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  7. Musik im Osten: Diese Kult-Songs liefen in der DDR im Radio

Musik im Osten Kennen Sie sie noch? Diese Songs liefen in der DDR rauf und runter

Ein paar Töne reichten – und jeder kannte das Lied. Auch die DDR hat viele bekannte Songs hervorgebracht. Sie liefen im Radio, auf Feiern und zu Hause. Bis heute sind sie vielen Menschen im Ohr geblieben. Welche Lieder dazugehören.

Von Jonas Lohrmann 16.01.2026, 15:21
"Du hast den Farbfilm vergessen" machte Nina Hagen berühmt. Daneben prägten viele weitere Hits die Musikszene der DDR.
"Du hast den Farbfilm vergessen" machte Nina Hagen berühmt. Daneben prägten viele weitere Hits die Musikszene der DDR. (Foto: Imago/Horst Galuschka)

Magdeburg/Halle (Saale). – Nicht nur heute laufen bestimmte Lieder ständig im Radio, werden auf Feiern gespielt und sind nach den ersten Takten sofort zu erkennen. Auch in der DDR entstanden im Laufe der Jahre echte Musik-Klassiker.

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Wenn nicht gerade Klänge aus dem Westen zu hören waren, etwa von Udo Lindenberg, Nena oder Herbert Grönemeyer, prägten auch Lieder aus dem eigenen Land den Alltag: Songs, die man mitsang, die man fühlte und die vielen Ossis bis heute im Ohr geblieben sind.

1. Wenn ein Mensch lebt (Puhdys, 1973)

Als eine der wichtigsten Rockbands der DDR prägten die Puhdys den Sound ihrer Zeit. "Wenn ein Mensch lebt" wurde im Jahr 1973 veröffentlicht und war Teil ihres ersten großen Erfolgs.

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Richtig berühmt wurde der Song durch den Defa-Film "Die Legende von Paul und Paula". Wer den Kult-Streifen gesehen hatte, kannte auch das Lied. Viele sangen mit – ob sie wollten oder nicht.

Als eine der wenigen DDR-Bands traten die Puhdys auch in der Bundesrepublik auf.
Als eine der wenigen DDR-Bands traten die Puhdys auch in der Bundesrepublik auf.
Foto: Imago/Gueffroy

Die Puhdys spielten laute Gitarren, aber mit Melodien, die im Ohr blieben. Damit wurden sie zur kommerziell erfolgreichsten Rockband der DDR. Viele ihrer Songs kamen auch im Westen gut an. Sie waren eine der ersten ostdeutschen Bands, die dort auftreten durften.

Läuft der Song heute im Radio, fühlen sich viele wohl sofort in ihre Jugend zurückversetzt.

2. Du hast den Farbfilm vergessen (Nina Hagen, 1974)

Das ist einer der bekanntesten DDR-Hits überhaupt. Nina Hagen war erst 19 Jahre alt, als sie mit "Du hast den Farbfilm vergessen" im Jahr 1974 die Charts der DDR stürmte.

Das Lied erzählt eine einfache Geschichte: Ein Paar macht Urlaub. Alles könnte schön sein. Doch Micha hat den Farbfilm für die Kamera vergessen.

Viele Menschen erkannten sich darin wieder. Denn oft fehlten im Alltag kleine Dinge. Farbe, Auswahl, Leichtigkeit. Der Song klang fröhlich, sagte aber mehr, als man zuerst hörte. Genau das machte ihn so beliebt.

Nina Hagen 1974 im DDR-Rundfunkstudio, noch ganz ohne den späteren Punk-Stil
Nina Hagen 1974 im DDR-Rundfunkstudio, noch ganz ohne den späteren Punk-Stil
Foto: Imago/Gueffroy

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Wochenlang stand das Lied ganz oben in den Hitparaden. Es lief im Radio, auf Feiern, aus offenen Fenstern. Und es blieb. So sehr, dass Angela Merkel sich fast 50 Jahre später genau diesen Song für ihren Abschied als Bundeskanzlerin wünschte. Als das Militärorchester ihn spielte, standen ihr Tränen in den Augen.

3. Alt wie ein Baum (Puhdys, 1976)

Der nächste große Erfolg der Puhdys ließ nicht lange auf sich warten. Drei Jahre nach "Wenn ein Mensch lebt" erschien im Jahr 1976 der Song "Alt wie ein Baum" und wurde sofort ein weiterer Klassiker.

