Magdeburg l Als 2007 der Telemann-Wettbewerb zum zweiten Mal für Kammermusikensembles ausgeschrieben war, hatten sich fünf junge Musiker aus vier Ländern zu einem Ensemble zusammengefunden und in Magdeburg beworben. Die Studenten der renommierten Hochschule für Alte Musik Basel holten damals als „Meridiana“ den ersten Preis. Danach startete das Barockensemble durch, erspielte weitere Preise in England und Deutschland. Heute ist es gefragt bei Festivals in ganz Europa.

„Der Werdegang begann bei uns“, sagt Carsten Lange mit Freude. Der Leiter des Telemann-Zentrums weiß um einige solcher Erfolgsgeschichten, die ihren Ursprung in Magdeburg haben, und erzählt auch von „Camerata Bachiensis“, das derzeit Re­si­denz­ensemble am Bach-Museum Leipzig ist, und Solo-Preisträgern wie Michael Hell (Blockflöte, 2003) und Dmitri Sinkovsky (Violine, 2011). Sie sind heute gefragte Spezialisten im Bereich der Alten Musik.

Seit 2001 findet der Wettbewerb im Zweijahres-Rhythmus statt. Veranstaltet wird er von der Internationalen Telemann-Gesellschaft mit ihren 150 Mitgliedern, die von den USA bis Japan Telemann in die Welt tragen.

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Die zehnte Auflage steht jetzt bevor. Acht Ensembles mit 33 Musikern werden anreisen und sich der internationalen Jury unter Leitung des Musikprofessors Barthold Kuijken in einem öffentlichen Wettbewerb stellen. Wer gewinnt, erhält nicht nur den mit 7500 Euro dotierten Preis der Mitteldeutschen Barockmusik, sondern auch Konzertengagements bei den Magdeburger Telemann-Festtagen oder dem Bachfest in Leipzig. Es kann wie bei „Meridiana“ der Start ins Musikgeschäft sein.

Insgesamt sind drei Hauptpreise ausgelobt, darunter auch der Publikumspreis.

Das Ensemble als Königsdisziplin

Der Wettbewerb war seit seiner Gründung in verschiedenen Kategorien ausgeschrieben, vor zwei Jahren erstmals für Gesang. Da gab es eine große Resonanz, ähnlich wie bei der Violine. Auch der Blockflötenwettbewerb ist rückblickend ein Selbstläufer gewesen, sagt Lange.

Aber das Wetteifern der Kammermusikensembles ist für ihn so etwas wie die Königsdisziplin. Ein Solist könne für sich entscheiden, wann und wie und wie viel er übt. Ein Ensemble aber, das müsse sich erst finden, dann einigen, intensiv proben. Im Gegensatz zu den historischen Holzblas- und den Streichinstrumenten gab es für die jetzigen Teilnehmer keine Repertoirevorgabe. Da brauche man eine besonders intensive gemeinsame Zeit, ein halbes Jahr Vorbereitung auf den Wettbewerb sei normal, sagt Lange. Zudem dürfe es einen personellen Ausfall in der Zeit nicht geben. Die Ensembles hätten keine Ersatzbank. Das sei schon Herausforderung genug – hinzu kämen die Anforderungen des Wettbewerbes mit der historisch orientierten Aufführungspraxis.

„Von Anfang an war es uns wichtig, kein Allerweltswettbewerb zu sein“, sagt der Wissenschaftler. Wer in Magdeburg gewinnt, wirbt gern in seiner Vita mit dem Telemann-Preis. „So mancher Künstler hat die Stadt in seiner Biografie verewigt“, sagt Lange.