Blankenburg l Aus Blankenburg im Harz auf die große Bühne in Berlin: Dieser Schritt ist Anne Karolczak, besser bekannt als Pretty Pink, gelungen. Die DJane berichtet im Gespräch über das Leben aus dem Koffer, Heimat und darüber, warum Musik nur einen geringen Teil ihrer Arbeit ausmacht. 

Du bist als DJane sehr erfolgreich. Mit dieser Berufsbezeichnung kann allerdings nicht jeder etwas anfangen. Wie würdest du meinen Großeltern deinen Beruf erklären?
Anne Karolczak: Ich bin Produzentin und kreiere am Computer elektronische Musik. Die spiele ich live ab und animiere die Leute zum Tanzen. Ich denke, manche ältere Leute verstehen das, was ich tue, nicht unbedingt als Musik. Für sie ist jemand, der ein Instrument spielt, ein Musiker. Aber für die meisten ist elektronische Musik und handgemachte mittlerweile gleichwertig. Das ist bekannten Namen der Branche zu verdanken, zum Beispiel Robin Schulz und Felix Jaehn.

Mit Felix Jaehn stehst du am Sonnabend in Berlin beim 40. Christopher Street Day (CSD) auf der Bühne.
Genau, auf der Hauptbühne am Brandenburger Tor. Ich freue mich total darauf. Mehrere Zehntausend Leute werden erwartet, das wird eine großartige Veranstaltung. Die Band Mia und Marianne Rosenberg sind dabei. Und ich übergebe dann an Felix Jaehn, den Haupt-Act.

Der CSD ist ja nicht nur eine große Party, sondern eine Demonstration für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern. Ist es dir wichtig, auch politisch einen Standpunkt zu setzen?
Ja, es ist wichtig, mehr Toleranz zu fordern. Die Veranstalter haben den auftretenden Künstlern die Möglichkeit gegeben, ein Statement abzugeben. Ich habe zu dem Motto der diesjährigen Veranstaltung, „Mein Körper, meine Identität - mein Leben“ ein Video aufgenommen. Jeder sollte über seinen Körper selbst bestimmen dürfen, seine Identität und sein Glück finden können. Das Video kann man schon bei Face­book und Instagram sehen.

Wie wichtig sind soziale Medien für deine Arbeit?
Sehr. Sie waren das Sprungbrett für mich, um aus dem kleinen Blankenburg heraus bekannt und gebucht zu werden. Über das Internet kann ich weltweit Kontakte zu anderen Künstlern, zu Veranstaltern und den Fans aufnehmen. Ich versuche, immer auf Kommentare bei Instagram, Facebook und You­tube persönlich zu antworten, das ist mir wichtig.

Durch diese Präsenz kannst du aber auch zur Zielscheibe von Hass-Kommentaren werden. Wie gehst du mit Kritikern um?
Zum Glück habe ich relativ wenige dieser Kommentare. Ich versuche, sie nicht an mich heranzulassen. Es bringt auch nichts, mit solchen Menschen, die sich hinter der Anonymität im Internet verstecken, zu diskutieren. Über konstruktive Kritik freue ich mich dagegen, die ist immer willkommen, und darauf antworte ich auch.

Und wie sieht es innerhalb deiner Branche aus? Ist die Konkurrenz untereinander groß?
Es gibt sicher welche, die so denken. Aber ich empfinde das nicht so. Ich finde es eher toll zu sehen, welchen Weg die Leute gehen. Felix Jaehn habe ich zum Beispiel kennengelernt, bevor er so bekannt war. Ich freue mich, ihn nun am Samstag wieder zu sehen. Wir haben uns schon lange nicht getroffen, er ist viel auf Tour.

Wie man auf Instagram verfolgen kann, bist du ebenfalls viel unterwegs ...
Das stimmt. Im Sommer spiele ich auf vielen Festivals, auch international. Gerade an den Wochenenden reise ich viel. Eigentlich verbringe ich die meiste Zeit meiner Arbeit damit, von einem Ort zum anderen zu kommen. Das glaubt immer niemand, aber das Musikmachen nimmt nur etwa 20 Prozent meiner Arbeitszeit ein, 80 Prozent verbringe ich mit Reisen.

Existiert also ein falsches Bild davon, wie dein Job aussieht?
Die Leute sehen mich immer nur auf der Bühne. Aber es gehört eine Menge mehr dazu, die Arbeit im Studio, die Social-Media-Pflege nimmt viel Zeit in Anspruch, das Abstimmen mit Veranstaltern ... Und wie gesagt das Reisen. Ich war zum Beispiel vor Kurzem in Kapstadt. 18 Stunden hin, 18 Stunden zurück, zwei Stunden Musikmachen. Das Gute ist, dass ich dadurch das Packen optimiert habe. Mittlerweile komme ich mit einem Handgepäckkoffer über drei Tage.

Du wohnst in Leipzig, trittst in Dubai auf, fliegst nach Miami ... Ist der Harz trotzdem noch deine Heimat?
Definitiv, schließlich bin ich hier aufgewachsen. Ich versuche, meine Familie oft zu besuchen. Jedes Mal, wenn ich da bin, fühle ich mich gleich zu Hause. Und ich freue mich, wenn ich sehe, wie gut sich die Region entwickelt, vor allem touristisch.

Könntest du dir also vorstellen, wieder im Harz zu leben?
Ja, für das Alter ist das definitiv eine Option. Ich mag den Wald und die Berge. Aber Leipzig ist auch toll, ich habe mir dort ein Leben aufgebaut, und es ist für meine Arbeit im Moment einfach praktischer, hier zu leben. Flughafen und Autobahn sind direkt vor der Tür und auch die Zuganbindung ist gut.