wie konkret sind die?

Es gibt nicht die eine Lösung, sondern wir können nur eine Checkliste und Empfehlungen anbieten, woran man denken muss. Wir haben 235 Museen im Land, es wird also 235 individuelle Überlegungen geben. Wir arbeiten aus, was das Einhalten der Abstands- und Hygieneregeln für die Häuser bedeutet. Was alles unternommen wird und unternommen werden kann, müssen die jeweiligen Träger verantworten. Die Situation ist von Haus zu Haus unterschiedlich.

Auch Vereine sind Träger von Museen. Wie schwer wird das alles für sie?

Für Vereine wird es nicht nur finanziell sehr schwer, da kalkulierte Einnahmen aus Veranstaltungen und Spenden fehlen. Auch zählen in Museumsvereinen viele Mitglieder aus Altersgründen zur Risikogruppe. Diese können im Besucherverkehr dann nicht mehr eingesetzt werden.

Der Tourismus ist lahmgelegt, die Mobilität eingeschränkt. Einige Museen leben vom Tourismus.

Der Erfolg einer Öffnung ist auch eine Frage der Mobilität. Viele unserer Museen sind im ländlichen Raum. Um das Freilichtmuseum Diesdorf, das Kloster Memleben, die Burg Falkenstein zu besuchen, muss man sich ins Auto setzen. In der Burg Falkenstein mag vielleicht der Besuch im Haus kompliziert sein, aber den Außenbereich könnte man besuchen. Wie gesagt, es wird sehr unterschiedliche Öffnungsansätze geben müssen. Niemand soll von einem Besuch abgeschreckt werden, die Gefahr einer Infektion ist nicht höher als in einem Geschäft.

 

Die Kulturstiftung des Landes hatte vor Wochen Aufsichtspersonal für ihre geschlossenen Museen in Kurzarbeit schicken müssen. Nutzen viele Häuser Kurzarbeit?

Wir haben keine Überblickszahlen. Wir bedauern aber, dass in einigen Museen durch komplette Kurzarbeit die Arbeit ruht. Nach unserer Kenntnis haben Museen, die sich in 100 Prozent Trägerschaft einer Kommune befinden, kein Aufsichts- und Kassenpersonal in Kurzarbeit geschickt. Entscheidend ist das Träger- und Betreibermodell. Das ist in den Museen sehr verschieden.

Vor allem die Stadt- und Kreismuseen setzen stark auf Schulklassen. Gibt es Pläne, wie die Zusammenarbeit mit Schulen aussehen kann?

Wir müssen davon ausgehen, dass die Jahrgänge, die zum Schulunterricht zugelassen sind, erst einmal nicht ins Museum gehen werden. Es ist ja auch noch nicht geklärt, inwieweit kleine Gruppen ein Museum besuchen können. Ich denke eher, dass die regionalen Häuser ein Bildungsangebot für Familien sein sollen, eben genau für solche Familien, die im Moment ihre Kinder nicht in einen Kindergarten, einen Hort, eine Schule schicken können.

Kann Museumspädagogik überhaupt angeboten werden?

Nicht in der Form, die wir kennen. Die Museumspädagogik muss für Familien Angebote vorbereiten, wie zum Beispiel eine Rallye durch ein Museum, eine Art Suchspiel, das die Kinder auch mit nach Hause nehmen können. Möglich wäre, den klassischen Museumskoffer in Bildungseinrichtungen zu geben, damit dort mit dem Material gearbeitet werden kann. Und Museen müssen auf virtuelle Angebote setzen, auf Recherche im virtuellen Museum. Es ist nicht das reale Erlebnis, nur ein Ersatz, aber es ist eine Möglichkeit.

Der Deutsche Museumsbund sprach mit Blick auf eine schrittweise Öffnung der Kultureinrichtungen von einer Vorreiterrolle der Museen. Sehen Sie das auch so?

Das ist janusköpfig, denn es muss vieles organisiert werden von der Kasse bis zur Hausordnung. Ich sehe uns nicht in einer Vorreiterrolle. Auch Theater, Bibliotheken, überhaupt Einrichtungen, die auf Publikum angewiesen sind, arbeiten an Vorschlägen, unter welchen Bedingungen sie irgendwann wieder öffnen können. Es ist ja nirgends so, dass der Schlüssel einfach wieder umgedreht werden kann.