Oft kritisiert, aber sehr erfolgreich: Regisseur Michael Verhoeven wird 75 Politische Filme gegen das Vergessen
Den Fokus der Kamera richtet Michael Verhoven gerne auf schwierige, schmerzliche Themen. Leicht macht es sich der Regisseur nicht. Mit seinen Filmen leistet er seit fast 50 Jahren auch einen Beitrag zu historischer Aufarbeitung und für mehr Toleranz.
München (dpa) l Verdrängen und vergessen lässt Michael Verhoeven sein Publikum nicht - in seinen Filmen konfrontiert der Regisseur die Menschen immer wieder mit den dunklen Seiten der deutschen Geschichte. Filmemachen als Erinnerungsarbeit. Offen und direkt spricht Verhoeven in seinen Werken Themen an, die wachrütteln und unbequem sind. Das gelingt ihm über deutsche Grenzen hinaus. 1991 wurde sein Film "Das schreckliche Mädchen" für einen Oscar nominiert. Am Sonnabend feiert der in München lebende Regisseur und Ehemann von Senta Berger seinen 75. Geburtstag.
Zu den bekanntesten Filmen des gebürtigen Berliners zählt "Die Weiße Rose" mit Lena Stolze aus dem Jahr 1982. Gegen das Filmprojekt über die Studenten, die in München Widerstand gegen die Nazis leisteten, hatte es anfänglich erheblichen Widerstand gegeben. Verhoeven blieb hartnäckig. Fünf Mal musste er seine Pläne einreichen, um Fördergelder zu bekommen. Als der Film anlief, gab es erneut Wirbel: Im Abspann hatte Verhoeven den Deutschen vorgehalten, sie hätten die Unrechtsurteile aus der Zeit des Nationalsozialismus nicht ausreichend aufgearbeitet.
Auch "Der unbekannte Soldat" aus dem Jahr 2006 war ein solcher politischer, gesellschaftskritischer Film - eine Dokumentation über die Verbrechen der Wehrmacht und die Frage, welche Rolle dabei die einfachen Soldaten spielten. Ebenso brachte er den Vietnamkrieg, die deutsche Wiedervereinigung oder die Misshandlung von Kindern zur Sprache. Als Held oder Einzelkämpfer sieht sich Verhoeven dennoch nicht. "Ich habe meine politische Wirkung immer im Zusammenhang mit Autoren und anderen Filmemachern gesehen", sagte er einmal im Interview. "Ich bin ja auch kein Aufrührer, der zu irgendetwas aufruft, ich halte nur nicht mit meiner Meinung hinterm Berg." Dass er auch leichte filmische Kost servieren kann, zeigte Verhoeven mit der Serie "Die schnelle Gerdi" mit Senta Berger in der Hauptrolle.
Sein engagiertes Auftreten wurde mit zahlreichen Auszeichnungen honoriert, darunter 2010 der Simon-Snopkowski-Preis der Gesellschaft zur Förderung jüdischer Kultur und Tradition, 2009 der Toleranzpreis des Jüdischen Museums Berlin, der Ehrenpreis des Bayerischen Filmpreises 2007 sowie das Bundesverdienstkreuz.
Dass er überhaupt beim Film Karriere machen würde, war lange nicht klar, auch wenn er als Sohn des Regisseurs Paul Verhoeven gute Voraussetzungen hatte. Nach einigen Kinderrollen entschied sich der Sohn gegen den Willen des Vaters zunächst für ein Medizinstudium, das er mit Promotion abschloss. Finanziert hat er sich das Studium mit Schauspielerei - und fand dabei sein privates Glück. Denn bei einem dieser Drehs lernte er Senta Berger kennen, die gerade zu einer internationalen Karriere aufbrach.
Romantisch waren ihre ersten Begegnungen nicht. "Unsere Bekanntschaft begann mit einem fulminanten Streit um Fellinis Film Achteinhalb, verriet Verhoeven. Doch dann kam der Film "Jack und Jenny" von 1963, als sich beide vor der Kamera küssen sollten. Der Beginn einer großen Liebe. Das Paar ist bis heute verheiratet. Skandalfrei und ohne große Auftritte in den Klatschspalten. Die beiden Söhne des Paares, Simon und Luca, sind ebenfalls mit Erfolg in der Filmbranche tätig. Über seine Ehe sagte Verhoeven einmal: "Für mich hat die Ehe mit der Senta etwas Selbstverständliches - nicht in dem Sinne, dass sie zur Gewohnheit geworden ist, sondern dass sie zu meinem Leben gehört."