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Die Melodie war ruhig, die Stimme kräftig, der Text einfach und nah am Leben. Genau das machte das Lied so stark. Es lief im Radio, auf dem Plattenspieler und wurde bei Konzerten immer wieder verlangt. 1977 landete der Song auf Platz 3 der DDR-Jahreshitparade.

4. Über sieben Brücken mußt du gehn (Karat, 1978)

Dieser Titel gehört zu den leisesten und zugleich stärksten Liedern der DDR. Die Rockband Karat sang in "Über sieben Brücken mußt du gehn" von Abschied, von schweren Wegen und davon, trotzdem nicht stehenzubleiben. Der Text kam ohne große Parolen aus.

Das Lied entstand ursprünglich für einen Fernsehfilm und wurde schnell zu einem der größten Hits der DDR. Viele hörten darin ihre eigene Situation: Zweifel, Hoffnung und den Wunsch, dass es weitergeht. Man musste nichts erklären. Jeder verstand es auf seine Weise.

Das Lied von Karat erlebte im Westen eine zweite Erfolgswelle.
Das Lied von Karat erlebte im Westen eine zweite Erfolgswelle.
Foto: Imago/Gueffroy

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Seinen zweiten großen Erfolg hatte der Song im Westen. Peter Maffay nahm eine eigene Version auf, die in der BRD ein Millionenpublikum erreichte. Später standen Karat und Maffay gemeinsam auf der Bühne. Bis heute ist es eines dieser Lieder, bei denen es im Raum plötzlich still wird und alle leise mitsingen.

5. Am Fenster (City, 1978)

Fast sieben Minuten geht "Am Fenster". Genau das machte den Song wohl so besonders. Während andere Lieder in der Regel nach drei bis vier Minuten endeten, ließ sich City Zeit. Zeit für Musik, für Stimmung, für Gedanken.

Die markante Geigenmelodie, der langsame Aufbau und die weite, fast schwebende Atmosphäre zogen die Menschen sofort in den Bann.

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"Am Fenster" war das Lied, mit dem City bekannt wurden. Es lief oft im Radio und wurde bei Konzerten begeistert gefeiert. Der Song machte die Band auch außerhalb der DDR berühmt. City durften sogar im Westen auftreten. Als erste Ost-Rockband bekamen sie für den Titel eine Goldene Schallplatte.

6. Der blaue Planet (Karat, 1982)

Schon nach den ersten Tönen war klar: Dieser Song klingt anders. Die Melodie von "Der blaue Planet" blieb sofort im Kopf. Karat sangen nicht über Alltag oder Liebe, sondern über die Erde selbst. Das war Anfang der 1980er-Jahre etwas Neues.

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Das gleichnamige Album wurde ein riesiger Erfolg. Mehr als eine Million Menschen kauften es in der DDR – mehr als jedes andere Album zuvor. Auch im Westen wurde das Album verkauft und gehört.

7. Bataillon d'Amour (Silly, 1986)

Schon der Titel klang anders als alles, was man in der DDR kannte. "Bataillon d’Amour": Worte wie aus einem fremden Film. Und genau so fühlte sich auch der Song an. Silly erzählten darin nicht von großer Show, sondern von Gefühlen, die wehtun können.

Der Ausdruck kommt aus dem Französischen und bedeutet so viel wie "Kampfverband der Liebe". Im Mittelpunkt stand die Stimme von Tamara Danz: rau, verletzlich, ehrlich. Sie sang über Nähe und Sehnsucht, über Mut und Angst. Viele hörten in dem Lied ihr eigenes Leben.

"Bataillon d’Amour" von Silly berührt viele Menschen bis heute.
"Bataillon d’Amour" von Silly berührt viele Menschen bis heute.
Foto: Imago/teutopress

Der Song gehörte zum gleichnamigen Album von 1986, das zu den erfolgreichsten Rockplatten der DDR wurde. "Bataillon d’Amour" wurde als Album des Jahres ausgezeichnet, Silly als Band des Jahres, Tamara Danz als Sängerin des Jahres. Ein seltener Dreifacherfolg.

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Auch nach der Wende blieb das Lied populär. Es wurde neu interpretiert, unter anderem von Joachim Witt, und taucht bis heute in Playlisten und auf Samplern auf.