Stiftung Bauhaus Dessau und Mies van der Rohe Haus Berlin würdigen einstigen Bauhausdirektor Nachdenken über Ludwig M. in einem gemeinsamen Projekt
Die Stiftung Bauhaus Dessau und das Mies van der Rohe Haus Berlin würdigen den 125. Geburtstag des dritten und auch letzten Bauhausdirektors Mies van der Rohe mit einem gemeinsamen Projekt "Nachdenken über Ludwig M.". Es beinhaltet zwei Doppelausstellungen im Dessauer Doppel-Meisterhaus Muche/Schlemmer und eine zeitgleiche große Party in Dessau und in Berlin. Den Auftakt zum Mies-Jubiläum bildet eine Fotoausstellung mit Bildern von Heidi Specker (geb. 1962) und von Ludwig Glaeser (1930-2006).
Von Helmut Rohm
Dessau-Roßlau. Als eines der bedeutendsten Werke der modernen Architektur zählt sein Barcelona-Pavillon aus dem Jahre 1929, der für die dortige Weltausstellung geschaffen wurde. Die Liste der von Mies van der Rohe (1866-1969) entworfenen, auch gebauten Gebäude ist sehr lang. Sie enthält stilprägende Ein- und Mehrfamilienhäuser, Büro- und Ausstellungsgebäude. Ab 1938 lebte und wirkte Mies van der Rohe in Nordamerika. Dort schuf er unter anderem zahlreiche Bauwerke in Plano, Toronto und Chicago. Anfang der 1960er Jahre erhielt Mies van der Rohe den Auftrag für die Planung der Neuen Nationalgalerie im Kulturforum am Kemperplatz in Berlin, die 1968 eingeweiht wurde.
In Dessau selbst stammte nur die zerstörte Trinkhalle aus dem Jahre 1932 von Mies van der Rohe.
Die beiden Fotografen Heidi Specker und Ludwig Glaeser gehen an die jeweilige fotografische Auseindersetzung mit Mies van der Rohe aus zwei unterschiedlichen künstlerischen Positionen heran.
Die Fotografin Heidi Specker, auch Professorin an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchdruckkunst, wählte als ihr Objekt das Mies van der Rohe Haus (Landhaus Lemke) in Berlin. Diesem Gebäude und den ehemaligen Bewohnern, der Familie Lemke, nähert sie sich künstlerisch subjektiv. Specker lässt den Betrachter mit ihren Fotografien die ästhetischen Reize dieser Architektur nacherleben, wenn sie Spiegelungen im Fenster, Schattenwürfe, Materialstrukturen, Einrichtungsdetails auf ihre besondere Betrachtungsweise und mit ihrer ausgefeilten Technik präsentiert. Heidi Specker hat farbig digital in hoher Auflösung fotografiert, digital bearbeitet sowie aufwändig handgefertigte Offsetdrucke hergestellt.
Ludwig Gläser, von 1963 bis 1980 Leiter des Mies-van-der-Rohe-Archivs und mit dem MoMA in New York verbunden, stammt aus Berlin und kannte Mies van der Rohe persönlich.
Der objektive Blick des Architekten
In Glaesers in Dessau erstmals zu sehenden Fotografien aus den 1970er Jahren spürt der Betrachter den objektiven Blick des Architekten, dessen historische Herangehensweise. Die Dessauer Ausstellung zeigt Gebäude von Mies van der Rohe in Amerika. Darunter befinden sich Aufnahmen vom Farnsworth House in Plano, dem Toronto Dominion Centre, den Lake Shore Drive Apartments und dem Federal Center Chicago.
Diese originalen Schwarz-Weiß-Erstabzüge wurden von Kelton Labs in New York angefertigt, wo sich heute das Glaeser-Archiv befindet. Dort, so berichtet Glaesers Sohn Nikolaus Köhler, befinden sich statt der bisher genannten 5000 Negative annähernd 15000 noch aufzuarbeitende Negative.
Die Dessauer Exposition mit Fotografien von Heidi Specker und Ludwig Gläser wird bis zum 17. Juli gezeigt. Vom 17. Juli bis 28. August stellen an gleichem Ort die Schweizer Künstlerin Rota Ernst und der Architekt Eduard Ludwig aus. Gefeiert wird zu Ehren Mies van der Rohes am 12. und 13. August in Dessau und Berlin.