Berlin l Stadttheater Bernburg, eröffnet am 7. März 1827, Architekt Johann Philipp August Bunge. Platzzahl bei Eröffnung: 400. Baukosten: unbekannt. Mit Schreibmaschine ist all das auf Transparentpapier um 1940 festgehalten worden. Auch, dass das Goethe-Theater in Bad Lauchstädt 9000 Thaler kostete und der Weimarische Staat Bauherr war.

Mehrere Blätter allein zu diesen beiden Bauten sind überliefert, die einst für das Handbuch „Das Deutsche Theater“ zusammengestellt worden sind. An der Herausgabe dieses Handbuches wurde seit 1939 im Auftrag des einstigen Generalbauinspektors für die Reichshauptstadt, Albert Speer, gearbeitet. Warum zu Kriegsbeginn dieses Buch gestemmt werden sollte, ist laut Klaus-Dieter Nägele vom Architekturmuseum der Technischen Universität (TU) Berlin nicht geklärt. Nur so viel: Es sollte eine detaillierte architektonische und bühnentechnische Beschreibung aller zirka 500 Theaterbauten des damaligen sogenannten Großdeutschen Reiches enthalten. Die Technische Universität Berlin beherbergt die Theaterbausammlung mit Tausenden Zeichnungen, Dokumenten und Fotografien. Diese Sammlung wird seit Februar 2016 von Wissenschaftlern des Hauses inhaltlich erschlossen und digitalisiert.

Fotografien und Zeichnungen

Zu einer Veröffentlichung des Theaterhandbuches war es nie gekommen. Umso wichtiger seien die erhaltenen Mappen, die mit über 6000 sehr heterogenen Archivalien, darunter Lichtpausen mit Grundrissen, Schnitten, Bühnentechnikplänen, Fotografien, Handzeichnungen und Schriftstücken, eine einzigartige Zusammenfassung über den Zustand von Theaterbauten zu Beginn des Zweiten Weltkrieges geben, so die Universität.

Bilder

Planmappen für 319 Theaterbauten sind erhalten. Verzeichnet sind mitteleuropäische Theater (Deutschland, Frankreich, Russland, Österreich, Polen, Slowenien und der Tschechischen Republik), darunter 32 Berliner und 20 Wiener Theater. Die Wissenschaftler um Nägele sprechen von einem einmaligen Konvolut als Dokumentation des deutschen Theaterbaus, da es als originäres Quellenmaterial in seiner Geschlossenheit sonst nirgendwo dokumentiert sei.

4753 bereits online

In einem von der deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierten Projekt mit der Beuth Hochschule für Technik Berlin konnte die Theatersammlung erschlossen und digitalisiert werden. Wie die Universität mitteilt, können 4753 Zeichnungen, Dokumente und Fotografien bereits online recherchiert werden. Dabei zu finden sind auch Bernburg, Bad Lauchstädt, Halle, Ballenstedt, Stendal, Magdeburg.

Handzeichnungen von Richard Lucae zum Beispiel zeigen Grundrisse, Längs- und Querschnitte des 1876 eingeweihten Stadttheaters Magdeburg, zudem das Bühnenbild Götterdämmerung eines unbekannten Künstlers. Dargestellt ist die Schlussszene. Das Papier stammt vermutlich von 1894. Ein Bühnengrundriss vom Halberstädter Theater, unterschrieben mit Hochbauamt, Halberstadt im Dezember 1942, ist ebenfalls online eingestellt. In den Schriftwechseln zum Herzoglichen Schauspielhaus Ballenstedt geht es um die Fragebögen, die für das Handbuch beantwortet werden sollten. Die Rücksendung aus Ballenstedt nach Berlin hatte sich verzögert, weil, wie man lesen kann, der zuständige Baubeamte zum Wehrdienst eingezogen war.

So manches, was ins Handbuch aufgenommen werden sollte, existiert nur noch als Zeichnung. Der Zweite Weltkrieg hatte Städte und mit ihnen auch Theaterbauten zerstört. Auch das alte Stadttheater von Magdeburger überstand den Krieg nicht. Es wurde beim Bombenangriff 1945 zerstört. 1944 schon war der letzte Vorhang gefallen.