Staatliche Museen zeigen 450 Exponate der antiken Stadt Pergamon entsteht in Berlin neu
Eine imposante Stadtanlage mit Tempeln, Palästen, Agora und einem gewaltigen, Zeus geweihten Monumentalaltar: Das antike Pergamon, das sich im Nordwesten Kleinasiens über mehrere Terrassen eines Burgbergs erstreckte, visualisiert der Künstler und Architekt Yadegar Asisi für die Besucher in einer spektakulären Panoramarotunde im Ehrenhof des Pergamon-Museums in Berlin.
Von Sigrid Hoff
Berlin (epd). Es ist der emotionale Einstieg in eine Ausstellung, die erstmals das hellenistisch-römische Machtzentrum Kleinasiens unter dem Titel "Pergamon - Panorama der antiken Metropole" auf der Berliner Museumsinsel in den Mittelpunkt stellt.
Für ein ganzes Jahr, bis September 2012, präsentiert das Pergamon-Museum, zusätzlich zu seinen Architektursälen mit dem Hauptexponat des Pergamon-Altars, rund 450 Skulpturen, Mosaiken, Münzen und Alltagsgegenstände aus eigenem Bestand, ergänzt durch wichtige Leihgaben. Für Andreas Scholl, den Direktor der Antikensammlung in den Staatlichen Museen zu Berlin, ist ein alter Traum Realität geworden: "Wir wollten einmal das ganze Bild dieser Stadt zeigen, von der so viele Architekturteile und andere Funde seit den ersten Grabungskampagnen vor 133 Jahren nach Berlin gesandt wurden."
Gegliedert in zehn Oberthemen hebt die Ausstellung Objekte, die zum Teil Jahrzehnte in den Depots schlummerten und nun mit erheblichem Aufwand erstmals restauriert und für die Wissenschaft erschlossen wurden, ins Licht der Öffentlichkeit.
Von einer Siedlung zur Metropole
Der Rundgang durch die Sonderausstellung beginnt im Nordflügel mit einem Raum, in dem große Frachtkisten in einem Regal aus Baugerüsten das Thema der frühen archäologischen Grabungen an dem antiken Ort illustrieren. Der deutsche Ingenieur Carl Humann, der zur Betreuung von Straßenbauarbeiten in der Türkei war, entdeckte bereits 1864, wie Einheimische antike Statuen und Reliefs zu Kalk verbrannten. Er stoppte die Zerstörung der Artefakte und führte ab 1878, im Auftrag des deutschen Kaiserreichs und der Berliner Museen, erste Grabungen durch.
Zeichnungen und Pläne Humanns, etwa von der ersten Kampagne rund um den großen Altar, ergänzt durch Grabungstagebücher, sowie Aquarelle eigens mitgereister Maler dokumentieren den Zustand der antiken Stätte zu Beginn der Ausgrabungen im 19. Jahrhundert.
Erst in der hellenistischen Zeit, ab dem 3. Jahrhundert v. Chr., wuchs Pergamon von einer relativ unbedeutenden Siedlung am Fuße einer Felsenburg zu einer bedeutenden Metropole. Frühe Skulpturen, Terrakotten und andere Baudekorationen zeigen, dass die Siedlung bereits davor in ein weites Handelsnetz eingebunden war.
Das hellenistische Pergamon als Bürgerstadt, in der neben den Heiligtümern auch die Agora als Ort politischer Entscheidungen und das Gymnasion als Bildungsstätte eine wichtige Rolle spielten, und den Stellenwert von Wissenschaft und Kunst im antiken Pergamon illustrieren Skulpturen, die zum Teil nur als Fragment erhalten sind, sowie zahlreiche Kleinfunde, darunter Türbeschläge und Keramiken. Wasserrohre und sogar ein bronzener Zapfhahn belegen den hochentwickelten Stand der Wasserversorgung auf dem Burgberg.
Kostbare Mosaike zeigen die Pracht
Ein Höhepunkt des Rundgangs ist der Raum, der den herrschenden Attaliden gewidmet ist. Die Königsfamilie, die sich 150 Jahre in Pergamon halten konnte, trieb Kunst und Wissenschaft in Pergamon zu hoher Blüte und baute die Stadt aus. Sie errichtete Heiligtümer, den Pergamonaltar, der unter Eumenes II. entstand, eine erste Bibliothek im Athene-Heiligtum und prachtvolle Paläste. Die Ausstellung zeigt Porträtbüsten, so den Kopf des Dynastie-Gründers Philitheiros, der aus Neapel entliehen wurde, und das Bildnis des ersten Königs von Pergamon, Attalos I., aus dem Berliner Bestand.
Die Pracht der Paläste illus- trieren kostbare Mosaike, darunter ein feingearbeitetes Fischmosaik, eine der frühesten Arbeiten in dieser Technik, oder etwa ein mit Greifen bemalter Stuckfries, wie er später in Pompeji typisch wurde. Er wurde erstmals restauriert und ist auch in dem üppigen Katalog farbig publiziert. Heiligtümern und Göttern, vor allem der Stadtgöttin Athene, ist ein weiterer Raum gewidmet. Den Abschluss bildet das Thema der Rezeption des antiken Pergamon seit dem späten 19.Jahrhundert.
Vermutungen, die Schau könnte neue Forderungen nach der Rückgabe von Skulpturen an die Türkei wecken, tritt Sammlungsleiter Andreas Scholl entschieden entgegen: "Die pergamenischen Funde sind aufgrund klarer vertraglicher Vereinbarungen hier in Berlin, das thematisieren wir gleich im ersten Raum."