Frau Serfling, „Salome“ ist Ihr Hausdebüt am Theater Magdeburg.

Susanne Serfling: Ja, ich bin das erste Mal hier engagiert.

Ansonsten ist „Salome“ aber ein Heimspiel für Sie.

Nach dem Staatstheater Darmstadt und dem Landestheater in Detmold singe ich die Titelpartie jetzt zum dritten Mal.

Jede Inszenierung bringt Neues. Was macht die Figur Salome in Magdeburg aus? Ist sie sehr verführerisch?

Sie ist vor allem exzentrisch, spielt mit ihrer noch kindhaften Erscheinung aber schon bewusst mit den Waffen einer heranwachsenden Frau. Der Regisseur sieht sie als verzogene Göre aus reichem Haus, die gegen den Reichtum und das System revolutioniert. Das gibt es ja oft in der Pubertät. Ich sehe auch nicht die erwachsene Frau in der Figur. Für mich ist sie eine Jugendliche.

Salome erlebt jede Menge Dekadenz und fühlt sich hingezogen zum moralisch integren Propheten Jochanaan, doch der stößt sie ab. Sie ist zutiefst verletzt und wird berechnend, fordert dessen Tod. Ist Salome Opfer oder Täterin?

Weil sie selbst Opfer war, wird sie zur Täterin. Es wird ja oft thematisiert, dass sie vom Vater vernachlässigt und missbraucht wurde und dass sie dadurch Rache übt. Für mich handelt sie aus Rache am Vater und an der Mutter.

Was empfindet man, wenn man in der Rolle einen abgehackten Kopf küssen muss.

Ich bin da relaxt, es ist ja nicht mein erster toter Kopf. Der ist von der Maske übrigens stark gemacht und wie in Wirklichkeit richtig schwer. Die drei, vier Kilo halte ich dann und muss dabei singen.

Unabhängig davon – wie sehr fordert die Rolle heraus?

Sehr, weil es von weiß bis ganz schwarz geht, vom kleinen Mädchen bis zur Femme fatale. Die Spannbreite sowohl im Sängerischen als auch im Schauspielerischen ist enorm. Es gibt kindliche Passagen, Salome soll ja 15, 16 Jahre alt sein, aber ebenso auch hochdramatische Teile.

Diese Oper geht ja nur anderthalb Stunden, aber eine Sängerin der Salome verglich sie mit einem Marathonlauf.

Sie ist ein ewiger Sprint. Man verliert gut zwei Kilo an solch einem Abend. Eine Stimme, unverstärkt, muss gegen 80 Instrumente zu hören sein. Das treibt den Schweiß aus dem Körper.

Was ist die Oper für Sie?

Ein Drama, vor allem eine Schicksalserzählung eines Kindes, das in eine reiche Welt hineingeboren wird, in der es Missbrauch gibt.

Es gibt in der Oper den Schleiertanz. Sie müssen tanzen?

Natürlich. Das ist kein Problem. Ich habe eine Ballettausbildung.

Ist die von Vorteil?

Ja, unbedingt. Es war auch in anderen Rollen von Vorteil, wenn man dieses Gefühl für den Körper hat und sich bewegen kann.

Salome lässt sich zu diesem Tanz verführen. Als Dank fordert sie den Kopf des Propheten. Ist dieser Tanz eine Schlüsselszene der Oper?

Viele warten darauf, was aus der Szene gemacht wird. In der Inszenierung hier am Haus wird eine Geschichte erzählt und dazu getanzt. Es ist eine Choreografie, die um eine Idee kreist. Es geht um das sehr heutige Thema Verschleierung in der Öffentlichkeit. Unser Tanz ist dreigeteilt. Es geht um die Frau als Verführerin, um die Religion als Verführerin und leider auch um Kinderpornografie. Der Jochanaan sagt im Stück: „Verschleiere dich und folge mir.“ Für den Regisseur ist das der Schlüsselsatz der Tanzszene.

Können Sie noch neue Facetten entdecken an einer Rolle, die sie schon mehrfach gesungen haben?

Jede Inszenierung ist anders, weil der Regisseur seine Sichten einbringt. Auch ich entwickele Rollen immer wieder weiter und entdecke den Text und die Musik neu. Ich weiß, was ich sängerisch und schauspielerisch leisten kann. Aber zur Routine wird das nicht.

Premiere der Oper „Salome“ ist am 5. Mai, 19.30 Uhr, im Opernhaus Magdeburg. Weitere Vorstellungen sind am 12. Mai und am 3. Juni. Theaterkasse: 0391/40 49 04 90.